Jerome Boatengs Berater Damir Smoljan hat den Verantwortlichen des FC Bayern die Tür für eine Vertragsverlängerung geöffnet. Unabhängig von der Zukunft David Alabas sollte der Rekordmeister diese Chance nutzen.


Mit dem einen will der FC Bayern verlängern, mit dem anderen wurden noch keine Gespräche geführt. Die Rede ist von David Alaba und Jerome Boateng. Das Innenverteidiger-Duo gehörte zur Stammelf des Triple-Erfolgs, hat aber einen unterschiedlichen Status innerhalb des Vereins.

Alaba ist zum Abwehrchef aufgestiegen und soll diese Rolle auch in Zukunft bei den Bayern ausüben, beide Parteien kommen aber nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Am Dienstagabend äußerte Sportvorstand Hasan Salihamidzic vor dem Champions-League-Spiel gegen RB Salzburg (6:2) Zweifel darüber, dass der 28-Jährige doch noch in München verlängert: "Ich weiß nicht, wie wir wieder zurück und zueinander finden sollen", sagte Salihamidzic offen.

Alabas Verlust wäre besonders auf menschlicher Ebene schmerzhaft. Der Österreicher spielt seit 2008 für die Bayern, gab sein Profi-Debüt in München und wurde nach einer Leihe zur TSG Hoffenheim Stammspieler und zweimaliger Triple-Sieger. Sportlich wäre der Abgang aber zu kompensieren - unter anderem mit Jerome Boateng. Seit Hansi Flick vor einem Jahr zum neuen Trainer befördert wurde, hat der Weltmeister von 2014 einen Wandel durchlebt. Vom trotzigen Bankdrücker hat er sich zum Stammspieler hochgearbeitet, der sich zu Saisonbeginn nach einer Verletzung im Champions-League-Turnier in Lissabon hinter Niklas Süle anstellen musste, sich mittlerweile aber wieder häufiger präsentieren darf.

In Salzburg sammelte Boateng laut kicker 80 Ballkontakte, 51 seiner 63 Zuspiele kamen beim anvisierten Mitspieler an (Passquote: 81%), in jedem geführten Zweikampf behielt er die Oberhand und beim Eckball in der 79. Minute brachte er die Münchner mit seinem Tor zum 3:2 auf die Siegerstraße. Generell macht er Tempo-Defizite durch ein gutes Stellungsspiel und gutem Timing in Zweikämpfen wett, mit dem Ball sorgt er indes durch seine langen Bälle in die Tiefe für Gefahr.


Boateng-Berater öffnet Türen für Vertragsgespräche


Der Konkurrenzkampf ist ob der Rückkehr des lange verletzten Duos um Süle und Lucas Hernandez sowie der Ankunft von Tanguy Nianzou größer geworden, aber mit Boateng ist zu rechnen. Auch in seinem letzten Vertragsjahr gibt der 32-jährige Vollgas, abgeschlossen hat er mit einer Zukunft an der Isar ohnehin nicht: "Wir sind offen für Vertragsgespräche", verkündete Berater Damir Smoljan bei Sport1, "wir freuen uns, wenn wir die Gespräche mit Bayern führen."


"Wir sind offen für Vertragsgespräche" Boateng-Berater Damir Smoljan

Boateng fühle sich "unglaublich wohl" innerhalb der "unglaublich fokussierten und professionellen" Mannschaft, "all das passt zu Jerome", sagt Smoljan, der Werbung für seinen Klienten betreibt: "Seine Erfahrung und Einstellung helfen jeder Top-Mannschaft. Jeder junge Spieler kann davon profitieren. Seine Leistung ist seit Monaten sensationell."


Boateng hat eine Vertragsverlängerung verdient


Auch Chef-Coach Flick weiß die Qualitäten des gebürtigen Berliners zu schätzen: "Das ist schön zu sehen", sagte der 55-Jährige auf Nachfrage des TV-Senders über Boateng, "wir sind alle froh, dass er die letzten Monate an sich gearbeitet und viel aufgeholt hat. Er hat uns in Salzburg den Weg für den klaren Erfolg geebnet. Das Tor war ganz wichtig. Er hat seine Sache sehr gut gemacht."


Könnte eine Schlüsselrolle in Boatengs Zukunft einnehmen: Hansi Flick

Vor und hinter den Kulissen ist Flick ein Trainer, der seine Meinung klar zur Sprache bringt. Er hat sich lange für einen Verbleib von Thiago eingesetzt, äußerte auch nach den jüngsten Entwicklungen seine Hoffnung, dass Alaba bleibt und forderte während der Transferperiode vehement Neuzugänge. Versperren würde er sich vor einer Verlängerung mit Boateng vermutlich nicht - und auch die Sportliche Leitung wäre gut damit beraten, ihn mindestens eine weitere Saison an den Verein zu binden.

Die Situation ist eine andere als vor einem oder zwei Jahren, als Boateng beinahe gewechselt wäre. Er ist körperlich auf einem viel höheren Level und gibt der Mannschaft in der Defensive sowie im Offensivspiel mehr als unter Niko Kovac. Selbstverständlich müssen sich die Bayern-Bosse mit der Frage beschäftigen, wie lange Boateng dieses Niveau noch halten kann; aber man sollte ihn nicht vorzeitig abschreiben. Eine Vertragsverlängerung wäre ein Zeichen der Wertschätzung für die erbrachten Leistungen in den vergangenen Monate und des Vertrauens. Beides hat sich Boateng verdient.