Vor der Länderspielpause treffen der FC Bayern und Borussia Dortmund zum Top-Spiel des siebten Spieltags aufeinander. Nach den vergangenen Auftritten und mit Blick auf die Aufstellung sind die folgenden fünf Fragen zu klären.



1. Wie stabil ist die Defensive?

Seit dem Amtsantritt von Hansi Flick hat sich der FC Bayern zu einem echten Bollwerk entwickelt. Das hohe Pressing hatte dazu geführt, dass die gegnerischen Mannschaften teilweise nicht einmal in das letzte Drittel vordringen konnten, weil sie bereits in ihrer eigenen Hälfte zu Ballverlusten gezwungen wurden.

In der Umschaltbewegung haben die Münchner derzeit allerdings Schwierigkeiten, besonders in den Champions-League-Spielen gegen Lokomotiv Moskau und RB Salzburg luden sie die gegnerische Offensive zu vielen Chancen ein. In Zahlen ausgedrückt: In Moskau ließen die Bayern 15 Torschüsse zu, in Salzburg 18 (Zahlen via kicker).

Schon zu Zeiten als Trainer von Borussia Mönchengladbach war es das Erfolgsrezept von Lucien Favre, gegen die Bayern aggressiv anzulaufen und nach Ballgewinnen schnell in die Offensive umzuschalten. Dieser taktische Stil verhalf auch dem BVB zum letzten Bundesliga-Sieg vor fast exakt zwei Jahren.

Das Augenmerk richtet sich am Samstag insbesondere auf Erling Haaland. Der Norweger besticht mit hohem Tempo und klugen Laufwegen, startet am liebsten zwischen den Innenverteidigern durch. Er könnte im Umschaltspiel eine echte Waffe werden - vorausgesetzt, die Bayern wackeln erneut.



2. Bringt Leon Goretzka die nötige Stabilität im Mittelfeld?

Auf der Pressekonferenz am Freitag kündigte Flick an, dass er mit einem Einsatz von Leon Goretzka rechnet. Der deutsche Nationalspieler hatte zuletzt aufgrund von Wadenproblemen gefehlt, ist unter Flicks Ägide aber einer der Eckpfeiler des Erfolgs geworden.

Im zentralen Mittelfeld ist Goretzka ein echter Pressing-Motor. Seine körperliche Präsenz und Aggressivität verleiht dem Zentrum der Bayern viel Stabilität. Fehlt er, können die Gegner häufig in die Tiefe kommen und gefährliche Nadelstiche setzen. Wie sehr er fehlt, wurde in den vergangenen beiden Pflichtspielen gegen Salzburg und den 1. FC Köln deutlich.



3. Wer beginnt auf den Außenbahnen?

Flick hat auf den Außenbahnen viel Spielraum: Mit Serge Gnabry, Kingsley Coman, Leroy Sané, Douglas Costa und notfalls Thomas Müller und Jamal Musiala stehen ihm bis zu sechs Spieler zur Verfügung.

Zuletzt rotierte der Cheftrainer in seiner Startformation: Gegen Eintracht Frankfurt begannen Costa und Coman, gegen Moskau Coman und Müller, in Köln Gnabry und Sané und in Salzburg Coman und Gnabry.

Auf der linken Außenbahn dürfte Flick auf einen antrittsschnellen und wendigen Flügelspieler setzen, um den eher starren Thomas Meunier vor Probleme zu stellen. Nach seiner überstandenen Kapselverletzung könnte Sané den Vorzug erhalten, alternativ wäre auch ein Einsatz von Coman denkbar.

Auf dem rechten Flügel dürfte indes Gnabry den Vorzug erhalten. Auch Costa verfügt über viel Qualität, der Brasilianer fühlt sich in den Halbräumen aber nicht allzu wohl - und da gegen Dortmund aller Voraussicht nach die beste Elf starten wird, hat Costa kein gutes Blatt.



4. Kann Sarr Pavard ablösen?

Laut eines Berichts der BILD soll Benjamin Pavard am Wochenende ausfallen. Damit würde sich der Negativlauf des Rechtsverteidigers fortsetzen, nachdem er in den vergangenen Partien eher schwache Leistungen abgerufen hat.

Sollte Pavard tatsächlich ausfallen, dürfte Bouna Sarr für die Startelf nominiert werden. Der Neuzugang findet von Spiel zu Spiel immer besser rein und bringt Tempo und Dynamik im Offensivspiel mit.

Je länger Pavard seiner Form aus der abgelaufenen Saison hinterherhinkt, desto stärker rückt Sarr in den Fokus: Kann er seinen Landsmann zumindest in dieser Saison ablösen? Oder fehlt ihm dafür die Konstanz?

Sarr hat die Gelegenheit, sich zu beweisen. Wenn er überzeugt, gibt es keinen Grund, ihn wieder auf die Bank zu setzen. Aber die Messlatte ist hoch.



5. Kann Lewandowski seine Mega-Serie fortsetzen?

Fünf Bundesligaspiele, zehn Tore - Robert Lewandowski ist wieder auf Rekord-Jagd. Europas Fußballer des Jahres zeigt sich auch zu Beginn der neuen Spielzeit treffsicher, war darüber hinaus in insgesamt 41 Pflichtspielen unter Flick stolze 47 Mal zur Stelle und bereitete 14 weitere Treffer vor.

Gegen seinen Ex-Klub wird Lewandowski zum 300. Mal für den FC Bayern auflaufen. Wenn er so weitermacht wie bisher, wird er mindestens einen Treffer bejubeln dürfen. Denn: Allein in den 12 Bundesligaspielen gegen den BVB traf er 16 Mal! Aus Dortmunder Sicht eine Horror-Serie, die es zu unterbrechen gilt.