Am Donnerstag hat sich DFL-Chef Christian Seifert zur geplanten Fortsetzung der 1. und 2. Bundesliga geäußert. In einer Pressekonferenz stellte sich Seifert Fragen über den bevorstehenden Spieltag sowie den Beginn der kommenden Saison, den speziellen Rahmenbedingungen, unter denen der Wettbewerb wieder aufgenommen werden kann und mögliche Fan-Ansammlungen vor den Stadien oder in den Wohnzimmern.


Die Bundesliga ist zurück. Nach der Entscheidung aus der Politik am Mittwoch hat die DFL beschlossen, die Saison bereits in der kommenden Woche fortzusetzen. Fortgeführt wird der Spielbetrieb mit dem 26. Spieltag, allerdings verzichtet die Liga auf das Freitagsspiel zwischen dem SC Paderborn und Fortuna Düsseldorf.


Während dieses auf den Samstagnachmittag verlegt wurde, wird die Partie Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen aufgrund des verspäteten Trainingseinstiegs der Bremer am Montag ausgetragen. Der 26. Spieltag der 2. Bundesliga wird derweil in zwei großen Konferenzen am Samstag (13 Uhr) und Sonntag (13:30 Uhr) gespielt.


Seifert: "Erwarte von jedem Einzelnen, dass er sich an die Vorgaben hält"


"Alle Klubs haben die Entscheidung der Bundesregierung erleichtert wahrgenommen. Wir möchten uns deswegen bei allen Entscheidern bedanken", hielt Seifert in einer vorab verfassten Stellungnahme zu Beginn der Pressekonferenz fest. "Grundlage für die Entscheidung der Regierung von Bund und Ländern ist das umfassende Hygienekonzept gewesen."


Seifert appellierte daran, dass sich alle Beteiligten an die Hygienevorschriften halten müssen, um den weiteren Saisonverlauf nicht zu gefährden: "Ich erwarte von jedem Einzelnen, dass er sich an die Vorgaben hält. Unser Konzept ist, Infektionen frühzeitig zu erkennen und damit helfen, dass sich das Virus nicht weiter verbreitet."


Am Donnerstag und Montag testeten die 36 Profi-Klubs erstmals ihr Personal. Nach zehn positiven Fällen in der ersten Runde seien in der zweiten Testrunde zwei positive Fälle diagnostiziert worden, so Seifert, der betont, dass sich die Liga im Falle einer zweiten Infektionswelle wieder zurückziehen werde. Eine bestimmte Anzahl an Neuinfektionen, die zu einer erneuten Unterbrechung führe, sei aber nicht festgelegt worden.


Saisonende bis zum 30. Juni - Auftakt der Saison 2020/21 offen


Der Liga-Verband hofft darauf, die Saison aufgrund der Vertragssituationen der Spieler bis zum 30. Juni zu Ende spielen zu können. So würden allein in der Bundesliga über 100 Spielerverträge an diesem Stichtag enden, in der 2. Bundesliga sogar ein Drittel aller Verträge.

Der rechtliche Umgang mit den Arbeitspapieren sei "unklar", so Seifert. Auch müsse der Spielplan flexibel gestaltet und so früh wie möglich umgesetzt werden, damit Nachholspiele eingeplant werden können, sollte eine Mannschaft aufgrund zu vieler Ausfälle nicht antreten können.


Darüber hinaus seien die Relegationsspiele der 1. und 2. Bundesliga geplant, die Relegation zwischen der 2. Bundesliga und der Dritten Liga hänge derweil vom DFB ab, der für die Dritte Liga zuständig ist.


Wann die Saison 2020/21 beginnt, könne dagegen noch nicht abgeschätzt werden. "Im Idealfall starten die Ligen im August", so Seifert. Der Zeitpuffer sei allerdings wegen der Europameisterschaft, die auf 2021 verlegt wurde, sowie den geplanten Länderspielen im September und dem potentiellen Champions-League-Finale im August klein. Man müsse genau beobachten, wann die neue Saison beginnen könne, erklärte Seifert. Dabei spiele auch das Verbot von Großveranstaltungen eine Rolle. Allerdings gilt es als äußerst unwahrscheinlich, dass Bundesligaspiele noch in diesem Jahr wieder mit Zuschauern stattfinden können.


Hygienekonzept für Schiedsrichter obliegt dem DFB


Vorerst müssen sich die Klubs ohnehin an Geisterspiele gewöhnen. "Die Spiele werden anders aussehen, sich anders anfühlen, anders sein", so Seifert, einen Wettbewerbsnachteil müsse aber niemand fürchten - weder aufgrund der fehlende Fans, noch aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit: "Am Ende spielen alle unter den gleichen Rahmenbedingungen, keiner kann sich ideal nach zwei Monaten Unterbrechung vorbereiten oder in ein ausgeprägtes, diffiziles Trainingslager gehen. Ich erwarte den bestmöglichen Sport, den man unter diesen Rahmenbedingungen spielen kann."

Die Mannschaften werden vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs ein siebentägiges Trainingslager unter Quarantänebedingungen beziehen. Dies war eine Forderung des Bundesarbeitsministeriums. Die übliche Quarantänedauer von 14 Tagen sei nicht erforderlich, da das Hygienekonzept der DFL vorsehe, dass "nur gesunde Menschen in dieses Trainingslager reisen", so Seifert.


Welche Hygienemaßnahmen für die Schiedsrichter ergriffen werden, liege dagegen nicht in der Verantwortung der DFL. Dies sei Aufgabe des DFB, sagte Seifert. Der Verband bereite sich auf den ersten Spieltag vor, damit seien auch Corona-Tests verbunden.


Fan-Ansammlungen? Seifert glaubt nicht, "dass Fans den Kritikern diese Genugtuung geben werden"


Bedenken über Fan-Ansammlungen vor den Stadien oder in den heimischen Wohnzimmern wies Seifert derweil zurück. Diese "Pauschalverurteilung" der Fanszenen sei "ungerechtfertigt. Nach Gesprächen mit Vertretern aus der Fanszene glaube ich nicht, dass die Fans den Kritikern diese Genugtuung geben werden", so Seifert.

Darüber hinaus betonte er, dass die DFL keine Verantwortung für Versammlungen in privaten Räumlichkeiten tragen könne. Trotz der beschlossenen Lockerungen von Bund und Ländern sei "Disziplin gefordert. Ich hoffe, dass sich jeder dieser Verantwortung bewusst ist. Aber da endet auch die Verantwortung der DFL. Menschen könnten sich auch aus ganz anderen Gründen in Wohnzimmern treffen."