Auf kaum einer Position ist der deutsche Fußball so hochwertig besetzt wie auf der des Torhüters. Mit Manuel Neuer erfreut sich Deutschland seit über einem Jahrzehnt an einem Keeper auf Weltklasseniveau. Mit Marc-Andre ter Stegen sitzt Neuer allerdings seit einigen Jahren ein arger Konkurrent dicht im Nacken. Im kommenden Champions-League-Spiel des FC Bayern gegen den FC Barcelona treffen die Duellanten nun direkt aufeinander.


Die Diskussion, wer der beiden Platzhirsche im Rennen um die Nummer eins im DFB-Tor die Nase vorn hat, spaltet inzwischen die Fangemeinde. Bundestrainer Joachim Löw vertraute in der Vergangenheit trotz einiger Formschwächen dem erfahrenen Neuer. Ter Stegen, der nach anfänglichen Startproblemen bei Barca inzwischen überragt, blieb bisher ohne Chance.


Rummenigge: ter Stegen "ist auf dem Weg" in die Weltklasse


In den Augen von Karl-Heinz Rummenigge ist dies völlig vertretbar. Der Bayern-Boss spricht beiden Keepern ein großes Können zu: "Die Nationalmannschaft kann sich glücklich schätzen, zwei solche Torhüter in den Reihen zu haben. Beide sind top", so Rummenigge gegenüber der tz. Allerdings sei Neuer bereits "Weltklasse, ter Stegen [...] auf dem Weg in die Weltklasse". Eine durchaus brisante Aussage vor der kommenden Königsklassen-Partie der Bayern gegen die Katalanen - womöglich auch nicht ohne Hintergedanke.


Er erscheint etwas anmaßend, dem seit Jahren bockstarken ter Stegen die Kategorie der Weltklasse zu verwehren. Keine Frage, Rummenigge muss als Chef der Bayern zu seinem Spieler halten. Doch ist er damit im Recht?


Flugwunder ter Stegen hält bei Barca den Kasten dicht

Vertraut man der Statistik (opta via Sky), liegen Neuer und ter Stegen in (fast) allen Belangen gleichauf. Der Münchner kassierte alle 92 Minuten ein Gegentor, der Barca-Keeper alle 96 Minuten. Neuer patzte zweimal vor einem Gegentor, ter Stegen dreimal. Auch beim Anteil der abgewehrten Bällen liegen beide dicht beinander (69 Prozent vs. 72 Prozent). Insgesamt musste ter Stegen nur 42 Mal hinter sich greifen, Neuer fünfmal mehr.


Neuer und ter Stegen auf einem Niveau!


Natürlich ist das Torwartspiel von anderen Faktoren abhängig. Gerade die Arbeit der Vorderleute ist nicht zuletzt für ein Gegentor verantwortlich. Doch die knappen Statistiken zeigen, dass die Unterschiede zwischen den beiden Torhütern so gering ist, dass sich eine unterschiedliche Kategorie-Einordnung nicht lohnt.


Sprich: Wenn Rummenigge ter Stegen nicht in der Weltklasse sieht, gilt dies auch für Neuer. Umgekehrt muss Neuer aber dann auch Weltklasse sein, wenn man ter Stegen hier einordnen möchte. Letzteres ist wohl die sinnvollere Lösung der Debatte. Wer ter Stegen allerdings nicht in der absoluten Spitzenklasse erkennen mag, sollte sowieso nochmal seine Kategorien überdenken. Denn wo fängt Weltklasse an, wenn ter Stegen immer noch "auf dem Weg" dorthin sei?