In der Bundesliga gibt es so einige Vereine und Trainer, die taktisch sehr versiert sind und seit Jahren einen besonders guten Ruf haben, was die Auf- und Einstellung ihrer Mannschaft betrifft. Leider wird das bei den Bundesliga-Übertragungen zu wenig thematisiert und gewürdigt: Es fehlt eine Fußball-Taktik-Sendung!


Wenn samstags um 15:30 Uhr wieder die Bundesliga angepfiffen wird, gibt es ganz unterschiedliche Arten von Zuschauern. Die einen gucken keinem bestimmten Verein zu, sie wollen durch den Fußball schlicht unterhalten werden. Andere wiederum fiebern mit ihrer Mannschaft mit, sehen sich jedes Spiel einzeln an, auch wenn parallel ein deutlich spannenderes Duell laufen würde. Eine weitere Gruppe interessiert sich auch oder primär für die taktischen Abläufe, die Hintergedanken eines Trainers bei seiner Aufstellung, für die Struktur und die Ideen, die umgesetzt werden. Natürlich gibt es diese Art von Zuschauern auch in den beiden anderen angesprochenen Gruppen, wenn auch nicht in der Überzahl.


Eurosport und DAZN machten es vor: Taktische Aufbereitung der Bundesliga wird gut angenommen


In der Bundesliga gibt es eine Vielzahl an Trainern, denen ein taktisch interessantes Denken und Konzipieren nachgesagt wird. An erster Stelle dürften u. a. Julian Nagelsmann, Marco Rose, Peter Bosz oder Lucien Favre stehen, wenn man daran denkt. Woche für Woche liefern sie mit ihren Teams arbeitsintensive Choreografien, in der Hoffnung, dem Gegner möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, während man selbst die eigenen Stärken und/oder die gegnerischen Schwächen ausspielen möchte.


Matthias Sammer im Dienst für Eurosport: Lob für taktische Expertise

Solche Leistungen, die von den Trainern taktisch vor- und aufbereitet werden, finden in der gewöhnlichen Bundesliga-Übertragung in Deutschland noch zu wenig Gehör. Mittlerweile wissen die meisten Fans, was ein sogenannter abkippender Sechser ist und sie erkennen, wenn er sich zwischen die Innenverteidiger zurückzieht. Allerdings wird allgemein eher über die gewöhnlichen Abläufe gesprochen. Welcher Spieler wann und wo einen starken Laufweg zieht und die notwendige Übersicht hat, das ist zwar wichtig zu benennen - gerade für Kommentatoren - doch gäbe es so viel mehr zu erzählen.


Vor allem die Streamingdienste um Eurosport und DAZN haben vorgemacht, dass man taktische Erklärungen deutlich offensiver in die Berichterstattung einbauen kann. Mit Matthias Sammer etwa gab es Experten, die noch in der Halbzeit an einer Tafel oder einem großen Bildschirm gut erklären konnten, wieso Mannschaft A an dieser Stelle überspielt wurde, oder weshalb Mannschaft B einen gewissen Raum überladen hat, wie es so schön heißt. Dafür haben die Sender viel Lob bekommen, doch es ist Platz für mehr.


Die Marktnische wäre vorhanden: Taktik-Sendung mit Experten und Ausschnitten vom jeweiligen Spieltag


Eine eigene kleine Sendung vielleicht, die zum Spieltagsende ein paar (längere) Szenen aufzeigt, in denen taktisch klug, variabel oder schlicht interessant gearbeitet wurde. Erklärungen am Bildschirm mitsamt den Originalbildern, in denen klar zu erkennen ist, wieso beispielsweise das Nagelmann'sche Besetzen der Halbräume gegen ein anderes Team so erfolgreich und wichtig war. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht etwas trocken, doch gäbe es sicherlich eine Menge Ideen, wie eine solche Sendung aufbereitet werden könnte - und das für verschiedene Arten von Zuschauern.


Interessant wäre sie zwar primär für Fußballfans und -Zuschauer, die sich ohnehin für die Taktik und deren Umsetzung interessieren. Das sind zwar nicht wenig Leute, aber sicherlich auch nicht allzu viel, wenn man ehrlich ist. Allerdings würde ein solches Angebot zu einer fußballfreien Zeit (Sonntagabend?), mit geladenen Experten und einer modernen Aufmachung, auch viele Zuschauer anziehen, die in den Bereich reinschnuppern und ihn kennenlernen wollen.

Es könnte zusammen diskutiert werden, Fans und weitere Experten, etwa Spieler oder auch Trainer könnten ins Studio geschaltet und ganze Szenen einfach und doch vielseitig klug erklärt werden. Es bietet sich ein Programm an, das über die 90 Minuten und die anschließenden Phrasen ("Wir hatten heute wenig Zugriff") hinausgeht. Womöglich wird bereits an einer solchen Idee gebastelt, wer weiß das schon. Einen Versuch wäre es sicherlich wert und die nötige Expertise vorhanden.