Schon jetzt hat Joshua Kimmich einen gewissen Einfluss beim FC Bayern. Der 25-Jährige ist auf der Sechs eines der Sprachrohre der Mannschaft und überzeugt nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Wenn er so weitermacht, könnte er endgültig zum Führungsspieler aufsteigen.


Es gibt nicht viele Spieler, die das Sieger-Gen des FC Bayern mit ihrer Mimik und Gestik so verkörpern wie Joshua Kimmich. Seit seiner Zeit im Nachwuchsbereich des VfB Stuttgart ist er getrieben von Ehrgeiz, dem unbedingten Willen, es in die Weltspitze zu schaffen. Mit gerade einmal 25 Jahren ist er bereits fünffacher Deutscher Meister, dreifacher DFB-Pokalsieger und Champions-League-Sieger - doch damit ist längst nicht genug.

Kimmich will mehr, immer mehr, hat sich deshalb in der Vergangenheit auch mit seinen eigenen Mitspielern angelegt, wie beim 6:1-Sieg über Werder Bremen am 15. Spieltag der vergangenen Saison. Sein Temperament muss er manches Mal noch zügeln, grundsätzlich aber ist es eine Eigenschaft, die elementar für sein Spiel und vor allem für das Spiel der Bayern ist.


Typisch Joshua Kimmich: Gesichtsausdrücke wie dieser verdeutlichen seine Mentalität auf dem Platz

Unter Hansi Flick ist er eine Pressingmaschine geworden, die das Spiel aus der Zentrale heraus auch walten und schalten kann. Gemeinsam mit Thiago bildet er eine ballsichere und pressingresistente Doppelsechs, die gegen den Ball ein hohes, aber kalkuliertes Risiko eingeht. An der Seite von Leon Goretzka wird Kimmich mehr zum Spielmacher, während sein Partner aus der deutschen Nationalmannschaft noch höher im Pressing zu Werke geht und die Gegenspieler noch aggressiver jagt. Das macht ihn zu einem extrem vielseitigen Spieler, der notfalls auch auf anderen Positionen einspringt. Solche Typen sind für den Erfolg unverzichtbar.


Kimmich steht vor entscheidenden Jahren


Seit seinem Wechsel zu den Bayern hat Kimmich eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Vom Alleskönner wurde er zum Nachfolger von Philipp Lahm auf der Rechtsverteidiger-Position, jetzt ist er wieder im defensiven Mittelfeld zuhause. Auch abseits seiner fußballerischen Qualitäten hat er sich weiterentwickelt. Seit einem Jahr gehört er dem Mannschaftsrat an, sein Wort hat ein immer größeres Gewicht erhalten. Wenn er weiterhin konstant seine Leistung bringt und sich nicht davor scheut, seine Meinung zu sagen, könnte er schon in der nächsten Saison eine endgültige Führungsrolle einnehmen. Dafür ist Kimmich prädestiniert, nicht umsonst gilt er als Kapitän der Zukunft. Er übernimmt gerne Verantwortung, geht voran und hilft jungen Spielern, sich zurechtzufinden, er formuliert ehrgeizige Ziele, legt den Finger in die Wunde und verkörpert Ehrgeiz, Leidenschaft und Einsatz von der ersten bis zur 90. Sekunde.

Mit 25 Jahren ist er in einem jungen Alter, doch ab jetzt steuert er auf die entscheidende Phase seiner Karriere zu. In den nächsten zwei bis drei Jahren wird sich entscheiden, welcher Spieler Joshua Kimmich wirklich wird. Alles deutet darauf hin, dass er auf der Sechs in die Riege der Weltklasse-Spieler und mindestens zum Vize-Kapitän aufsteigen wird, sollte Manuel Neuer bis dahin seine Karriere beenden. Er ist für Großes bestimmt, für Titel wie für Verantwortung. Und selbst, wer Kimmich nur aus der Entfernung beobachtet, dürfte das Gefühl haben, dass er sich alles zutraut. Also liegt es an ihm, die Chance beim Schopfe zu packen.