Am Mittwochabend musste sich der FC Bayern im Spiel um den Supercup mit Vizemeister Borussia Dortmund messen - am Ende ein Sieg des Willens für die Münchener. Auch wenn es einen erneuten Titel-Gewinn zu feiern gibt, sind die Erkenntnisse aus dem Auftritt selbst nicht nur positiv.


Mit dem 3:2-Siegtreffer besiegelte Joshua Kimmich in der 82. Minute das Aus für Borussia Dortmund und gleichzeitig den erneuten Erfolg des FC Bayern. Es war ein Tor, das exemplarisch nicht nur für das Spiel selbst, sondern auch für den Auftritt des deutschen Rekordmeisters stand: Zwar bissig und kämpferisch, am Ende aber auch etwas zäh und glücklich - auch wenn der Treffer mit der Hacke beim Fallen an sich sehr schön und amüsant anzusehen war.


Die Erkenntnisse zum Bayern-Triumph im Supercup gegen den BVB


1. Mentalität und Ehrgeiz auf Seiten der Bayern

Ein Sinnbild für den Willen: Kimmich und Lewandowski nach dem 3:2

Auch wenn sich so manche Fans vor dem Spiel einredeten, der Supercup sei ein sinn- und nutzloser Wettbewerb, der nur Zeit, Ausdauer und Kraft kosten wird: es war immer noch ein Duell zwischen den Bayern und dem BVB, in dem es vor allem um Prestige geht.

Vor allem in der ersten Halbzeit und in der Schlussphase schien der FCB dieses Duell eher anzunehmen als der Kontrahent. Auch wenn die Dortmunder in der ersten Hälfte mehr Zweikämpfe gewinnen konnten, so waren es doch die Münchener, die das Spiel bestimmten und mit dem notwendigen Ehrgeiz und der passenden Mentalität ins Spiel gingen. Sinnbildlich dafür das Tor von Joshua Kimmich, in einer Phase, in der Schwarz-Gelb stärker war.

Auch wenn das Spiel in der zweiten Halbzeit zu kippen drohte und der BVB zwei weitere gute Chancen hatte, so schienen die Bayern insgesamt doch in Kontrolle zu bleiben. Das Lauern auf den einen kleinen Fehler, den man dann mit vollem Willen ausnutzt, war am Ende entscheidend.



2. Intensiver Saisonstart zehrt an den Kräften

Voller Freude, aber doch geschafft: Die Kräfte beim FCB schwinden

Eine sehr lange Vorsaison, die Champions-League-Endrunde im Turnierformat im August, die eher kleine Pause zum Saisonstart und der vergleichsweise sehr kleine Kader - Faktoren, die schon jetzt dank der intensiven ersten Wochen in der Saison 2020/21 zu spüren sind.

Für den Supercup konnte Hansi Flick so gut wie niemanden schonen, weil es schon den einen oder anderen Ausfall gab. Leroy Sané wird ohnehin ein paar Wochen fehlen, Leon Goretzka hatte mit Rückenproblemen zu kämpfen, auch Jerome Boateng brauchte eine Pause. Das Zusammenspiel dieser - wenn auch jeweils kleineren Probleme - könnte noch größeren Ärger geben.

Flick hatte schon während der Saisonvorbereitung erklärt, der Kader bräuchte mehr Tiefe und Alternativen - er sollte schon wenige Wochen später Recht behalten. Dass mit Javi Martinez eigentlich der Abschieds-Kandidat Nummer eins nun doch bleiben könnte, zeigt die personelle Not ebenfalls gut auf. Schon jetzt sind die Auswirkungen sichtbar, und es wird nicht leichter werden.



3. Hernandez spielt sich fest - Flick mit Sonderlob

Lucas Hernandez gab erneut ein sehr solides Bild ab

"Er ist ein absoluter Fighter und tut uns in diesen Spielen sehr gut. Er hat auch eine gewisse Härte, die es in solchen Spielen braucht. [...] Ich finde, dass er angekommen ist." Dieses Sonderlob von Trainer Flick galt Lucas Hernandez, der sich erneut aus der Startelf heraus beweisen konnte.

Drei Bälle konnte er abfangen, 66 Prozent seiner Zweikämpfe am Boden sowie alle in der Luft gewinnen. Zudem schob er häufig hoch, konnte 86 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler spielen.

Immer mehr kristallisiert er sich als Top-Lösung für die Innenverteidigung des FCB heraus, nachdem er zunächst einen etwas unruhigen Start zu haben schien. Für so manche Anhänger ist er - trotz großer Konkurrenz - einer der beiden Startelf-Kandidaten geworden. Zuletzt konnte er auch mehr überzeugen, als David Alaba.



4. Kingsley Coman bleibt unscheinbar

Auswechslung in der 54. Minute - Flick und Kingsley Coman

Im Finale der Champions League war Kingsley Coman zurecht noch der große Matchwinner, doch in den ersten Spielen der neuen Saison bleibt er noch etwas unscheinbar. Auch gegen den BVB wusste er seine Geschwindigkeit und Ballsicherheit nicht wirklich umzusetzen.

Was natürlich auch der Defensiv-Arbeit der Dortmunder zuzurechnen ist, muss trotzdem auch aus der Sicht des Franzosen angesprochen werden. Zwar lesen sich seine Werte aus der gestrigen Partie durchaus solide, doch wirklich gefährlich wurde der Flügelspieler erneut nicht wirklich.

Kein Schuss auf oder neben das Tor, keine Vorlage, kein Schlüsselpass gespielt. Nach wie vor arbeitet Coman viel auf dem Platz, versucht sich immer wieder einzubringen - und doch ist sein Einfluss auf das Spiel zurzeit etwas eingebrochen. Das kann sich selbstredend wieder schnell ändern, wenn man seine Qualitäten bedenkt.



5. Kimmich als das Sprachrohr und der Leader

Der Siegtreffer: Joshua Kimmich brüllt seine Freude heraus

Dass Joshua Kimmich als Führungsspieler und Wortführer auf dem Platz steht, ist keineswegs eine neue Erkenntnis. Dennoch ist es wichtig erneut anzumerken, welche Bedeutung er damit mittlerweile eingenommen hat. Der 25-Jährige ist scheinbar ohne Zwischenphase von jungen, aber wichtigen und lautstarkem Spieler zum absoluten Leader des Teams geworden.

Wo Manuel Neuer, Robert Lewandowski oder Thomas Müller vorweg gehen, steht Kimmich inzwischen an vorderster Front. Er leitet, er führt an, gibt Kommandos und ist in so gut wie allen Bereichen eines Spiels nicht nur aktiv, sondern essentiell wichtig.

Ob es das Verteidigen ist, das Einleiten wichtiger Torchancen oder das eigene Erzielen von Toren - wenn ein Spieler nicht mehr aus den ersten Elf des FCB wegzudenken ist, dann ist es Joshua Kimmich.