Erst im Januar wurde Quique Setién als Nachfolger von Ernesto Valverde als Cheftrainer beim FC Barcelona präsentiert. Doch die mitunter erschreckend schwachen Leistungen vor allem im nationalen Liga-Betrieb haben bei den Verantwortlichen die Entscheidung reifen lassen, für die kommende Spielzeit erneut einen Wechsel auf der Trainerbank vorzunehmen. Doch auf ihren absoluten Wunschkandidaten werden sie noch warten müssen.


Denn der heißt Xavi Hernández - und hat erst vor wenigen Wochen seinen Vertrag beim katarischen Meister Al-Sadd um ein Jahr verlängert, dürfte für diesen Sommer also keine Option mehr sein. Ergo wird eine einjährige Übergangslösung gesucht. Und da kommt der Name Laurent Blanc ins Spiel. Der frühere Barça-Spieler (Saison 1996/97) bringt das von Sportdirektor Abidal geforderte Kriterium des Stallgeruchs mit. Darüber hinaus kennt Abidal Blanc noch bestens aus dessen Zeit als Nationaltrainer Frankreichs (von 2010 bis 2012) und weiß, dass er in Blanc einen Verfechter des Ballbesitz-Fußballs verpflichten würde, für den der FC Barcelona seit Jahrzehnten steht.


Der Wunschkandidat des FCB für den Trainerposten: Klub-Legende Xavi Hernández

Blanc selbst soll von der Perspektive angetan sein, wie das französische Fachblatt L'Équipe berichtet. Selbst die Tatsache, nur als Platzwärmer für den Wunschkandidaten zu fungieren, soll Blanc nicht abschrecken. Dies wohl auch dem Umstand geschuldet, dass Blanc seit seinem Weggang von PSG vor vier Jahren keinen Job mehr angenommen hat. Im wahren Leben ist dies schon eine immens lange Zeitspanne - im Fußball kommt sie einer Ewigkeit gleich. Sollte Blanc noch länger auf eine neue Herausforderung warten, könnte er bald überhaupt keinen Markt mehr haben. Die Trennung von PSG verlief damals übrigens ziemlich kurios: erst kurz zuvor hatten beide Seiten eine Verlängerung des Kontraktes vereinbart. Aber dann trennten sich die Wege am Ende doch - und Blanc war um eine Abfindung in Höhe von 20 Millionen Euro reicher.


Die scheinen nun aufgebraucht. Oder die Geduld Blancs, auf einen neuen Job zu warten. Und ein Einstieg beim FC Barcelona wäre ja auch nicht das schlechteste nach vier Sabbaticals in Folge. Selbst wenn er nur für ein Jahr die Bank für Xavi Hernández warm hält. Im besten Fall hat er Erfolg - und macht sich damit natürlich automatisch auch für andere Top-Flights in Europa interessant.


Bartomeu schielt auf Ronald Koeman


In trockenen Tüchern ist der Deal allerdings noch lange nicht. Der Favorit des amtierenden Präsidenten Josep Maria Bartomeu soll nämlich eine andere Klub-Legende sein: Ronald Koeman. Der Holländer - Schütze des goldenen Tors beim ersten Champions-League-Sieg (damals noch Europapokal der Landesmeister) der Katalanen gegen Sampdoria Genua 1992 - hat in der Vergangenheit ebenfalls schon mehrfach signalisiert, bereit zu stehen, wenn sein ehemaliger Klub ihn rufen würde. Ob sich Koeman jedoch auch mit der Notnagel-Rolle abfinden würde, bleibt abzuwarten.


Der Barça-Held von Wembley 1992: Ronald Koeman

So oder so: für den aktuellen Trainer scheinen die Tage in Can Barça gezählt. Wie der Klub allerdings mit einem zumindest denkbaren Triumph in der Königsklasse umgehen würde, bliebe abzuwarten. Setién könnte am Ende dasselbe Schicksal widerfahren, wie seinerzeit Jupp Heynckes bei Real Madrid. Der konnte 1998 die siebte Henkeltrophäe der Vereinsgeschichte gewinnen (nach 32 Jahren des Wartens) - und wurde danach vor die Tür gesetzt.