Mitte der Neunzigerjahre erschien der Name Mário Jardel auf der Landkarte des großen Fußballs. Beim FC Porto hatte der Stoßstürmer seine besten Zeiten, wurde viermal Torschützenkönig der Liga und in der Spielzeit 1998/99 sogar zu Europas Torjäger des Jahres (Goldener Schuh). Das ist dem heute 47-Jährigen vielleicht ein bisschen zu Kopf gestiegen.


Denn anders sind seine jüngsten Aussagen nicht zu erklären. Im Rahmen eines Tennisturniers in Lissabon wurde er zum frischgebackenen Fußballer des Jahres von Europa, Robert Lewandowski, befragt. Und hatte dazu eine sehr egozentrische Meinung (via AS) parat: "Es gibt keinen, der mit mir vergleichbar ist. Ich habe Geschichte geschrieben, bin einzigartig. " Abgesehen davon, dass jeder Mensch auf der Welt auf seine Art einzigartig ist, ist die Message, die Jardel rüberbringen will, nicht zu übersehen. Ganz im Stile eines Cassius Clay: I am the greatest.


Jardels "Vergleich" hinkt hinten und vorne


Lewandowski? "Lewandowski", so Jardel, "ist ein Spieler, der pro Jahr 40 bis 60 Tore macht. Was er macht, habe ich schon früher gemacht, über sechs, sieben Jahre hinweg." Was er dabei geflissentlich beiseite lässt: der Pole hat seine Tore (wenn auch keine 60 pro Saison) in einer der vier besten Ligen der Welt gemacht: in der Bundesliga. Und zwar für verschiedene Klubs.


Die portugiesische Liga NOS indes ist nicht zu den Top-Five-Ligen zu zählen. Nimmt man die UEFA-Fünfjahreswertung als Maßstab, gehört die portugiesische Liga aktuell zu den ersten sechs. In den Neunzigerjahren, zu der aktiven Zeit Jardels, lag ihr Status sogar noch darunter. Selbst die russische und die griechische Liga standen noch über der portugiesischen.


Fast schon größenwahnsinnige Züge


Doch das scheint Jardel alles nicht zu interessieren. Er legt sogar noch einen drauf: "Wenn ich heutzutage Spieler wäre, wäre ich zwischen 150 und 200 Millionen wert." Das sind Sphären eines Mbappé oder Neymar. Und liegen über denen eines Lewandowski, dessen Spitzenbewertung (im Jahr 2018) 90 Millionen Euro betrug.


Lewandowski dürfte bei der Lektüre dieser Aussagen nur ein müdes Lächeln über das Gesicht gehuscht sein. Was soll man einem Menschen auch entgegenhalten, der die Welt nicht so sieht, wie sie ist, sondern wie er sie sehen will? Brüder in diesem Geiste gibt es ja momentan viele. Einer von ihnen regiert sogar seit vier Jahren die USA.