Geduld und Ausdauer wird Schalke für diesen Transfer-Sommer mitbringen müssen: Der Klub muss erst eigenen Spielraum schaffen, um aktiv zu werden. Den einen oder anderen Kandidaten, der den Kader verstärken soll, scheint es bereits zu geben. Allerdings weiterhin nicht dabei: Ein offensiver Flügelspieler.


Die Baustellen im Kader des FC Schalke 04 sind offensichtlich und nicht zu verstecken. Umso komplizierter, diese Lücken zu schließen und sich an anderen Stellen zu verbessern, wenn das finanzielle Budget so gering ausfällt wie zurzeit. Schlechte, nicht zum Erfolg passende Arbeit mit den Finanzen über die letzten Jahre und die Coronakrise obendrauf: Königsblau ist teilweise zum Warten verdammt.


Bis der Klub selbst aktiv werden und Gespräche führen kann, werden Abgänge benötigt. Weston McKennie und sein Interesse aus der Premier League ist immer wieder ein Thema, ebenso die anvisierten Abgänge von Nabil Bentaleb und Sebastian Rudy. Neben kleineren Ablösen stehen dabei primär die Einsparungen des üppigen Gehalts auf dem Plan.


Schalke beobachtet Rechtsverteidiger Montiel - Kenny- und Mendyl-Rückkehr nicht ausgeschlossen


Sobald Schalke diese Spielräume hat, um die eigenen Planungen anzugehen, wird es interessant. Am Dienstag sah die Kaderplanung nach WAZ-Informationen folgendes Schema vor: Zwei Rechtsverteidiger, einen weiteren Linksverteidiger, einen Stürmer - nebenbei soll natürlich Torwart Alexander Schwolow vom SC Freiburg kommen.


Die Bild bestätigt diese Kader-Stellen am Donnerstag, füllt sie zum Teil mit neuen Namen. So soll Gonzalo Montiel ein Kandidat als neuer Rechtsverteidiger sein. Der Argentinier ist für River Plate aktiv und mit einem Marktwert von acht Millionen Euro beziffert, während sein Vertrag allerdings nur noch ein Jahr läuft. Kaderplaner Michael Reschke soll auf den 23-Jährigen aufmerksam geworden sein - der Fachmann kennt sich im südamerikanischen Fußball aus.


Gonzalo Montiel soll ein Kandidat für Schalke sein

Montiel, so der Bericht weiter, soll intern zumindest als "interessant" eingestuft und beobachtet werden. Eine Ablösesumme von acht Millionen Euro dürfte nicht fällig werden, da River Plate daran interessiert sein wird - sollte er den Vertrag nicht verlängern - den Spieler zu Geld zu machen. Sieht der Verteidiger im S04 ein gutes Karriere-Ziel, könnte es zu Verhandlungen kommen.


Laut Bild-Informationen soll aber auch eine Rückkehr von Jonjoe Kenny nicht gänzlich ausgeschlossen sein. Je nachdem, wie der FC Everton mit ihm plant, wären Gespräche, um die jeweiligen Positionen auszutauschen, durchaus denkbar. Die Chancen dürften allerdings gering sein, nicht nur wegen der potenziell notwendigen Ablösesumme an ein englisches Team, sondern auch, weil die Toffees sich dazu entschieden haben sollen, die Kaufoption für den geliehenen Rechtsverteidiger Djibril Sidibé nicht zu ziehen. Everton selbst wird voraussichtlich auf Kenny setzen.


Backup hinter Oczipka gesucht - große Konkurrenz bei Unions Andersson


Als weniger dringend, aber doch nicht unwichtig wird zudem noch Verstärkung für die Linksverteidiger-Rolle angesehen. Bastian Oczipka wird unter David Wagner weiterhin gesetzt sein, eine Alternative gibt es bislang ohnehin nicht. Mit dem 31-Jährigen soll sich Schalke gut aufgestellt sehen. Ein Backup bleibt aber ein Thema: Sollte es keine externe Personalie mehr geben und Hamza Mendyl gleichzeitig doch keinen neuen Verein finden, könnte er wohl zumindest vorerst der Mann hinter Oczipka bleiben.


Schalke sieht sich mit Bastian Oczipka gut aufgestellt

Das große Thema, die Offensive und ihre Probleme, schlägt sich auch auf dem Transfermarkt wieder. Sowohl die WAZ als auch Bild sprechen davon, dass es vorne im Sturm noch eine Verpflichtung geben soll. Nach wie vor ist Sebastian Andersson von Union Berlin das heißeste Thema. Allerdings bekommen die Knappen mit Celtic Glasgow große Konkurrenz: Die Schotten wollen die Kaufoption von fünf Millionen Euro laut kicker überbieten und somit ein Angebot in Höhe von sechs Millionen Euro vorbereiten.


Beim Schweden steuert S04 womöglich nur noch auf Außenseiter-Chancen zu. Dementsprechend bräuchte es Alternativen, sollte Andersson früher oder später kein Thema mehr für Schalke sein.



Kein Bedarf an Flügelspielern: Wagner noch offen in der Systemfrage?


Ein weiterhin großes Problem, auf das man immer wieder hinweisen muss: Die handelnden Personen sollen noch immer nicht wissen, ob man auch auf den offensiven Außenbahnen nachlegen muss - auch hier berichten die WAZ und Bild übereinstimmend. Noch sei nicht klar, ob Wagner mit Flügelspielern spielen lassen würde, ansonsten dürfte erneut die ungefährliche und nicht erfolgreiche Raute im 4-4-2 drohen.


Einen schlechten Saisonstart kann sich David Wagner nicht erlauben

Dabei ist es umso irritierender, dass in diesen Tagen die Vorbereitung auf Schalke startet, der Trainingsauftakt steht bevor. Neben den ersten Einheiten auf dem eigenen Vereinsgelände wird das Team bereits in der nächsten Woche ins erste Trainingslager reisen: Und noch ist nicht klar genug entschieden, ob es Flügelspieler braucht, weil noch offen ist, wie gespielt werden soll? Was muss in den letzten Wochen und gar Monaten im Trainerteam gemacht worden sein, um jetzt - am Tag des Wiedersehens in Gelsenkirchen - ohne konkreten angedachten Plan da zu stehen.


So früh wie möglich müssen die neuen Ideen, eine neue Herangehensweise im Spiel und die anvisierten Verbesserungen trainiert und verinnerlicht werden: Schließlich wird es eine intensive Spielzeit und sich auf Erfolge aus letzter Saison ausruhen, das kann Wagner nicht, das kann die ganze Mannschaft nicht. Selbstredend ist nicht klar, wie genau die internen (Transfer-)Pläne aussehen - dass Namen und konkrete Positionen aber genannt werden können, während die Flügel oder das kreative Mittelfeld ständig außen vor bleibt, lässt ein ungutes Gefühl zurück.