In einem unterhaltsamen Top-Spiel trennten sich Borussia Dortmund und der FC Bayern am Samstagabend mit 2:3. Die Münchner setzten sich mit dem sechsten Sieg im siebten Bundesligaspiel an der Tabelle fest, den Unterschied machte allen voran die Offensive, wie die folgenden Erkenntnisse aufzeigen.



1. FC Bayern eiskalt vor dem Tor

Dreimal war Robert Lewandowski gegen seinen Ex-Klub zur Stelle - zweimal befand sich der Stürmer knapp im Abseits

Unter Hansi Flick ist der FC Bayern zu einer echten Tormaschine geworden. In 49 Pflichtspielen erzielte die Mannschaft 163 Treffer - das ergibt einen Schnitt von 3,32 Toren pro Spiel.

Nach sieben Spieltagen stehen bereits 27 Tore zu Buche. Hätte Robert Lewandowski beim vermeintlichen 1:0 sowie beim vermeintlichen 4:2 nicht im Abseits gestanden, wären es sogar 29 Treffer.

Laut offizieller Statistik der Bundesliga haben die Bayern 117 Schüsse auf das gegnerische Tor gefeuert, durchschnittlich landet also jeder vierte Abschluss im Netz. Das deckt sich auch in etwa mit der Ausbeute aus dem gestrigen Spiel gegen den BVB: Von 14 Torschüssen waren 3 drin.

Dass die Flick-Elf vor den Sonntagsspielen die schwächste Defensive aller Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte stellt (11 Gegentore), spielt praktisch keine Rolle, solange die Offensive zuverlässig Tore wie am Fließband liefert. Dennoch ist es ein Punkt, an dem der Cheftrainer ansetzen muss.



2. Die Defensive wackelt erneut

Sinnbild für die wackelige Defensive: Gegen Erling Haaland hatte Jerome Boateng häufig das Nachsehen (v.l.)

Denn auch gegen den BVB hat die Bayern-Defensive zahlreiche Torschüsse des Gegners zugelassen. Erling Haaland, Marco Reus & Co. feuerten insgesamt 15 Schüsse auf das Tor von Manuel Neuer - laut kicker genau so viele wie Lokomotiv Moskau und drei weniger als RB Salzburg. Einzig der 1. FC Köln brachte weniger zustande (9).

Wie oben bereits erwähnt, haben die Bayern in der Bundesliga bereits elf Gegentore kassiert. In der abgelaufenen Saison waren es nach der Übernahme von Flick 16 - in 24 Spielen. Die gestiegenen Werte unterstreichen, dass die Münchner ihr hohes Pressing nicht über die gesamte Saison durchziehen können. Das hohe Positionsspiel wird immer öfter bestraft, zudem hat Moskau mit dem 4-3-2-1 womöglich eine Formation gefunden, die den FCB auch offensiv vor Probleme stellt.

Noch kann sich die Mannschaft auf die extreme Effizienz vor dem gegnerischen Tor verlassen. Langfristig gesehen braucht es aber wieder eine stabilere Defensive, wenn man so lange wie möglich auf allen drei Hochzeiten tanzen will. Sonst wird es schwer.



3. Schmerzhafter Ausfall von Kimmich

Nach einem missratenen Tackling gegen Erling Haaland musste Joshua Kimmich in der ersten Halbzeit ausgewechselt werden

Joshua Kimmich gehört zur Triple-Achse des FC Bayern. Der 25-jährige Nationalspieler ist im zentralen Mittelfeld unersetzlich, umso bitterer war seine verletzungsbedingte Auswechslung in der ersten Halbzeit.

Zwar hatte er keinen allzu großen Einfluss auf das Spiel, wie sich nach der Einwechslung von Corentin Tolisso zeigen sollte, ein langwieriger Ausfall wäre allerdings äußerst schmerzhaft. Kimmich ist der Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel, seine Übersicht und seine messerscharfen Pässe sind ebenso wie sein Verhalten im Pressing von enormer Bedeutung.

In der Länderspielpause wird sich Flick mit der Frage auseinandersetzen müssen, wie Kimmich ersetzt werden kann. Ist die Variante mit den offensiven Tolisso und Leon Goretzka, die beide mit Tiefenläufen auffallen, zu riskant? Oder traut er Marc Roca zu, das Bayern-Spiel mittlerweile besser zu verstehen?



4. Bouna Sarr mit Licht und Schatten

Neuzugang mit Startschwierigkeiten: Bouna Sarr

Eine der Schwachstellen der Münchner Defensive ist die rechte Abwehrseite. Benjamin Pavard ist seit Wochen außer Form, doch Bouna Sarr fehlt derzeit noch die Konstanz. Die Auftritte des 28-Jährigen offenbaren Licht und Schatten, in Dortmund war letzteres besonders im zweiten Durchgang zu sehen.

In vielen Szenen fehlte Sarr das Selbstvertrauen, weswegen er zu zögerlich agierte und dazu neigte, viele kleine Fehler zu begehen. Noch scheint er nicht ganz im Bayern-Trikot zurechtzukommen - aber die Neuzugänge brauchen Zeit, um sich bei der Vielzahl an Pflichtspielen und den wenigen taktischen Trainingseinheiten in der Mannschaft einzufinden.