In den USA herrscht eine extrem angespannte Stimmung, nach dem Mord an George Floyd durch einen Polizisten kochen die Emotionen hoch. Auch in der Bundesliga erinnerten und protestierten Profis in Gedenken an Floyd. Der DFB wird den Statuten nach ermitteln, doch sollte in der Sache keine Klage erhoben werden.


Es sind schreckliche Bilder, die seit einigen Tagen aus den USA kommen. Durch einen erneuten Mord an einem dunkelhäutigen US-Amerikaner durch einen Polizisten scheinen sich etliche Spannungen innerhalb der gesamten Gesellschaft in den ganzen Vereinigten Staaten gelöst zu haben: An zahlreichen Stellen wird mit riesigen Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus protestiert. Diese Proteste haben auch ihren Weg in die Bundesliga gefunden.


Bundesliga-Profis nutzen ihre Reichweite: "Justice for George"-Bewegung in die Öffentlichkeit


So haben am vergangenen Wochenende auch Bundesliga-Profis auf den Mord und die Proteste aufmerksam gemacht. Weston McKennie von Schalke 04 trug die Aufschrift "Justice für George" auf dem Arm. Achraf Hakimi und Jadon Sancho von Borussia Dortmund zeigten sich unter ihren Trikots ebenfalls mit dieser Aufschrift. Marcus Thuram von Borussia Mönchengladbach jubelte mit dem mittlerweile berühmten Kniefall - auch ein Zeichen gegen Rassismus, welches bereits im letzten Jahr für Aufsehen und Diskussionen in den USA sorgte.


Laut den DFB-Statuten sind politische Statements auf dem Platz jedoch untersagt. Somit wird sich, den Regeln entsprechend, ein Kontrollgremium mit den vier Spielern und ihren jeweiligen Aktionen befassen. Soweit ist das weder ungewöhnlich noch zu verachten, schließlich muss auf Statuten, Regularien und festgelegte Vorgaben geachtet werden - immerhin könnten sich, rein theoretisch, auch Spieler oder Trainer beispielsweise mit gegenteiligen Bekenntnissen äußern, beleidigen oder hetzen.


Dementsprechend ist es zunächst wichtig, solche Statuten zu haben, um etwaige Vorkommnisse dann sauber und differenziert betrachten zu können.


Oliver Kahn wünscht sich mehr Spieler mit solcher Verantwortung - DFB sollte es bei einer Mahnung belassen


Da es sich bei den vier Statements jedoch um freiheitliche, liberale und anti-rassistische Aussagen handelt, sollte die Spieler letztlich keine Strafe treffen. Derartige Aktionen seien auch wichtig, findet Bayern-Vorstandsmitglied Oliver Kahn. Bei Sky90 erklärte er (via Sportbuzzer): "Ich würde mir wünschen, dass die Spieler mehr solche Verantwortung übernehmen. Denn wir alle wissen, was für eine Wirkung sie haben."

Die Reichweite ist dabei ein wichtiges Mittel, das beispielsweise auch für "sehr, sehr wichtige Signale" im Kampf gegen das Coronavirus genutzt worden sei. Auch wenn das Ausziehen des Trikots im Falle Jadon Sancho "nicht erlaubt" war, plädierte Kahn für mehr Mündigkeit der Profis: "Trotzdem denke ich, die Spieler sollten mündig sein und ihre Meinungen zu gesellschaftlichen Themen kundtun."


Zahlreiche Politiker, andere Fußballer und Sportler, wie weitere Persönlichkeiten der Öffentlichkeit sprachen sich ebenfalls positiv für diese Aktionen aus oder unterstützen sie durch eigene Statements. So auch Gladbach-Trainer Marco Rose, der seinen Stürmer Thuram unterstützte: "Da stehe ich hinter meinem Jungen. Ich finde, wenn man sich öffentlich gegen Rassismus stellt, dann ist das schwer in Ordnung."


"I cant breathe" - die letzten Worte von George Floyd sollen an ihn erinnern

So ist es denkbar, und so wäre es wohl auch stilvoll, würde der DFB die Ermittlungen aufnehmen - so wie er es muss -, anschließend die Zeichen jedoch stillschweigend akzeptieren und es bei einer notwendigen Mahnung belassen. Natürlich können sie solche Aktionen, so ehrenhaft, richtig und wichtig sie auch sein mögen, nicht generell erlauben beziehungsweise tolerieren - das würde die Regel ad absurdum führen. Es ist wichtig, derartige Zeichen zumindest überprüfen zu können. Ebenso wichtig wäre es in diesem Fall allerdings auch, ein eigenes Zeichen zu setzen, indem der Verband keine Strafen erlässt.


Ubi non accusator, ibi non iudex - Wo kein Kläger, da kein Richter. Dieser Grundsatz könnte ein Vorbild für den Umgang mit den anti-rassistischen Statements von McKennie, Hakimi und Co. sein.