Das derzeit übergeordnet größte Thema im europäischen Fußball ist die Fan-Rückkehr in die Stadien. RB Leipzig hat bestätigt, zum Saisonstart 8.500 Fans im eigenen Stadion empfangen zu wollen, natürlich gedeckt mit einem Hygiene-Konzept, das von der DFL und den zuständigen Behörden abgenommen wurde. Eine unterschiedliche Herangehensweise wäre für die Bundesliga jedoch aus sportlicher Sicht nicht fair.


Niemand mag Fußballspiele ohne Fans im Stadion. Es sind noch immer ungewohnte Bilder, wenn sämtliche Ränge bei teils hochbrisanten Partien leer bleiben - von der ausbleibenden Geräuschkulisse, bei der man sogar mitbekommt, wenn ein Spieler mit seinen Stollenschuhen eine Treppe hinuntergeht, will man erst gar nicht anfangen. Dementsprechend groß ist die Sehnsucht nach der Fan-Rückkehr - und wer, wenn nicht die Bundesliga so scheint es, könnte diesen Schritt zuerst angehen?


Während in einigen Bundesländern eine strikte Obergrenze von Zuschauern bei Sportveranstaltungen gilt (in Nordrhein-Westfalen beispielsweise 300), werden nach und nach Konzepte und Maßnahmen erarbeitet, die eine stückweise Befüllung der Stadien zulassen sollen. RB Leipzig bestätigte am Dienstag, am ersten Spieltag gegen Mainz 05 etwa 8.500 Zuschauer willkommen heißen zu wollen - und auch zu können.


Es sei ein "standortindividuelles Konzept abgestimmt" worden, in Zusammenarbeit "mit dem zuständigen Gesundheitsamt der Stadt Leipzig", erklärte der Klub. Zudem wurde auf die Unterstützung seitens der DFL und der sächsischen Landesregierung verwiesen.



Die einen Vereine mit, die anderen ohne Fans: Vorteil in finanzieller und atmosphärischer Hinsicht


Zunächst einmal: Es ist richtig und auch sehr wichtig, dass an Standorten, in Städten und Bundesländern, die mit Corona-Infizierten (teilweise deutlich) geringer belastet sind, vergleichsweise lockerere Corona-Regeln gelten als anderswo. Ein guter Grundsatz: So viele Einschränkungen wie nötig, so viele Freiheiten wie möglich. Das kann für Schulen, für den generellen Sportbetrieb, für zugelassene Feiern und so viel mehr gelten. Doch für den Bundesliga-Wettbewerb, abhängig von zig Millionensummen und zahlreichen Existenzen, ist dies kein geeignetes Konzept.


Leere Ränge in der Bundesliga: Ein weiterhin begleitendes Bild

Wenn die Leipziger - mag das Konzept auch noch so gut, so sicher und so verständlich sein - jedes zweite Spiel mit 8.500 Fans im Rücken bestreiten dürfen, die Konkurrenz allerdings nicht, ist das ein nicht zu unterschätzender Unterschied. Das weiß jeder, der einmal ein Stadion am Spieltag besucht hat. Das weiß jeder, dem der allgemeine Heimvorteil im Hochleistungssport ein Begriff ist - auch wenn dieser natürlich nicht ausschließlich an den Tausenden von Anhängern abhängt.


Leipzig könnte auf den Fan-Support zählen, andere Klubs nicht. Auswärts hätten sie keinen Nachteil gegenüber den Gastgebern, schließlich gäbe es dann (zumindest bei den allermeisten Konkurrenten) gar keine Zuschauer. Ein Atmosphären-Vorteil, der angesichts der Infektions-Lage womöglich verständlich, aber sportlich aus Fairness-Gründen normalerweise nicht umzusetzen und zu erklären ist.


Die auf ihren Einsatz wartenden Profis waren die einzigen Tribünen-Gäste

Natürlich wäre es auch finanziell ein Vorteil für einen Verein, der im Gegensatz zu anderen Konkurrenten wieder auf Ticketeinnahmen u.ä. Aspekte zählen kann. Auch wenn es nur eine vergleichsweise kleine Menge an Stadion-Besuchern ist, so ist doch jeder einzelne Ticketkäufer ein finanzieller Unterstützer, den die anderen Klubs - unverschuldet - noch nicht haben werden. Pro Spiel gehen zum Teil mehrere Millionen Euro durch leere Ränge verloren, wie verschiedene Vereins-Manager erklärten. Das könnte, wenn auch im kleinen Rahmen, etwas aufgefangen werden.


Fan-Rückkehr kann sportlicher Vorteil sein: Für die Bundesliga eigentlich keine Option


Es ist eigentlich egal, wie man zum Thema Fan-Rückkehr in die Stadien steht. Egal, ob es zu früh, genau richtig oder eher mutig oder fahrlässig ist. So sehr man sich auch die zumindest halbwegs gewohnte Atmosphäre zurücksehnen mag, ist schlussendlich doch eines klar: Sobald ein Verein nicht das Privileg hat, ebenso wie ein anderer Klub Fans als Unterstützung und kleine finanzielle Entlastung zu haben, ist dies ein unfairer Vorteil im sportlichen Wettbewerb. Unfair, weil betroffenen Bundesligisten oftmals die Hände gebunden sind.


Eine Lösung für ein solches Problem ist aber ebenso eine große Schwierigkeit. Sollte man allen Fans den Stadionbesuch verbieten, obwohl es Genehmigungen und Konzepte gibt? Das wäre nicht zu erklären. Andererseits gelte dies bei einer ungleichen Vorgehensweise ebenfalls. Es ist und bleibt ein kompliziertes Thema, das man selbst nur sehr ungerne entscheiden wollen würde.