Bundesligist Hertha BSC ist überraschend in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Eintracht Braunschweig ausgeschieden und musste somit gleich zu Beginn der neuen Pflichtspiel-Saison einen herben Dämpfer hinnehmen. Auf dem Weg zur Topmannschaft in Deutschland wird deutlich: Geld allein macht nicht glücklich, beruhigt jedoch immerhin die Nerven.


Es dauerte nicht all zu lang, da musste Bruno Labbadia sich bereits nicht mehr zum "brutal enttäuschenden" Pokal-Aus gegen Underdog Eintracht Braunschweig äußern, sondern wieder einmal Fragen zum gesamten Investoren-Projekt Windhorst-Hertha beantworten. Etwas, das der Trainer nicht gerne tut, jetzt nun mal jedoch zu seinen Aufgaben zählt. Gegenüber der Welt am Sonntag versuchte Labbadia erneut das Bild, welches in der jüngeren Vergangenheit vom Verein gezeichnet wurde, gerade zu rücken.


Labbadia über Transfers: Müssen "sehr clever haushalten"


Der Verein müsse trotz der Windhorst-Millionen "sehr clever mit seinen Mitteln haushalten". Darüber hinaus hätten in der laufenden Transferphase einige Vereine bereits mehr Geld ausgegeben als die Hertha im Augenblick überhaupt zur Verfügung habe. "Trotzdem merken wir, dass wir gern als Neureiche bezeichnet werden. Und das trifft nicht ganz zu", fügte er an.


Und dennoch: Schon jetzt merkt man, dass die Führungsetage der Alten Dame zu anderen Zeiten auch mal anders reagierte, wenn der Start in die Spielzeit missglückte. Denn hört man sich dieser Tage in Berlin um, dann wird das Ausscheiden in der ersten Runde des Wettbewerbs zwar "brutal" enttäuscht zur Kenntnis genommen, anders als sonst brennt jedoch nicht gleich der ganze Hertha-Baum. Kann das doch etwas mit den Tennor-Millionen zu tun haben? Im Herbst werden es insgesamt 374 Millionen Euro gewesen sein, die Investor Lars Windhorst dem Verein über sein Unternehmen zukommen lässt.


Karim Rekik galt als Gewinner der Vorbereitung, konnte gegen Braunschweig jedoch nicht überzeugen

In Berlin weiß man mittlerweile, worauf man hinarbeitet, - vor allem womit - und dass trotz ambitionierter Ziele Zeit da ist für Entwicklung. Das frühe Ausscheiden im DFB-Pokal hat gezeigt: Geld allein reicht nicht aus, um eine Top-Mannschaft zu formen, beruhigt jedoch die Nerven ungemein! So gesehen kommt dieser Weckruf genau zur richtigen Zeit. Um zu zeigen, dass die nächsten Jahre alles, aber kein Selbstläufer werden. Auch um Bruno Labbadia und dem Team vielleicht den restlichen Kick Motivation zu geben, dafür in der Bundesliga umso härter zu arbeiten.


Will man bereits in der nächsten Saison internationalen Fußball spielen, kann man sich auf den Weg über den DFB-Pokal nicht mehr verlassen. Heißt: In der Bundesliga muss ordentlich geschwitzt werden, um allen im Verein eine noch ruhigere Saison zu ermöglichen. Möglich ist das allemal. Labbadia hat bereits erkannt wo der Schuh bei der 4:5-Niederlage gegen den Zweitligisten drückte: "Es geht darum, gemeinsam mit aller Macht das eigene Tor zu verteidigen. Dann werden wir auch eine andere Stabilität in unser Spiel bekommen", und spricht damit die nicht ganz so souveräne Defensiv-Leistung seiner Mannschaft an.


Der Trainer macht Mut für die anstehende Saison


Gut für die Hertha: Mit dem 54-jährigen Labbadia hat man nicht nur einen erfahrenen Bundesliga-Coach an der Seitenlinie stehen, sondern auch einen Realisten, der zum einen genau, aber auch ehrlich die noch nicht beseitigten Schwächen seines Teams aufzeigen kann. Darüber hinaus gibt der ehemalige HSV-Trainer der Hertha ein anderes Bild, als es noch Jürgen Klinsmann getan hatte, unter dem phasenweise der Eindruck entstand, in Berlin würde im kommenden Jahr bereits das Triple gefeiert werden.


Wichtig wird sein, wie im gesamten Verein nicht nur mit dieser Niederlage, sondern auch mit den weiteren Hürden einer langen Saison umgegangen wird. Man ist auf einem guten Weg. Das zeigt auch die Aussage Labbadias, dass man nicht mehr auf dem Transfermarkt wildern wird. Das schließt zwar nicht aus, dass in den kommenden Wochen doch noch ein Neuzugang vorgestellt wird, im Großen und Ganzen hat der Trainer seinen Kern jedoch zusammen. Zudem muss auch ehrlich konstatiert werden: Die Vorbereitungszeit für das Braunschweig-Spiel war alles andere als optimal - umso wichtiger, dass der Bundesliga-Auftakt gelingt. Im Pokal ist die Hertha zwar raus, doch nach Hause gehen wir nicht.