Knapp drei Wochen vor dem Ende der Transferperiode ist es beim FC Bayern still, solange es nicht um die Vertragsgespräche mit David Alaba geht. Wer den Rekordmeister noch verstärken könnte ist ebenso unklar wie die Anzahl an Spielern, die ihre Zelte bis zum fünften Oktober abbrechen könnten. 90min ordnet die aktuellen Gerüchte ein.



1. Marcelo Brozovic

Kein Thema beim FC Bayern: Marcelo Brozovic

Seit Wochen wird spekuliert, dass Marcelo Brozovic von Inter Mailand an die Isar wechseln könnte. Vornehmlich wollen dies italienische Medien erfahren haben, im deutschen Blätterwald hingegen war kaum eine Spur davon.

Das untermauert eine Meldung der Sport Bild, der zufolge Brozovic kein Thema beim FC Bayern sein soll. Der kroatische Mittelfeldspieler passe nicht in das gesuchte Profil, außerdem solle ein potentieller Verlust von Thiago intern aufgefangen werden. So hatte es Uli Hoeneß bereits im Doppelpass angekündigt.

Der größte Favorit auf die Thiago-Nachfolge sei Corentin Tolisso. Der Franzose wurde vor einigen Monaten ebenfalls mit einem Wechsel in Verbindung gebracht, Antonio Conte habe ihn angeblich zu Inter locken wollen. Mittlerweile aber stehen die Zeichen auf Verbleib - und Brozovic, der sich klar zu den Mailändern bekannt hat, wird allem Anschein nach zumindest nicht zum FC Bayern wechseln.

Wechselwahrscheinlichkeit: 0 Prozent.



2. Sergino Dest

Seit über einem halben Jahr wird Sergino Dest als potenzieller Neuzugang gehandelt

Sergino Dest ist ein Name, der seit Jahresbeginn fällt, wenn über die Rechtsverteidiger-Suche beim FC Bayern berichtet wird. Noch steht der US-amerikanische Nationalspieler aber bei Ajax Amsterdam unter Vertrag - und daran dürfte sich vorerst nichts ändern.

Angeblich haben beide Vereine unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Ablösesumme. Wie Sport Bild bereits vor einer Woche berichtet hatte, sollen die Münchner knapp 10 Millionen Euro Ablöse bieten, während Ajax 15 bis 20 Millionen Euro verlangen.

Je länger das Gerücht kursiert, desto unwahrscheinlicher ist es, dass der Transfer über die Bühne gehen wird. Seit Januar werden über mögliche Ablösesummen und Gespräche spekuliert, auf konkrete Neuigkeiten wird allerdings seit Monaten gewartet.

Wechselwahrscheinlichkeit: 15 Prozent.



3. Callum Hudson-Odoi

Wird Callum Hudson-Odoi wieder ein Thema beim FC Bayern?

Am Dienstag berichtete Pay-TV-SenderSky, dass der FC Bayern einen neuen Vorstoß bei Callum Hudson-Odoi wagen wolle. Wie unsere Kollegen von 90min UK berichtet hatten, soll der FC Chelsea den Flügelspieler verleihen wollen, laut Sky komme für die Münchner jedoch nur ein Leihgeschäft mit anschließender Kaufoption in Frage.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Hansi Flick sich einen vierten Flügelspieler wünscht, die Sportliche Leitung weiß mit diesem Wunsch aber offenbar nichts anzufangen. Mit Leroy Sané, Kingsley Coman und Serge Gnabry sieht auch Hoeneß die Bayern gut aufgestellt, doch sollte sich ein Spieler aus dem Trio verletzen, steht nach den Abgängen von Ivan Perisic und Oliver Batista Meier aktuell nur noch Leon Dajaku zur Verfügung.

Hudson-Odoi wäre ein Spieler, der den Münchnern in dieser Situation durchaus behilflich sein könnte. Allerdings dürfte der 19-Jährige im Falle einer Leihe darauf hoffen, bei einem Verein unterzukommen, der ihm regelmäßige Spielpraxis verspricht. Diese können die Bayern aber nicht gewährleisten.

Auch aufgrund der angeblich geforderten Kaufoption erscheint ein Transfer nicht gerade wahrscheinlich. Erst vor einem Jahr verlängerte Hudson-Odoi seinen Vertrag bis 2024, obendrein kassierte das Eigengewächs eine ordentliche Gehaltserhöhung - und besonders in diesem Punkt sind die Münchner empfindlich.

Hinzu kommt die forsche Herangehensweise von Sportvorstand Hasan Salihamidzic im Januar 2019. Zur Verärgerung der Chelsea-Verantwortlichen kommunizierte der Bosnier damals öffentlich das Interesse der Bayern an Hudson-Odoi. Leicht dürften die Blues es ihnen daher nicht machen.

Wechselwahrscheinlichkeit: 10 Prozent.



4. David Alaba

David Alaba hofft auf eine zeitnahe Einigung im Transferpoker

Seit November 2019 ist Uli Hoeneß nur noch Ehrenpräsident und im Aufsichtsrat des FC Bayern. An vorderster Front ist der langjährige Manager und Präsident nur in seltenen Fällen zu sehen - doch wenn Hoeneß einer Zeitung ein Interview gibt oder bei einer Talkshow im TV zu sehen ist, sind seine Aussagen kontraproduktiv für seinen Herzensverein.

So schoss er Anfang August mit voller Wucht gegen Borussia Dortmund, da der langjährige Rivale jährlich mit der Krux leben muss, einen seiner Schlüsselspieler zu verlieren. Am Sonntag knöpfte sich der 68-Jährige im Doppelpass David Alabas Berater Pini Zahavi vor. Der sei ein "geldgieriger Piranha", der eine Provision in zweistelliger Millionenhöhe verlange und so viel Geld wie möglich für seinen Klienten herausschlagen wolle.

Die Alaba-Seite ließ die Anschuldigungen nicht lange auf sich sitzen. "Ich habe nicht damit gerechnet, dass der FC Bayern jetzt in der Öffentlichkeit schmutzige Lügen über Gehalts- und Provisionsforderungen streut", sagte Vater George Alaba gegenüber Sky, Zahavi beteuerte sogar, "zu keinem Zeitpunkt detailliert über eine etwaige Provisionszahlung mit den Bayern-Verantwortlichen" gesprochen zu haben.

Bei BILD betonte der Israeli zudem, dass man eine Vertragsverlängerung mit den Münchner anstrebe: "Wir versuchen immer noch alles, dass David in München bleibt. Aber es liegt nicht in unseren Händen."

Bisher hat sich Alaba öffentlich aus dem Vertragspoker zurückgehalten, nach den Anschuldigungen von Hoeneß meldete sich der Abwehrchef aber zu Wort. Er wünsche sich, "dass meine vertragliche Situation nicht in der Öffentlichkeit geklärt wird", auch hoffe er darauf, "dass wir zeitnah eine Lösung finden, damit der Klub, die Verantwortlichen, meine Mitspieler aber auch die Fans wissen, woran sie sind", sagte er gegenüber BILD.

Zuallererst gilt es, die öffentliche Auseinandersetzung mit der Alaba-Seite ad acta zu legen. Damit wäre es aber noch nicht getan. Auf die Forderungen - egal in welcher Höhe - dürften Zahavi und George Alaba noch mehr beharren als bisher. Es liegt an den Münchnern, eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten zu finden; und wenn sie Alaba halten wollen, werden sie nach dem jüngsten Eklat womöglich in den sauren Apfel beißen müssen und mehr zahlen, als gewollt. Denn dass sich bis Oktober ein Abnehmer findet, ist aufgrund der kolportierten Ablösesumme in Höhe von 60 Millionen Euro äußerst unwahrscheinlich. Und ein ablösefreier Transfer soll in jedem Fall verhindert werden.

Wechselwahrscheinlichkeit: 40 Prozent.



5. Thiago

Was wird aus Thiago (mitte)?

Hoeneß äußerte sich im Doppelpass auch über Thiago. Dem Spanier wird seit Monaten ein Wechselwunsch nachgesagt. Laut Hoeneß haben die Verantwortlichen einen Vierjahresvertrag mit ihm ausgehandelt, wenige Tage später habe er jedoch mitgeteilt, dass er eine neue Herausforderung suche.

Weil sich aber noch kein Verein bei den Bayern gemeldet haben soll, wittert Hoeneß einen Erpressungsversuch. Thiago habe sich "offensichtlich mit Liverpool oder Manchester United oder beiden" geeinigt, die beiden englischen Vereine ließen nun jedoch bis kurz vor Transferschluss mit einer Offerte auf sich warten, um so wenig Ablöse wie möglich zahlen zu müssen. "Das ist kein Stil, aus meiner Sicht. Die versuchen, uns zu erpressen", wütete Hoeneß (zitiert via kicker).

Die Lage bei Thiago ist in der Tat verzwickt. Die Münchner fordern dem Vernehmen nach eine Ablösesumme in Höhe von 30 Millionen Euro und wollen laut Sport Bild erst dann auf dem Transfermarkt aktiv werden, wenn Einnahmen durch Spielerverkäufe generiert wurden. Thiago wäre in diesem Fall der Stein des Anstoßes, ohne dessen Verkauf kein neuer Spieler mehr verpflichtet wird. Doch der Kader benötigt dringend Verstärkungen in der Breite.

Dem FC Bayern läuft die Zeit davon. Wie von Hoeneß prognostiziert, könnte der FC Liverpool oder Manchester United diese Situation ausnutzen - oder der amtierende englische Meister und der englische Rekordmeister haben in Wahrheit gar kein Interesse an Thiago. So oder so neigt sich seine Zeit in München dem Ende entgegen; allerspätestens dann, wenn sein Vertrag im nächsten Jahr endet.

Wechselwahrscheinlichkeit: 60 Prozent.