Alexander Nouri war einer von vier Trainern, die den Weg von Hertha BSC in der abgelaufenen Saison begleitet haben. Gemeinsam mit seinem Vorgänger Jürgen Klinsmann heuerte der 40-Jährige im November vergangenen Jahres an, trotz des chaotischen Endes der Zusammenarbeit schwärmt er im Interview mit Sport1 vom früheren Bundestrainer.


Bei Hertha BSC und bei Investor Lars Windhorst hat Jürgen Klinsmann verbrannte Erde hinterlassen. Nicht aber bei Alexander Nouri. Der frühere Trainer von Werder Bremen und dem FC Ingolstadt heuerte gemeinsam mit Klinsmann in der Hauptstadt an, war als Co-Trainer sein wichtigster Ansprechpartner bei der spieltaktischen Ausrichtung und arbeitete entsprechend eng mit ihm zusammen.


An Klinsmann denken die Verantwortlichen - insbesondere Geschäftsführer Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer, die in seinen veröffentlichten Tagebüchern explizit kritisiert wurden - nur ungern zurück. Der frühere Bundestrainer sollte die Hertha aus dem Abstiegskampf führen, sprach mittendrin aber davon, den Verein zu einem "Big City Club" machen und bald um die Meisterschaft mitspielen zu wollen, ehe er seinen Rücktritt via Facebook verkündete. Ambitionen so offensiv auszusprechen, während der Status Quo alles andere als rosig aussieht, erscheint weder glaubwürdig noch realistisch; und sein Rücktritt war impulsiv und unüberlegt.


Nouri blickt auf "hochprofessionelle" Zusammenarbeit zurück


Dennoch spricht Nouri von einer "hochprofessionellen" Zusammenarbeit mit Klinsmann. Die war außerdem "erfolgreich", empfindet er. "Wir haben die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand, punktgleich mit Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf auf dem Relegationsplatz übernommen. Dann hat Jürgen mit seiner Art und wir vom Trainerteam gemeinsam das Schiff wieder auf Kurs gebracht. Am Ende haben Jürgen und später auch ich das Team mit sechs Punkten Vorsprung auf Platz 16 übergeben."


Jürgen Klinsmann und Alexander Nouri brüsten sich mit passablen Ergebnissen, insgesamt aber hat das Duo auf vielen Ebenen enttäuscht

Nouris Nachfolger Bruno Labbadia baute ebenjenen Vorsprung auf zehn Punkte aus, jedoch entfachte nicht nur deshalb wieder Euphorie in der Bundeshauptstadt. Schon unter Klinsmann wurde Fußball á la Nouri gespielt und lieber der Beton vor dem eigenen Strafraum angerührt statt aktiv nach vorne zu spielen. Aus taktischen Gesichtspunkten ließ nichts darauf hoffen, dass die Alte Dame von der grauen Maus zum "Big City Club" wird - wenngleich Nouri betont, dass es nicht um den sofortigen Aufstieg ins obere Tabellendrittel ging: "Der Klassenerhalt war am Ende das wichtigste Ziel."


Der Klassenerhalt war auch Labbadias Ziel, jedoch war er derjenige, der den Tanker wieder auf Kurs gebracht hat. Er hat den Spielern neues Selbstvertrauen eingeflößt, ihnen Mut zugesprochen und trotz der Corona-Pause eine Idee vermittelt, die auf Anhieb funktioniert hat. Plötzlich ging es nach vorne, nicht nur mit Tempo, sondern auch mit Spielfreude. Fortschritte dieser Art waren unter Klinsmann und Nouri nicht zu erkennen.


Nouris Illusion


Insgesamt war die Ära Klinsmann schädlich für Hertha. Für 77 Millionen Euro wurde im Winter auf dem Transfermarkt eingekauft, die Mannschaft blieb aber weiter auf dem Holzweg - und der Klub versank spätestens nach seinem Rücktritt im Chaos. Die Zusammenarbeit war auf vielen Ebenen chaotisch, schlecht für das Image, und Nouris Rückblick illusorisch. Die reinen Ergebnisse wiegen nichts von der verbrannten Erde auf, die Klinsmann hinterlassen hat. Rückblickend war sein Rücktritt ein Segen und Nouris Entlassung vorhersehbar.