Im Disput zwischen dem FC Bayern und David Alaba steht es Aussage gegen Aussage. Der kicker will erfahren haben, welche Behauptungen stimmen und welche nicht.


Am Sonntagabend verkündete Klubpräsident Herbert Hainer, dass der FC Bayern sein Vertragsangebot für David Alaba zurückgezogen hat. Der Innenverteidiger behauptete auf einer Pressekonferenz am Montag, darüber nicht in Kenntnis gesetzt worden zu sein. Er habe es - wie alle anderen auch - erst im Fernsehen erfahren, sagte Alaba vor dem Champions-League-Spiel gegen RB Salzburg (6:2).

Gleichwohl soll Alaba darüber in Kenntnis gesetzt worden sein, dass er nur begrenzt Zeit für eine Entscheidung hatte. Damit brachen die Münchner das öffentliche Versprechen von Sportvorstand Hasan Salihamidzic, ihrem Abwehrchef kein Ultimatum zu stellen. Der Bosnier erklärte am Dienstagabend im Gespräch mit Sky: "Wir haben uns vor zehn Tagen noch einmal zusammengesetzt und ein verbessertes finanzielles Angebot vorgelegt, worauf wir doch eine Frist gelegt haben, die an diesem Wochenende abgelaufen ist."


Die Verantwortlichen des FC Bayern wollten Planungssicherheit - deswegen gab es ein Ultimatum für Alaba

Tags zuvor klagte Alaba auf der Pressekonferenz, aufgrund der Vielzahl an Pflichtspielen eine solche Entscheidung nicht in so kurzer Zeit treffen zu können. Jedoch liefen die Verhandlungen bereits seit mehreren Monaten, wie er selbst in einem Interview mit Sky erklärte, als er davon sprach, dass es bereits vor einem Jahr ein erstes Angebot gegeben haben soll. Also hatte er eigentlich mehr als genug Zeit - und der Verein hat finanziell offenbar noch einmal nachgelegt.

Dem kicker zufolge boten die Bayern in ihrem jüngsten und wohl finalen Angebot einen Vierjahresvertrag mit einem Gehalt, das "abhängig von (Jahresleistungs-) Prämien" bis an die Grenze der 20-Millionen-Euro-Marke gestoßen sei. Alaba wolle jedoch auf einer Stufe mit den Spitzenverdienern Robert Lewandowski (der ebenfalls von Pini Zahavi vertreten wird) und Manuel Neuer stehen. Darauf habe sich die von ihm geforderte Wertschätzung bezogen, so das Fachmagazin.

Diesen Wunsch haben ihm die Bayern-Bosse aber verwehrt. Mitte September stellte Salihamidzic im Interview mit dem kicker klar: "Beim FC Bayern gibt es eine sportliche und finanzielle Obergrenze: Robert Lewandowski und Manuel Neuer." Dieser Ansage entgegnete Zahavi jedoch, dass er die genauen Zahlen aus Lewandowskis Vertrag kenne und die Forderungen für Alaba "deutlich unter dem Gehalt" des Polen liegen würden.


Salihamidzic soll Alaba vorab informiert haben


Wann Alaba vom Rückzug der Klubverantwortlichen erfahren hat, bleibt indes strittig. Gegenüber Sky sagte Salihamidzic, man habe Zahavi und Alaba darüber informiert, dass das Angebot zurückgezogen werde, sobald die Frist abgelaufen ist. Diese Darstellung deckt sich mit den Informationen des kicker.

Dem Bericht zufolge soll sich Salihamidzic am Samstag bei Zahavi gemeldet haben. Dieser habe erklärt, dass das Vertragsangebot nachgebessert werden müsse, woraufhin der Sportvorstand erwidert habe, dass man das Angebot zurückziehen und dies am Sonntagabend öffentlich machen werde. Darüber sei auch Alaba am Sonntag persönlich informiert worden.


Aussage gegen Aussage: Wann hat Alaba davon erfahren, dass das Angebot zurückgezogen wird?

Aufgrund dessen habe man beim FC Bayern verwundert auf Alabas Darstellung am Montag reagiert. Ebenso habe für Aufruhr gesorgt, dass der Österreicher darüber klagte, dass die in den Medien kursierenden Zahlen nicht vom Verein dementiert worden sind. Das Argument: Dann hätte man die tatsächlichen Zahlen nennen müssen - diese hätten zu Corona-Zeiten womöglich Unverständnis in der Öffentlichkeit ausgelöst.

Darüber hinaus sei das von Alaba erwähnte Tauschgeschäft von Manchester City initiiert worden. Salihamidzic habe sich kurz mit Zahavi darüber ausgetauscht, konkret hätten sich die Münchner aber nicht damit beschäftigt.


Der Ausgang der Vertragsposse ist offen


Welche Version der Geschichte stimmt, bleibt trotz aller Darstellungen des Vereins, der Alaba-Seite und der Presse unklar. Fakt ist lediglich, dass es vorerst kein Angebot mehr für Alaba gibt und er - wie übereinstimmend berichtet wird - jetzt auf den Verein zugehen muss, wenn er seine Zukunft weiterhin beim FC Bayern verbringen will.

Seiner Entourage fehlt nun in den Vertragsverhandlungen mit dem Rekordmeister ein Druckmittel, gleichwohl darf ab dem 1. Januar frei über einen Wechsel zu einem anderen Klub verhandelt werden. Bei einem ablösefreien Transfer winkt eine neue sportliche Herausforderung, ein ordentliches Handgeld und möglicherweise das gewünschte Gehalt. Wofür sich Alaba entscheidet, bleibt abzuwarten.