Der FC Bayern will seinen Kader aufrüsten, gleichzeitig könnte der deutsche Rekordmeister aber einige Spieler (vorerst) abgeben. Zahlreiche Gerüchte kursieren in der Medienlandschaft - doch welche sind realistisch? 90min ordnet die aktuellsten Transfergerüchte ein.



1. Tanguy Ndombele - Eher unwahrscheinlich

Tanguy Ndombele wäre sehr teuer

Für 60 Millionen Euro wechselte Tanguy Ndombele im vergangenen Jahr von Olympique Lyon zu Tottenham Hotspur, doch der Rekord-Transfer der Spurs ist weit unter den Erwartungen geblieben. Unter José Mourinho ist Ndombele nur Statist, im Kalenderjahr 2020 absolvierte er gerade einmal sieben Premier-League-Spiele.

Mit Ndombele könnte der FC Bayern den Verlust von Thiago kompensieren. Der 23-jährige Franzose ist ein variabler und nahezu kompletter Spieler, hat aber noch genügend Luft nach oben. Laut Le10Sport sind die Münchner interessiert, scheitern dürfte der Transfer allerdings am Preis.

Wie es heißt, wolle Tottenham im Optimalfall die einst gezahlten 60 Millionen Euro kassieren - eine Summe, die der FCB nach dem Transfer von Leroy Sané nicht auf den Tisch legen wird. Eine Leihe mit Kaufoption sei zwar ebenso vorstellbar, doch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge warnte mehrfach, dass die Klubs die Auswirkungen der Corona-Krise in der neuen Saison noch heftiger zu spüren bekommen würden. Aufgrund dessen ist es auch nicht vorstellbar, dass für das kommende Jahr ein hoher zweistelliger Millionen-Deal dingfest gemacht wird.



2. Tiemoue Bakayoko - Ein Gerücht von vielen

Tiemoue Bakayoko dirigiert im Mittelfeld

Im Zuge des Berichts um Tanguy Ndombele brachte Le10Sport auch Tiemoue Bakayoko mit den Bayern in Verbindung. Der Franzose wechselte 2017 von der AS Monaco zum FC Chelsea, wurde bei den Blues aber nicht glücklich und deshalb in den vergangenen beiden Spielzeiten verliehen.

Nach einem Jahr bei der AC Mailand ging es wieder zurück nach Monaco. Beide Leih-Geschäfte waren von Erfolg gekrönt. Monaco soll eine Kaufoption über 42 Millionen Euro besitzen, angeblich würde man Bakayoko aber schon ab 35 Millionen Euro ziehen lassen.

Nicht nur bei den Bayern, auch bei Paris St. Germain und Milan soll Bakayoko auf dem Zettel stehen. Der 25-Jährige wäre günstiger als Ndombele, ist zudem ein dynamischer und aggressiver Mittelfeldspieler - aber kein Taktgeber á la Thiago.

Da es sich vorerst nur um ein loses Gerücht handelt, sollte man es nicht überbewerten. Bereits im vergangenen Jahr wurden viele Spieler mit den Bayern in Verbindung gebracht, doch nur in sehr wenigen Fällen war auch etwas dran. Ob Interesse an Bakayoko besteht, ist daher nicht einzuschätzen - deshalb ist diese Meldung mit Vorsicht zu genießen. Zumal die Quelle Le10Sport keine seriöse ist.



3. Oliver Batista Meier - Eine Leihe ergibt Sinn

Batista Meier beim Torjubel

Oliver Batista Meier ist einer der Rohdiamanten aus der Nachwuchsabteilung des FC Bayern. Der 19-jährige Flügelspieler durfte nach dem Re-Start in der Bundesliga debütieren und könnte künftig häufiger zu sehen sein.

Nach kicker-Informationen soll sich die TSG Hoffenheim mit einer Leihe beschäftigen. Hinter Leroy Sané, Serge Gnabry und Kingsley Coman hätte Batista Meier keine wirkliche Chance auf regelmäßige Einsätze, in Hoffenheim ist die Aussicht dagegen deutlich größer - und die TSG lockt mit der Europa League.

Schon David Alaba und Serge Gnabry wurden in Sinsheim zwischengeparkt, entwickelten sich nach ihrer Rückkehr zum Stammspieler. Eine derartige Entwicklung ist Batista Meier aufgrund der großen Konkurrenz in München nicht zuzutrauen, aber er könnte bei der TSG wichtige Erfahrungen sammeln und reifen. Selbiges gilt für Leon Dajaku, der ebenfalls verliehen werden könnte.

Flick würde Batista Meier zwar halten, doch der will mehr Spielzeit - und zieht auch das Interesse anderer Klubs auf sich. Eine Leihe würde für beide Seiten Sinn ergeben und könnte durchaus vollzogen werden.



4. Mickael Cuisance - Hartnäckige Gerüchte, doch ein Verbleib wäre besser

Mickael Cuisance war zuletzt gut drauf

Auch Mickael Cuisance gilt als Leih-Kandidat, übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll der Mittelfeldspieler das Interesse mehrerer Vereine aus der französischen Ligue 1 auf sich ziehen.

Laut kicker will Cuisance in München bleiben, abhängig sei seine Zukunft aber davon, wie mit Thiago, Corentin Tolisso und Javi Martinez verfahren wird. Das Trio könnte den FC Bayern verlassen, und jeder Abgang erhöht die Chance, dass Cuisance bleibt.

Der junge Franzose hat sich im Verlauf dieses Jahres gesteigert, erhielt nach dem Corona-Re-Start zurecht mehr Spielzeit. Infolgedessen wäre es sinnvoll, die Entwicklung weiter gemeinsam voranzutreiben. Einen Stammplatz wird Cuisance nicht erobern können, aber wenn er sich weiter von seiner besten Seite zeigt, dürfte er in der kommenden Spielzeit deutlich öfter zum Zug kommen. Erst, wenn er den Anschluss zu verlieren droht, sollte eine Leihe ernsthaft in Erwägung gezogen werden.



5. Corentin Tolisso - Alles offen

Corentin Tolisso gegen Schalke in Aktion

Seit seinem Kreuzbandriss im September 2018 hat Corentin Tolisso keine einfache Zeit beim FC Bayern. Mittlerweile gilt der Franzose sogar als Streichkandidat - allerdings hängt seine Zukunft von den übrigen Personalien ab.

Sollten Thiago und/oder Martinez gehen, könnte Tolisso laut kicker bleiben. Aufgrund der Maßgabe, den Kader in der Breite zu ergänzen, wäre das die einzig sinnvolle Handlung. Und für Tolisso wäre es eine zweite Chance.

41,5 Millionen Euro überwiesen die Münchner vor drei Jahren an Olympique Lyon - wenn er weiter am Ball bleibt, könnte er diese Summe zurückzahlen.



6. Thiago - Ein heißer Poker

Thiago mit dem DFB-Pokal

In der Causa Thiago ist übereinstimmenden Berichten zufolge eines klar: Der Spanier kann sich einen Abschied vom FC Bayern vorstellen und will seinen bis 2021 datierten Vertrag nicht verlängern. Stellt sich nur die Frage, wohin es ihn zieht.

Ein Transfer zum FC Liverpool erscheint immer unwahrscheinlicher. Auch, dass ein Klub aus Spanien anklopft und die kolportierte Ablösesumme in Höhe von 30 Millionen Euro zahlt, ist nach aktuellem Stand nicht unbedingt zu erwarten.

Für den FC Bayern wird der Poker zu einer Hängepartie. Kein Spieler soll ablösefrei hergegeben werden - doch solange kein Angebot für Thiago eintrifft und er sich weiterhin weigert, das Vertragsangebot anzunehmen, läuft den Verantwortlichen die Zeit davon. Und weil ein Spielertausch in der Vergangenheit ausgeschlossen wurde, dürfte Thiago auch nicht in einen Transfer seines potentiellen Nachfolgers verrechnet werden.

Gut für die Bayern, dass die Transferperiode erst im Oktober endet. So herrscht (noch) keine Eile, und bis dahin könnte sich längst etwas ergeben haben.



7. Ivan Perisic - Ein Abschied wird immer wahrscheinlicher

Ivan Perisic vor dem Abgang

Ivan Perisic hat seinen Soll erfüllt. Die Leihgabe von Inter Mailand hat die Wartezeit bis zum Vollzug des Sané-Transfers überbrückt, sich dabei als solider Backup herausgestellt, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt und persönliche Wünsche nicht zur Sprache bringt.

Lange Zeit sah es auch danach aus, als würde Perisic eine langfristige Zukunft in München besitzen, laut kicker und Sport Bild wird eine feste Verpflichtung aber immer unwahrscheinlicher. Demnach ist nicht die Ablösesumme, sondern das Gehalt ein Problem. Dieses soll sich auf knapp zehn Millionen Euro belaufen, und würde das sensible Gefüge offenbar sprengen.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Entscheidung, Perisic nicht zu halten, nachvollziehbar. Ein solch hohes Gehalt ist deutlich zu viel für einen Backup. Insofern wird der Abschied immer wahrscheinlicher.