Nach dem verlorenen Pokalfinale gegen den FC Bayern (2:4) hat Bayer Leverkusen noch immer die Chance auf einen Titel. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sprach Trainer Peter Bosz über die Europa League, die hohe Belastung zu Corona-Zeiten und die Zukunft von Kai Havertz.


Mit einem Bein steht Bayer Leverkusen im Viertelfinale der Europa League. Bevor die Runde der letzten Acht beginnt und wie die Champions League im WM-Modus ausgespielt wird, steht allerdings noch das Achtelfinal-Rückspiel gegen die Glasgow Rangers auf dem Programm. In Schottland siegte die Bosz-Elf mit 3:1, an das Viertelfinale denkt der Niederländer aber noch nicht: "Man muss immer fokussiert sein auf die nächste Aufgabe, und die ist das Rückspiel gegen Glasgow", sagte Bosz gegenüber der dpa. "Den Fehler, weiter zu denken, werde ich nicht machen. Glasgow hat zuletzt super Ergebnisse geholt. Wir in Glasgow auch, aber wir haben da nicht gut gespielt. Deshalb ist die Sache für mich noch nicht durch."


Peter Bosz hält trotz der Niederlage im Pokalfinale an seinen Ambitionen fest

Nichtsdestotrotz hegt Bosz Titelambitionen. Er kenne die Geschichte von "Vizekusen", wolle sich davon aber nicht beeinflussen lassen: "Ich arbeite bei Bayer Leverkusen, das ist ein super Verein. Dann muss das Ziel doch sein, auch Titel zu holen", sagte der 56-Jährige. Das solle allerdings nicht bedeuten, dass eine Saison schlecht war, wenn die Werkself leer ausgeht. Außerdem erinnerte Bosz an den Fortschritt, den die Mannschaft in dieser Saison gemacht hat: "Wir waren in diesem Jahr am Pokal ja schon nahe dran."


Bosz: Mehr Rücksicht für die Spieler


Ab August wird das Programm für die Spieler jedoch zu einer großen Belastung. Kurz nach dem Europapokal stehen Länderspiele an, anschließend beginnt wieder die Bundesliga und der DFB-Pokal. Viele Spiele in kurzer Zeit bedeuten körperlichen und mentalen Stress für die Spieler, die es laut Bosz besonders zu schützen gilt: "Es gibt Limits. An Corona hat niemand Schuld. Aber man muss nun noch mehr aufpassen, dass man die Spieler nicht zu sehr belastet", lautet sein Appell. Mentale und körperliche Komponenten seien eng miteinander verknüpft, Verletzungen würden sich daher häufen, wenn Spieler müde sind. "Wenn ein Spieler frisch ist, sieht er den Gegner in seinem Rücken kommen und kann sich eher schützen", erklärt Bosz. "Sind die Spieler am Anschlag, agieren sie langsamer und weniger konzentriert, sie sehen den Gegner nicht kommen."

Aufgrund der Europameisterschaft, die auf 2021 verschoben wurde, muss die Saison 2020/21 trotz eines verspäteten Starts bis zum Frühjahr gespielt werden. Deshalb will Bosz seine Spieler nach der Europa League in den Urlaub schicken. "Aber wie viel das sein wird", schränkt der Trainer ein, "hängt davon ab, wie weit wir kommen."


Bosz über Havertz: "Es ist seine Sache"


Ob dann auch Kai Havertz für Leverkusen spielen wird, ist offen. Das Offensiv-Juwel darf den Verein ab einer Ablösesumme in Höhe von 100 Millionen Euro verlassen, als einziger ernstzunehmender Interessent gilt der FC Chelsea. Der 21-Jährige gehe "sehr gut" mit den ständigen Wechselgerüchten um - wohl auch, weil Bosz dem Hype um Havertz ganz bewusst den Wind aus den Segeln nimmt: "Ich sehe mich als Trainer wie eine Art Pendelwaage. Wenn Dinge zu sehr ausschlagen, versuche ich sie auszubalancieren. Kai wurde oft übermäßig gelobt, obwohl er nicht überragend war. Und wurde oft sehr kritisch gesehen, obwohl er nicht so schlecht war."


"Vielleicht kommt heute der entscheidende Anruf, vielleicht nächste Woche, vielleicht gar nicht" Peter Bosz über Kai Havertz

Bosz weiß, welche Entscheidung Havertz über seine Zukunft getroffen hat. "Es ist seine Sache", so der Cheftrainer, der diese nicht verraten wollte und der ebenso wenig weiß, ob oder wann er einen seiner wichtigsten Spieler verlieren wird: "Das kann man nicht sagen. Vielleicht kommt heute der entscheidende Anruf, vielleicht nächste Woche, vielleicht gar nicht."