Am Sonntagabend (18 Uhr) nimmt der FC Bayern das Titelrennen wieder auf: Die Münchner gastieren bei Union Berlin und müssen erstmals vor leeren Rängen spielen. Cheftrainer Hansi Flick freut sich auf den Re-Start, an dessen Ende seine Mannschaft in der Tabelle die Nase vorn haben soll.


Speziell gegen Spitzenmannschaften ist Union Berlin auf die Unterstützung der eigenen Fans angewiesen. Das Stadion an der Alten Försterei hätte gegen den FC Bayern zum Hexenkessel werden sollen, aufgrund der Corona-Krise und den strengen Hygieneauflagen sind Zuschauer jedoch auch vermutlich über das Saisonende hinaus nicht in den Stadien erlaubt.

Nach dem Geisterspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln im März werden an diesem Wochenende auch die anderen Bundesligisten mit dieser ungewohnten Kulisse in Berührung kommen. "Wir alle wissen nicht, wie das als Fußballspiel rüberkommt", rätselte Flick auf der Pressekonferenz am Freitag (via fcbayern.com). Gleichzeitig freut sich der Cheftrainer darüber, dass der Ball wieder rollt: "Wir können froh sein, dass wir wieder spielen dürfen. in Deutschland wurde sehr vieles richtig gemacht. Wir haben von der Regierung das Vertrauen bekommen, dank des guten Konzepts der DFL."

Trotz der fehlenden Zuschauer erwartet Flick ein intensives Spiel der Gastgeber. Union sei "eine aggressive Mannschaft die gradlinig mit Zug zum Tor spielt", dagegen müsse sich seine Mannschaft über 90 Minuten wehren: "Nur allein mit fußballerischer Qualität wird es nicht gehen. Wir müssen Mentalität rein bringen und Zweikämpfe annehmen", fordert der 55-Jährige.


FC Bayern: Trio fällt aus - Fragezeichen hinter Martinez


Als Vorbereitung auf den Re-Start bezogen die Mannschaften ein Trainingslager unter Quarantäne-Bedingungen. Die Eindrücke der vergangenen Tage stellen Flick zufrieden: "Wir konnten in den Tagen sehen, dass die Physis passt. Ich hoffe, dass wir das in Berlin umsetzen können." Bis auf Philippe Coutinho, Corentin Tolisso und Niklas Süle sind fast alle Spieler bereit, einzig hinter Javi Martinez steht ein Fragezeichen. Der Spanier konnte nach Angaben des Trainers nur das Lauftraining absolvieren. "Wir wissen nicht, ob es reicht", so Flick.


Dass seine Akteure 90 Minuten Vollgasfußball spielen können, bezweifelt er allerdings: "Wir haben gut trainiert und hatten Sonntag ein internes Testspiel mit dreimal 20 Minuten. Da hatten wir eine sehr hohe Intensität. Aber klar wissen wir alle nicht, wo wir stehen." Umso mehr freut sich Flick darüber, dass ab sofort fünf Auswechslungen pro Spiel vorgenommen werden dürfen: "Wir werden es nutzen, um einen Spieler, der müde ist auszuwechseln. In den Wochen mit vielen Spielen ist das super."


Flick: "Alles fängt bei Null an"


Mit vier Punkten Vorsprung auf Borussia Dortmund gehen die Bayern als Favorit in das Saisonfinale, die besonderen Umstände lassen allerdings auf einige Überraschungen hoffen. RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann verglich die übrigen neun Spiele mit einer Europameisterschaft, auch Flick spricht von einem "kleinen Turnier", in dem alle Mannschaften unter den gleichen Bedingungen starten. "Alles fängt bei Null an", so Flick, "und wir hoffen, dass wir am Ende mehr Punkte haben als die Gegner."

Wichtig für diese "Power-Saison" sei, sich so schnell wie möglich an die besonderen Umstände anzupassen: "Es kommt darauf an, wer damit am besten klarkommt", so Flick, der deshalb im Stadion am FC Bayern Campus trainieren ließ. "Da konnten wir ein bisschen Stadionatmosphäre mitnehmen. Die Mannschaft weiß also ein bisschen, was sie erwarten kann", berichtet der Chef-Coach. Diese Erfahrungen gilt es an die Alte Försterei mitzunehmen, um mit drei Punkten in diesen besonderen Endspurt zu starten.