In der abgelaufenen Saison ist BVB-Trainer Lucien Favre des Öfteren in die Kritik geraten. Am Rande des Trainingslagers in Bad Ragaz (Schweiz) äußerte der 62-Jährige sein Unverständnis für den medialen Umgang mit seiner Person.


Ob die falsche Aufstellung, die falsche Einstellung, falsche Auswechslungen oder fehlende Emotionalität an der Seitenlinie - wann immer der BVB in der vergangenen Saison unter Zugzwang geriet, richtete sich der Blick auf Lucien Favre. Begonnen hatte die Kritik am Schweizer schon in seiner Debütsaison, nachdem Dortmund in der Bundesliga-Rückrunde den Titel verspielte und dem FC Bayern wieder einmal den Vortritt lassen musste. Bis heute ist sie nie abgebrochen.

Skurril wurde es nach der 0:1-Niederlage gegen die Bayern am 28. Spieltag. Bei Pay-TV-Sender Sky erklärte Favre, nach Saisonende über die zahlreiche Kritik sprechen zu wollen - prompt sprach TV-Experte Lothar Matthäus von einem Rücktritt und brachte Ex-Bayern-Trainer Niko Kovac als potentiellen Nachfolger ins Spiel. Es war neues Wasser auf den Mühlen der Berichterstattung, die wieder einmal Favre ins Visier nahm - doch der 62-Jährige ist auch heute offizieller Cheftrainer von Borussia Dortmund und will seinen bis 2021 datierten Vertrag erfüllen.


Favre ärgert sich über "unprofessionelle" Kritik


Ihn selbst habe die Kritik nicht berührt, sagte Favre gegenüber der ARD, sein direktes Umfeld habe dagegen mit Erschütterung reagiert: "Viele haben mir gesagt, das war verrückt. In Frankreich oder in der Schweiz: Das war verrückt, was die Presse in Deutschland über mich geschrieben hat. Sie haben gesagt, das war ein Skandal."


Schon in der Vergangenheit hatte Favre sein Verständnis für die Berichterstatter ausgedrückt, schließlich hätten die Journalisten auch nur ihren Job zu erledigen. Der Inhalt sei für ihn jedoch nicht nachvollziehbar: "Für mich sind das manchmal Dummheiten", wurde Favre deutlich, "nicht viele analysieren unsere Mannschaft und unsere Fähigkeiten im Vergleich zu den anderen. Sie sagen, wenn wir verlieren, ist der Trainer schuld. Das ist keine Analyse, das ist unprofessionell."

Man solle einen Blick auf den Kader werfen oder das Leistungspotenzial einzelner Spieler beurteilen, um eine treffende Analyse zu verfassen. Der stetige Fingerzeig auf den Trainer sei hingegen "nicht normal". "Viele sehen einfach, dass wir nicht sensationell sind, aber wir geben unser Bestes, wir arbeiten sehr hart, wir haben auch gute Spieler. Es war für mich sehr, sehr übertrieben", sagte Favre.

Seit seinem Amtsantritt im Sommer 2018 wurde der BVB zweimal Vizemeister, im DFB-Pokal und der Champions League war in beiden Spielzeiten jedoch schon im Achtelfinale Schluss. Seit Montag bereitet sich die Mannschaft in Bad Ragaz auf die Titeljagd in der neuen Saison vor - mit Lucien Favre, der noch immer die Chance hat, die Klubbosse von einem neuen Vertrag zu überzeugen.