Vor genau zehn Jahren standen sich im Halbfinal-Rückspiel der Champions-League-Saison 2009/2010 der FC Barcelona und Inter Mailand gegenüber. Die Nerazzurri trainierte damals ein gewisser José Mourinho.


Der Portugiese hatte zwar eine Vergangenheit als culé (zwischen 199 und 1999 war er Co-Trainer bei den Katalanen), sich aber emotional während seiner folgenden Jahre immer weiter von seinem früheren Arbeitgeber entfernt. Kurzum: Mourinho war im Frühjahr 2010 sicherlich nicht der beliebteste Gast im Nou Camp.


Mourinho setzt auf Catenaccio


Mit 3:1 hatten die Italiener das Hinspiel im San Siro gewonnen. Doch ob das reichen würde, angesichts der offensiven Wucht der Azulgrana um ihren Superstar Lionel Messi? Der wollte Mourinho mit einer italienischen "Spezialität" begegnen: dem lupenreinen Catenaccio. Oder, wie die Spanier sagen: indem er einfach einen Bus vorm von Júlio César gehüteten Tor parkte. Alle Mann in die Defensive - das war Mous Motto an diesem April-Abend vor 98.000 in Barcelona.


Als Mourinho feiern will, heißt es: Wasser marsch!


Erst recht, als die Gäste sich bereits nach 28 Minuten in Unterzahl befanden. Thiago Motta war mit Gelb-Rot vom Platz gestellt worden. In der Folge entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor - das der Mailänder. Doch trotz einer Ballbesitzquote von bisweilen 76 Prozent (!) konnten die Spanier ihre optische Überlegenheit nicht in Zählbares, sprich: Tore, ummünzen. Nur einmal gelang es ihnen, den Ball ins Netz zu bringen. Doch das 1:0 von Piqué in der 83. Minute reichte am Ende nicht.


Was dann folgte, ist im kollektiven Gedächtnis stärker hängengeblieben als die 90 Minuten zuvor: ein völlig außer Rand und Band befindlicher Mourinho lief quer über den Rasen des Stadions in Richtung Gästeblock und wollte sich dort ausgiebig von den Tifosi feiern lassen. Auch von einigen Barça-Spielern ließ sich der Coach nicht davon abhalten. Es gab Gerangel und ein paar unschöne Kommentare.


Und dann beendeten die Stadionverantwortlichen die geplante Siegesfeier: sie schalteten alle Rasensprenger an - und ließen so die Inter-Sause im Nou Camp sprichwörtlich ins Wasser fallen. Der Freude Mourinhos tat dies allerdings keinen Abbruch: "Das war die schönste Niederlage meines Lebens. Meine Helden haben Blut geschwitzt. Diese Nacht war schöner als mein Champions-League-Sieg mit dem FC Porto", stammelte er sichtlich überwältigt in die ihm vorgehaltenen Mikros. Und fügte noch, in der typisch-überhöhten Mourinho-Manier, hinzu: "Über dieses Spiel wird man noch in 40 Jahren sprechen." Wir tun es hiermit, wenn auch "erst" nach zehn Jahren.