Das kam dann doch etwas überraschend. Mit 6:2 fegte Bayer 04 Leverkusen am Donnerstagabend den Europa League-Kontrahenten OGC Nizza aus der BayArena. Von einer offensiven Flaute war nichts zu spüren, vielmehr überzeugte die Werkself durch Kampf, Kreativität und Effektivität.


Magere drei Bundesligatore schoss das Team von Trainer Peter Bosz bisher in der Bundesliga. Die einstige offensive Stärke, mit der sich der Verein immer wieder gerne rühmt, schien zur Saison 2020/21 verloren gegangen zu sein. Doch nun bestrafte Leverkusen alle Kritiker mit einer grandiosen Leistung. Aus dem deutlichen Sieg kann die Werkself für die folgenden Partien einiges mitnehmen.


1. Leverkusen und Nizza sind nicht auf Augenhöhe

Coach Bosz (li.) darf ruhig selbstbewusster an die Sache ran gehen

Auf der Pressekonferenz vor der Partie sorgte Peter Bosz für Irritationen. Nizza sei, so der Trainer, mit Leverkusen auf Augenhöhe. Die Aussage sorgte unter den Fans für Unruhe, abermals schraubte der Verein seinen eigenen Anspruch und das Vertrauen in die Qualität herunter.

Der deutliche Sieg gegen den vermeintlich gleich guten Gegner zeigte umso deutlicher, dass sich Leverkusen zurecht als Favoriten einstufen darf. Ein wenig mehr Selbstvertrauen würde dem Klub gut tun - oder lag es womöglich sogar an Boszs Understatement?!


2. Es geht auch mit Alario

Der Torinstinkt ist zurück: Alario (re.) ist in Topform

Im ganzen Trubel rund um Kai Havertz, Kevin Volland und Neuzugang Patrik Schick ging ein Name besonders unter: Lucas Alario. Der Argentinier entwickelte sich im Sommer zur ärmsten Socke Leverkusens, denn trotz recht solider Leistungen im Bayer-Trikot war und blieb das Vertrauen in die Dienste des Stürmers gering. Kein Wunder, dass der Nationalspieler am liebsten gewechselt wäre.

Bekanntermaßen blieb Alario dem Verein treu - Gott sei Dank, kann man nun sagen. Nach Treffern im DFB-Pokal und der Liga netzte der 28-Jährige nun auch in der Europa League ein. Bei seinem sehenswerten Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 blitzte einmal mehr seine Klasse auf.

Alario wird für die Werkself immer wichtiger und ersetzt den verletzten Schick aktuell grandios. So grandios, dass man sich Fragen muss, ob sich der Tscheche nicht zunächst sogar hinten anstellen muss, wenn er zum Team zurückkehrt.


3. Palacios drückt auf einen Stammplatz

Der Einsatz von Palacios stimmte

Auch der zweite Argentinier der Werkself durfte gegen Nizza ran. Toptalent Exequiel Palacios rückte für den verletzten Charles Aranguiz in die Startelf und nahm die Rolle des dreckigen Mittelfeldspielers perfekt an. Der 21-Jährige zeigte, warum ihn Bayer im vergangenen Winter zum Klub lotste.

Hinter Kapitän Aranguiz, Regisseur Kerem Demirbay und Routinier Julian Baumgartlinger musste Palacios zuletzt häufig zurückstecken. Das könnte sich nach dem Nizza-Spiel allerdings ändern. Szene des Spiels: Palacios' Grätsch-Vorlage zum 3:1 durch Moussa Diaby. Direkt mal Einsatz und Effektivität kombiniert!


4. Die Rückkehr des "alten" Leon Bailey?

Bailey (re.) rückt immer weiter in den Vordergrund

Die Beziehung zwischen Leon Bailey und Bayer 04 ist wahrlich keine einfache. Der Klub hätte den Jamaikaner gerne im vergangenen Sommer abgegeben, zu anstrengend waren die vergangenen Saisons im Umgang mit dem Offensivspieler. Dass Bailey aufgrund einer Quarantäne seinen Heimat-Aufenthalt im Sommer unfreiwillig verlängern musste, tat sein übriges. Irgendwie rückte der 23-Jährige immer weiter ins Abseits.

Umso überraschender und erfreulicher ist es, dass Bailey sich zuletzt durch herausragende Leistungen wieder im Team etabliert hat. Dabei entwickelt sich der Außenbahnspieler langsam zum Musterprofi, zumindest was die Assists anbelangt. Zwei Tore legte Bailey gegen Nizza auf und zeigte dabei eine grandiose Spielübersicht sowie gutes Timing.


5. Offensive Ladehemmung? Von wegen!

Tore, Tore, Tore

Drei Unentschieden und nur ein knapper Sieg in der bisherigen Bundesligasaison - das geht aus Sicht der Leverkusener deutlich besser. Vor allem in der Offensive haperte es bislang enorm, nur drei Tore spiegeln nicht die Erwartungen der Werkself wieder.

Dass es die vorderste Front allerdings noch drauf hat, bewies das Team gegen Nizza mit Bravour. Nicht nur die Effektivität beeindruckt, auch die Spielfreude und Kreativität lassen die Herzen der Fans höher schlagen. Das Spiel gibt Hoffnung, dass sich die Offensivlaune Leverkusens nun auch auf die Liga überträgt.