Viel ist in den vergangenen Tagen darüber diskutiert worden, welchen Mannschaften die Geisterspiele zum Vorteil gereichen könnten. Sind es die großen Teams, deren Gegner, vor allem bei dessen Heimspielen, nun nicht mehr auf die Unterstützung ihrer Fans bauen können? Oder doch die kleinen, weil die rasende Atmosphäre in den riesigen Tempeln der Favoriten nun nicht mehr zu tragen kommt? Für BVB-Abwehrchef Mats Hummels stellt sich die Frage erst gar nicht.


Denn für den 31-jährigen Ex-Nationalspieler gibt es in der aktuellen Lage weder Begünstigte noch Benachteiligte. "Es ist einfach eine andere Situation", sagte der Verteidiger in der BR24-Sport-Webshow Verlängerung . "Ich sehe es nicht als Verzerrung, nullkommanull. Es gelten für alle die gleichen Bedingungen."


Hummels' Argumentation lässt die unterschiedlichen Kaderqualitäten aus dem Auge


Womit er zwar auf den ersten Blick recht hat, aber auf den zweiten auch wieder nicht. Denn dass alle Mannschaften unter gleichen Umständen in den Wettbewerb eintreten, lässt sich schon mit einem Blick auf die einzelnen Kader widerlegen. Keiner würde wohl auf die Idee kommen, zu behaupten, dass der SC Paderborn dasselbe Potential wie der FC Bayern habe. Oder dass der Kader von Fortuna Düsseldorf mit dem des BVB gleichzusetzen sei.


Publikum als Kompensator fällt weg - ein klarer Nachteil für die sogenannten Kleinen


Doch genau da setzt die Wirkung des Geisterspiel-Effekts an. Denn durch die Abwesenheit der eigenen Fans wird vor allem den qualitativ nicht so hochstehenden Teams die Möglichkeit der Kompensation genommen. Denn oft genug kann der Zusammenschluss zwischen einer begeisternden (und begeisterten) Kulisse im Stadion und den Spielern auf dem Rasen für einen momentanen oder punktuellen Schub sorgen, mit dem etwaige spielerische (oder auch taktische) Mängel ausgeglichen werden können. Alljährlich wird dies in den ersten Runden des Pokalwettbewerbs deutlich.


Von daher muss man die Worte von Mats Hummels sicherlich etwas relativieren. Seiner Borussia jedenfalls konnte man am Samstag nicht unbedingt anmerken, die eigenen Fans über Gebühr zu vermissen. Was vielleicht aber auch am desolaten Gegner lag, der den Schwarz-Gelben ab der 30. Minute fast nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Dabei hatte es im Vorfeld des Revierderbys durchaus auch Stimmen gegeben, die in der Geisterkulisse einen Nachteil für den Gastgeber verortet hatten. Die Mannschaft widerlegte diese Befürchtungen mit einer eindrucksvollen Vorstellung. Dennoch glaubt auch Hummels, dass an den kommenden Spieltagen "die Spiele noch unvorhersehbarer" werden, weil "der Heimvorteil gefühlt wegfällt".


Keine Fan-Unterstützung gegen die Bayern


Gerade für ihn und seinen BVB ist es deshalb besonders schmerzhaft, beim nächsten Auftritt in der heimischen Arena erneut auf die 80.000-fache Unterstützung ihrer Fans verzichten zu müssen: am kommenden Dienstag (18.30 Uhr) empfangen sie nämlich keinen Geringeren als den FC Bayern München.