Der gescheiterte Wechsel des Holländers Memphis Depay (26) von Olympique Lyon zum FC Barcelona versinnbildlicht den volatilen Charakter des Fußball-Geschäfts im Allgemeinen - und die extrem angespannte Finanzsituation bei den Blaugrana im Besonderen. Am Ende bleibt Frust - bei fast allen Beteiligten.


Denn Spieler und dessen prospektiver neuer Arbeitgeber, der noch dazu seit diesem ereignisreichen Sommer von einem Landsmann trainiert wird, waren sich über die grundsätzlichen Bedingungen einer Zusammenarbeit einig. Das Problem, mit dem es der FC Barcelona in zweiter Front zu tun hatte, war das Finanzielle.


Spanische Financial-Fairplay-Regeln (und Dembélés Weigerung) machen Transfer unmöglich


Was auch Depay selbst - zumindest indirekt - anführt. "Ja, es war sehr nah", gab er gegenüber dem niederländischen Fernsehsender NOS (via transfermarkt.de) zu. "Ich will hier nicht in die Details gehen, aber leider haben es bestimmte Regeln verhindert."


Diese bestimmten Regeln führen es mit sich, dass der FC Barcelona erst einmal einen Großverdiener im Kader (auserkoren dafür war Ousmane Dembélé) hätte verkaufen müssen, um im Gehaltsbudget wieder "Platz zu schaffen" für neue Verpflichtungen. Denn auch ein Memphis Depay spielt nicht nur aus Liebe zur Kunst Fußball. Doch der 23-jährige Franzose, seiner Linie treu bleibend, weigerte sich beharrlich, seinen gut dotierten Bank-Platz beim spanischen Giganten aufzugeben, um womöglich im Dauerschmuddelregen von Nordengland (Manchester United hatte starkes Interesse) zu landen.


Brachte den Stein am Ende nichts ins Rollen: Ousmane Dembélé wollte nicht zu Manchester United

Und da sowohl die Ablösemillionen (Barça hatte sich von einem Verkauf des Ex-Dortmunders um die 50 bis 60 Millionen Euro erhofft) als auch die Gehaltseinsparungen (Dembélé verdient kolportierte 12 Millionen Euro im Jahr - Boni noch nicht eingerechnet!) spätestens am 05. Oktober ins Wasser fielen, hatte der Klub schlichtweg keine Mittel mehr, um den holländischen Nationalspieler ins Nou Camp zu locken. Dabei wäre er noch nicht einmal richtig teuer geworden. Zuletzt hieß es sogar, dass die Franzosen ihre Forderung auf 10 Millionen Euro runtergeschraubt hätten. Doch sei es wie es sei - der Deal ist vorerst gescheitert.


Wechselt Depay nun im Winter - oder ablösefrei im Sommer?


Freuen tut sich darüber eigentlich nur Jean-Michel Aulas, der Präsident von Olympique Lyon. Zumindest kurzfristig. Jetzt macht er sich sogar wieder zarte Hoffnungen, einen seiner wichtigsten Spieler über 2021 hinaus (bis dahin läuft Depays Vertrag an der Rhone) zu halten. "Ich habe es immer noch nicht aufgegeben, mit ihm zu verlängern. Aber es gestaltet sich als sehr schwierig, da er bisher ablehnt“, so der Klub-Boss. Und deshalb rechnet er auch gleichzeitig schon mit dem Schlimmsten. "So wie ich ihn kenne, wird er jetzt alles auf dem Platz geben, um später dorthin zu gehen."


Der Niederländer beschränkt sich derweil auf die branchenüblichen Floskeln, von wegen sich auf "Lyon konzentrieren" oder "wieder wichtig sein wollen" - und dürfte insgeheim schon auf den Winter dieses Jahres schielen, wenn die Blaugrana - so die Erwartungen in Lyon - es erneut probieren, ihn unter Vertrag zu nehmen. Und wenn es dann wieder nicht passen sollte, käme er im Sommer 2021 eben für lau. Und ein schönes Handgeld, versteht sich. Falls die Katalanen dann noch Interesse haben. Wir erinnern uns: Fußball ist ein volatiles Geschäft.