Was wäre wenn? Eine Frage, die sich lohnt zu stellen, blickt man auf die Karriere von Sebastian Rode. Der Mittelfeld-Motor von Eintracht Frankfurt hat in seiner Profi-Laufbahn bislang 256 Pflichtspiele absolviert, stand dazu 12 Mal für deutsche Junioren-Auswahlen auf dem Platz.


Doch fast genauso viele Spiele hat der 29-Jährige auch verpasst. Wahnwitzige 184 Pflichtpartien konnte Rode verletzungsbedingt nicht auf dem Feld stehen. Drei Knorpelschäden, eine Stressreaktion des Knochens, eine Leisten-OP und ein Kreuzbandriss sind nur kurze Auszüge einer elend langen Krankenakte.


Und da kommt man wieder zu der Frage, was wäre wenn? Was wäre wenn Sebastian Rode in seiner Karriere von Verletzungen verschont geblieben wäre? Wie groß sein Potenzial ist, zeigt allein schon der Wechsel des Offenbacher Eigengewächses von Eintracht Frankfurt zum FC Bayern München. Damals, im Sommer 2014, ging es ablösefrei zum Liga-Primus.


In zwei Jahren kam er immerhin in 52 Pflichtspielen zum Einsatz (4 Tore, 7 Vorlagen). Pep Guardiola zeigte sich häufig tief beeindruckt von "Seppl" Rode - ein Ritterschlag für jeden Fußballer. Rode gilt als unermüdlicher Kämpfer mit einem Eisenherz. Fußballerisch wirkt sein Spiel teils etwas hölzern - als "Weißer Brasilianer" würde er auf den ersten Blick mit Sicherheit nicht durchgehen.


Guardiola schenkte Rode häufig das Vertrauen

Rode ist mehr als ein reiner Mittelfeldkämpfer


Doch man tut Rode unrecht, würde man ihn allein auf seine Einstellung und Kampfkraft reduzieren. Der 29-Jährige ist auch ein sehr guter Fußballer, mit ganz starken technischen Basics. Das 1x1 seines Sports beherrscht er aus dem Effeff! Deutlich wurde das einmal mehr im DFB-Pokal Halbfinale am Dienstagabend gegen seinen Ex-Klub.


Rode kann's auch technisch anspruchsvoll

Die Eintracht stemmte sich, insbesondere in Durchgang zwei, gegen die Niederlage brachte den Rekordpokalsieger gehörig ins Straucheln. Angeführt wurden die Adler von einem überragenden Rode - der, wie es so seine Art ist, überall auf dem Rasen der Allianz Arena zu finden war. Rode grätschte, kämpfte, passte, dribbelte und schoss als ginge es um sein Leben. Deshalb lieben ihn die Anhänger der SGE.


Dass er vom kicker die Spielnote 3 erhielt, grenzt für den Autor des Textes an einen Skandal. Denn Rode war Dreh- und Angelpunkt seines Teams. Und hier rückt seine spielerische Klasse in den Fokus, die häufig hinter seinen anderen Attributen für Beobachter verborgen bleibt. Unzählige Szenen gab es auch an diesem Dienstagabend in München zu beobachten, bei denen Rode Bälle eroberte oder schwierige Pässe verarbeiten musste. Wo viele Bundesliga-Mittelfeldspieler den Ball mit dem ersten Kontakt einfach irgendwie weiterleiten wollen, pflückte sich Rode die Bälle reihenweise runter - mit der Brust, dem Oberschenkel oder Fuß.


Schwere Jahre in Schwarz-Gelb


Und so kommt man wieder zu der Ausgangsfrage: Was wäre für Rode möglich gewesen? In der laufenden Spielzeit hat auch er zu kämpfen. Die Eintracht wirkte über große Teile der Saison körperlich ausgelaugt. Die vielen Spiele und intensive Spielweise der Adler fordert ihren Tribut.


Dennoch gibt es auch positives für Rode in 20/21. Nur drei Partien hat er wegen kleinerer Belssuren in der Bundesliga verpasst. In den übrigen 27 Duellen stand er 22 Mal in der Startelf, viermal wurde er eingewechselt. Eine Konstanz, die Rode über weite Teile seiner Karriere fehlten.


Gewohntes Bild in seiner Zeit beim BVB: Rode in Zivil

So auch bei Borussia Dortmund, wohin es den Mittelfeldspieler 2016 für 12 Millionen Euro hinzog. Doch beim BVB war es schlimmer als zuvor: In drei Jahren stand "Seppl" nur 22 Mal für Schwarz-Gelb auf dem Platz. 2019 folgte die Leihe zurück zur Alten Liebe. Die Eintracht verpflichtete Rode ein Jahr später für 4 Millionen Euro fest. Trotz Knorpelschadens Nummer drei - erlitten im Europa-League-Halbfinale gegen Chelsea.


Sebastian Rode: Ein Mann für Jogi - im Konjunktiv


Für viele Fußballer wäre es das gewesen mit der Karriere. Rode kämpfte sich erneut zurück. Die könnte nun mit der Eintracht die letzte Station bereithalten. Wünschen würde es man ihm und den Fans. Die Frage, was wäre wenn, bleibt bei Rode aber immer im Hinterkopf. Einige DFB-Einätze - nicht für die Junioren, sondern für das A-Team, wären mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dazu gekommen. Und wer weiß, vielleicht noch sehr viel mehr...