Der FC Bayern in der Post-Triple-Saison - was kann man vom deutschen Rekordmeister 2020/21 erwarten? Die Mannschaft von Hansi Flick geht in allen Wettbewerben als Favorit ins Rennen, die Fallhöhe nach den beeindruckenden Vorstellungen ist jedoch groß. Unsere Vorschau auf die kommende FCB-Saison.


Bei unserem Blick auf die Spielzeit 2020/21 des FC Bayern schauen wir auf die Stärken und Schwächen des Flick-Teams, die Kaderzusammenstellung und wagen eine Prognose.



Kader FC Bayern 20/21


Der Kader des deutschen Rekordmeisters sucht auch bei einem sich anbahnenden Thiago-Abgang national seinesgleichen. In der Abwehr ist Niklas Süle zurück, für die Offensive wurde Leroy Sané als Königstransfer verpflichtet.


Leroy Sané im Bayern-Outfit

Dennoch gibt es noch einige Baustellen, die bis zur Schließung des Transferfensters am 5. Oktober adressiert werden könnten: Auf der Position des Rechtsverteidigers hätte Flick gerne noch ein offensiver ausgerichtetes Pendant zu Benjamin Pavard, Joshua Kimmich ist mehr denn je im zentralen Mittelfeld eingeplant.


Baustelle Nummer zwei sind die Außenstürmer. Vor allem wegen des vollen Terminkalenders täte den Bayern ein vierter Spieler gut. Neben Gnabry, Coman und Sané wäre ein Verbleib von Ivan Perisic die Optimallösung. Der Kroate performt auf höchstem Niveau, murrt aber auch nicht, wenn er in der Reservisten-Rolle ist. Bislang ist den Bayern die Kombination aus Ablöse und Gehalt für den Vize-Weltmeister von 2018 aber noch zu hoch. Am Ende könnte deshalb ein Youngster einspringen (müssen). Kandidaten hierfür sind Oliver Batista Meier und Leon Dajaku.


Eng könnte die Personaldecke auch im zentralen Mittelfeld werden. Ohne Thiago scheinen Kimmich und Goretzka gesetzt, dahinter setzt man große Hoffnungen in Corentin Tolisso. Problem: Der Franzose war in der Vergangenheit extrem verletzungsanfällig. Ob Adrian Fein schon bereit für den FCB ist, bleibt abzuwarten. Mickael Cuisance ist eher eine Alternative für die Position von Thomas Müller.


Fazit: Der Kader des FC Bayern ist vor dem Saisonstart auf allen Positionen überragend und meist doppelt besetzt. Hinten rechts, das zentrale Mittelfeld und die Außenstürmer-Positionen könnten aber noch zu dünn aufgestellt sein. Flick könnte das ein oder andere Puzzle-Spiel drohen - mit etwas Glück und ohne Verletzungen hat er dagegen die Qual der Wahl.



Bayern-Stärken 20/21


Die Stärken des deutschen Rekordmeisters liegen auf der Hand und sind die gleichen wie in den letzten Monaten: Neben der individuellen Qualität überzeugt die Flick-Truppe vor allem mit ihrem großartigen Offensivspiel. Und hier liegt die große Stärke paradoxerweise im Spiel gegen den Ball. Frei nach Jürgen Klopp ("Gegenpressing ist der beste Zehner") hat Flick ein sehr hohes Pressing implementiert. Zur Verdeutlichung: Seit Flick FCB-Cheftrainer ist, kommen die Bayern im Schnitt nach weniger als acht Ballkontakten des Gegners an den Ball. Sehr häufig erobern die Bayern die Kugel schon im gegnerischen Drittel und sind so sofort in der gefährlichen Zone.


Eine ungeschlagene Rückserie und 100 Tore in der Bundesliga sind der beeindruckende Beweis, wie dominant die Münchener unter Flick auftreten. In der neuen Saison dürfte die Herangehensweise nicht anders sein.


Brust raus: Hansi Flick macht es vor

Eine weitere Stärke der Bayern - die eng mit der neuen Spielphilosophie verbunden ist: die mentale Stärke oder auch Mentalität - oder auch das 'Mia san mia'. Das dominante Spiel und der Erfolg, der daraus resultierte, haben das Selbstvertrauen und den Glauben im Team wachsen lassen. Anno Sommer 2020 ist die Bayern-Brust extrem groß - langsam aber sicher manifestiert sich beim Gegner wieder das Gefühl der unschlagbaren Bayern. Auf dem Platz zeigt sich das eben auch im hohen Pressing, das wie eine Schlinge am Hals der gegnerischen Mannschaft wirkt.


Die Schwächen des FCB in der neuen Saison


Redet man von FCB-Schwächen, ist das Jammern auf allerhöchstem Niveau. Doch die intensive, ultra-dominante Spielweise hat auch ihre Schattenseiten. Daraus ergeben sich drei mehr oder weniger große Schwächen im Spiel der Münchener:


Die größte resultiert aus der Stärke des frühen Attackierens. Schafft es ein Gegner, sich aus der Umklammerung zu befreien, wird es schwierig für die weit aufgerückte Restverteidigung. Zu sehen war das ganz deutlich in der Champions League, als der FCB in allen drei Spielen des Finalturniers brenzlige Situationen überstehen musste.


Schwäche Nummer zwei ist eine hypothetische: Sollte Thiago (und auch Martinez) gehen, wonach es stark aussieht, wirkt der Kader etwas zu dünn besetzt. In diesem Jahr gibt es keine Winterpause, dafür Spiele fast alle drei Tage. Rotation wird deshalb umso wichtiger. Auf den Schlüsselpositionen braucht das Team von Hansi Flick deshalb dringend fitte Spieler. Es würde den Bayern mit Sicherheit gut tun, noch einen weiteren Rechtsverteidiger zu verpflichten. Dazu ein flexibel einsetzbarer Mittelfeldspieler - und die mögliche Schwäche wäre behoben.


Als letzten Punkt, der ebenfalls eine "Konjunktiv-Schwäche" darstellt, ist schlicht und einfach der Erfolg aus der Vor-Saison zu nennen. Es wäre nur all zu menschlich, sollten die Spieler - gerade zu Saisonbeginn, nach einer extrem kurzen Vorbereitung - ein paar Prozentpunkte nachlassen.



Mögliche Startelf zum Saisonstart


Die Bayern starten mit dem ersten Bundesliga-Spiel in die Saison. Zur Eröffnung kommt mit Schalke 04 ein vermeintlich dankbarer Gegner in die Allianz Arena. Das Pokalspiel gegen Düren wurde nach dem CL-Triumph auf den 15. Oktober verlegt.


Hansi Flick wird zum Start ganz genau abwägen, wer fit genug für die Startelf ist. Leroy Sané beispielsweise ist noch nicht bei 100 Prozent, der Königstransfer könnte zunächst die Joker-Rolle einnehmen. In der Abwehr dürfte Niklas Süle nach Boatengs Verletzung starten.


So könnte der FC Bayern gegen Schalke auflaufen


Prognose der Bayern-Saison 20/21


Alles andere als der neunte Meistertitel in Serie wäre eine faustdicke Überraschung. Und auch im DFB-Pokal ist der FC Bayern wieder der klare Favorit. Ob es am Ende erneut für das Triple reicht, kann man guten Gewissens nicht vorhersagen. Klar ist, die Bayern wären stark genug dazu - klar ist aber auch, dass in der Königsklasse viele Faktoren darüber entscheiden, wer am Ende den Henkelpott in den Händen hält. Kontrollieren können wird sie der FCB nicht alle.