In der Debatte um eine Umverteilung der TV-Gelder hat sich Bayer-Boss Fernando Carro zu Wort gemeldet. Gegenüber Sport Bild sprach der 56-jährige Spanier von einer drohenden Spaltung der Bundesliga und 2. Bundesliga.


Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander und die seit 2013 andauernde Dominanz des FC Bayern ist trotz der Bemühungen von Borussia Dortmund und RB Leipzig nicht zu stoppen. Wie also kann die Bundesliga wieder spannender werden? Und wie können sich die Aufsteiger aus der 2. Bundesliga in Zukunft nachhaltig im Oberhaus etablieren?

Mit diesen Fragen setzen sich die Vertreter der 36 Profi-Vereine auseinander, wenn über die Verteilung der TV-Gelder diskutiert wird. Vor knapp zwei Wochen hatte BILD am Sonntag über ein vom FSV Mainz 05, VfB Stuttgart, Arminia Bielefeld und Jahn Regensburg initiiertes Positionspapier berichtet, in dem unter anderem gefordert wird, dass die nationalen und internationalen TV-Einnahmen zusammengerechnet werden und 20 Prozent der Gelder an die Zweitligisten fließen.


Die Mannschaften aus der 2. Bundesliga sollen laut einem Positionspapier mehr TV-Einnahmen erhalten

Mit Beginn der neuen Rechteperiode ab der Saison 2021/22 rechnet die DFL mit Einnahmen aus der nationalen Vermarktung in Höhe von 4,4 Milliarden Euro, zudem sollen pro Saison bis zu 250 Millionen Euro aus dem internationalen Markt in die Kassen fließen (via kicker). Das würde bedeuten, dass die Zweitligisten aus der internationalen Vermarktung 50 Millionen Euro pro Saison erhielten, sollte sich das Positionspapier durchsetzen.

"Bislang gibt es zwei Töpfe mit unterschiedlichen Verteilschlüsseln, die Schere geht daher immer weiter auseinander", lautet das Argument von Jan Lehmann, kaufmännischer Vorstand von Mainz 05. Lehmann spricht von einem "mehrheitsfähigen Papier", mindestens zehn Erst- und Zweitligisten würden dieses unterzeichnen. Doch schafft es auch mehr Gerechtigkeit?


Bayer-Boss Carro: "Völlig indiskutables Szenario"


Gegenwind erhalten die Initiatoren unter anderem aus Leverkusen: "Es ist Kompromiss genug, wenn wir der zweiten Liga 20 Prozent der nationalen TV-Einnahmen überlassen, nicht zu vergessen die Solidaritätsgelder aus den europäischen Wettbewerben, die direkt an die Zweitligisten weitergereicht werden", sagte Bayer-Geschäftsführer Fernando Carro gegenüber Sport Bild. "Wenn die zweite Liga jetzt auch an den internationalen TV-Topf möchte, geht mir das zu weit."

Der 56-Jährige ist nicht der Meinung, dass Vereine aus der 2. Bundesliga über die Verteilung der TV-Einnahmen bestimmen sollten: "Wenn am Ende mehrheitlich die Vereine der zweiten Liga entscheiden, welche Fernsehgelder die Vereine der ersten Liga bekommen, ist das ein völlig indiskutables Szenario. Das kann zu einer Spaltung der ersten und zweiten Liga führen." Außerdem dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass die Zweitligisten in Deutschland mehr Einnahmen erhielten als die zweiten Ligen der europäischen Konkurrenz.


"Das kann zu einer Spaltung der ersten und zweiten Liga führen" Fernando Carro

Darüber hinaus werde die Umverteilung der TV-Gelder aufgrund der Corona-Krise zu einem ungünstigen Zeitpunkt diskutiert: "Wir alle bekommen gerade schon weniger. Warum sollen jetzt diejenigen, die gut gearbeitet haben, weniger kriegen, damit andere, die möglicherweise schlechter gewirtschaftet haben, mehr bekommen?" Laut Carro sollten sich stattdessen die 2. Bundesliga und die 3. Liga, die jedoch dem DFB und nicht der DFL unterliegt, "gemeinsam unter der Bundesliga organisieren. Dann bekommen sie weiterhin 20 Prozent und können das Geld verteilen, wie sie es für richtig halten."


Spannung in der Meisterschaft? "Man müsste den Bayern ganz viel abnehmen"


Es sei "nicht die Zeit für eine Revolution, es geht um verträgliche Anpassungen", so Carro, dessen Ansicht nach keine Vertreter der 2. Bundesliga darüber diskutieren sollten, wie der Meisterkampf in der Bundesliga wieder spannender werden könnte: "Wer in der zweiten Liga spielt, hat mit der Dominanz von Bayern München nichts zu tun", so der Spanier. "Wenn es wirklich alleine darum ginge, müsste man den Bayern ganz viel abnehmen und das Geld dem Zweiten, Dritten, Vierten und Fünften geben, damit die rankommen – und nicht den Zweitligisten."