Exklusiv - Zwei Jahre lang (von 2017 bis 2019) spielte der Mexikaner Carlos Salcedo für Eintracht Frankfurt. Danach ging es für ihn zurück in die Heimat, wo er sich seinem Jugendklub UANL Tigres anschloss. 90min sprach mit ihm exklusiv über seine Erfahrungen in Deutschland.


Nach einem einjährigen Gastspiel zur Leihe beim AC Florenz, wechselte Salcedo 2017 - zunächst ebenfalls auf Leihbasis - zur SGE. Nach der Spielzeit 2017/18 legten die Hessen die geforderten 5 Millionen Euro auf den Tisch und verpflichteten den in der Provinz Guadalajara geborenen Innenverteidiger fix. Dort erlangte er endlich die ersehnte Kontinuität und gewann mit den Adlern 2018 den DFB-Pokal. Zusammen mit seinem Landsmann Marco Fabián wurde Salcedo so zum ersten Mexikaner, der den deutschen Pokal gewinnen konnte.


90min: Wie war das damals, mit Marco Fabián die Kabine zu teilen?


Salcedo: Ich hatte schon vorher mit ihm bei Chivas gespielt, und dort wurden wir zu Freunden. Ich sah ihn immer wie einen großen Bruder für mich, er half mir in vielen Dingen. Wir gingen gemeinsam zum Training, gingen zusammen zum Essen. Wir fanden sogar ein mexikanisches Restaurant in der Stadt. Das ist eine der Sachen, für die ich dem Fußball dankbar bin: man findet wirkliche Freundschaften. Weil beide im selben Metier beschäftigt sind, ist die Gefahr gering, dass der andere dich nur zu seinen Zwecken ausnutzt.


90min: Nachdem du eine gute WM in Russland hattest, gab es Angebote von mehreren Klubs. Glaubst du, dass es eine gute Entscheidung war, in Frankfurt zu bleiben?


Salcedo: Ja. Es gab zwar Offerten von Inter Mailand und Schalke 04, aber die SGE wollte mit mir verlängern. Ich kannte die Stadt, im Verein wurde ich von allen gut behandelt und der Trainer sagte mir, dass ich eine wichtige Rolle in seinen Plänen einnehmen würde. Ich dachte mir: jetzt zu einem neuen Klub zu gehen, könnte schwierig werden. Heute weiß ich: es war die absolut richtige Entscheidung, denn kurze Zeit darauf brach ich mir den Knöchel. Nach zwölf oder dreizehn verpassten Spieltagen kam ich zurück - und der Trainer reservierte mir meinen Platz. Dann, im folgenden Winter, kam die Offerte von Tigres - und hier bin ich nun.


90min: Wie würdest du deine Zeit in Deutschland beschreiben?


Salcedo: Als sehr gute Zeit. Wir haben sehr viele Dinge erreicht, den deutschen Pokal gewonnen. Wir haben uns Respekt verschafft, weil wir aus dem Mittelmaß nach oben kamen. Vorher war es bei der Eintracht eher vom Mittelmaß nach unten gegangen.


90min: Was fehlt einem Carlos Salcedo, um wieder auf das Niveau zu kommen, dass er bei der WM 2018 in Russland gezeigt hat?


Salcedo: Ich fühle mich momentan sehr gut. Ich werde auch nicht zulassen, dass zwei oder drei schwächere Spiele meine ganze Karriere verdunkeln. Nicht einmal, als ich bei der WM zweimal während der Gruppenphase in das Best-of-Team gewählt wurde, hielt ich mich für was Besseres. Was ich erreichen muss, ist die Regelmäßigkeit, mich auf demselben spielerischen Niveau zu halten. Rein fußballerisch habe ich nichts eingebüßt, aber was ich spüre, ist, dass ich die Regelmäßigkeit als Spieler verloren habe, und das prägt die aktuelle Situation.


90min: Wenn du die Möglichkeit hättest, nach Europa zurückzukehren: zu welchem Klub würdest du gerne wollen?


Salcedo: Eintracht Frankfurt


90min: Und eine Mannschaft, in der du noch nicht gespielt hast?


Salcedo: Bayern München. Ich mag die Mentalität der Deutschen. Nicht umsonst waren sie es, die als erstes mit ihrer Liga wieder gestartet sind.


90min: Die besten Trainer, die du hattest?


Salcedo: Matías Almeida, Niko Kovac, 'Tuca' Ferreti, 'Tata' Martino