Für Werder Bremen spitzt sich die Lage immer weiter zu. Die Mannschaft von Florian Kohfeldt hat nach der 1:4-Klatsche gegen Bayer Leverkusen weiterhin fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, die Aussicht auf einen plötzlichen Turnaround ist mit Blick auf das Restprogramm kaum zu erwarten. Ex-Profi Mario Basler geht im Gespräch mit Sport1 hart mit den Spielern ins Gericht und fordert eine härtere Gangart von Kohfeldt.


Nach der starken Saison 2018/19 wollte Werder eigentlich um Europa spielen - stattdessen befindet sich die Mannschaft im akuten Abstiegskampf. Mit nur 18 Punkten belegen die Bremer Rang 17. Der direkte Klassenerhalt ist bei neun Punkten Rückstand auf den FSV Mainz kaum noch realistisch, der Relegationsplatz rückt ebenfalls in immer weitere Ferne.

Seit dem zehnten Spieltag hat Bremen nur acht Punkte gesammelt, das 1:4 gegen Leverkusen war die nächste bittere Pleite, bei der die Defensive mit teils katastrophalen Fehlern wieder einmal ein schlechtes Bild abgegeben hat. Mit 59 Gegentoren stellt Werder die schlechteste Abwehr der Bundesliga, die Tordifferenz von -31 spricht Bände.


Basler: Werder "nicht Bundesliga-tauglich"


Mario Basler geht mit den Werder-Profis hart ins Gericht: "Die Spieler haben einfach nicht die Qualität und sind eben nicht Bundesliga-tauglich", sagte der Ex-Bremer im Gespräch mit Sport1. Allen voran für die vielen Gegentore nach Standardsituationen hat Basler kein Verständnis: "Wenn man das Spiel gegen Leverkusen natürlich sieht, was für Gegentore sie bekommen aus einem harmlosen Freistoß, in so einem Fall kann auch der Trainer draußen machen, was er will. Das war amateurhaft, was da abgeliefert wurde. Gegentore ohne Gegenwehr, ohne alles."


Am Samstag gastiert Werder beim SC Freiburg. Basler spricht von einem "wegweisenden" Spiel. "Wenn man in Freiburg verliert", mutmaßt der 51-Jährige, "ist die Mannschaft nicht mehr zu retten." Auch ein direkter Abstieg sei aufgrund der darauffolgenden Spiele gegen Borussia Mönchengladbach und Schalke 04 nicht ausgeschlossen.


Kohfeldt nimmt Werder-Profis in Schutz - Vogt legt den Finger in die Wunde


Umso mehr nimmt er Florian Kohfeldt in die Pflicht. Der Trainer müsse seinen Spielern "jetzt mal in den Arsch treten. Ich kann es nicht verstehen, wenn man seine Spieler nach so einer Leistung wie gegen Leverkusen schützt", so Basler.

Stattdessen flüchtete sich Kohfeldt in Durchhalteparolen: "Wenn wir das Vertrauen in unser Spiel behalten, wird der Knoten auch platzen. Wenn wir jetzt aber alles in Frage stellen, wird es nicht gehen", sagte der Trainer am Montagabend (via Deichstube). Trotz der klaren Niederlage gegen die Werkself sehe er keinen Grund, "auf meine Mannschaft einzudreschen".


Während Florian Kohfeldt seine Spieler in Schutz nimmt, findet Kevin Vogt (Foto) klare Worte

Abwehrspieler Kevin Vogt, der bis Saisonende von der TSG Hoffenheim ausgeliehen ist, fand dagegen klare Worte (via BILD): "Wir müssen noch ekliger werden und uns mehr aufbäumen. Wir haben nicht eklig genug gespielt. Da muss schnell der Schalter umgelegt werden, so viele Spiele gibt es nicht mehr." Die Mannschaft müsse sich "gegenseitig hochpushen und motivieren", ohne Mut könne man gegen einen Gegner wie Leverkusen "nicht bestehen".

Kohfeldt wird von Vogt explizit in Schutz genommen: "Ich halte ihn für einen sehr, sehr guten Trainer." Trotz der ausbleibenden Resultate sehe er "keinen Bedarf, sich da irgendwie anders aufzustellen. Er passt sehr gut zur Mannschaft, erreicht die Mannschaft auch", so Vogt.


Basler: Werder droht Untergang wie Kaiserslautern


Auch Basler ist grundsätzlich von Kohfeldt überzeugt. Der 37-Jährige sei "ein hervorragender Trainer" und passe "hervorragend zu Werder Bremen", könne in der aktuellen Situation jedoch keine Wunder bewirken: "Aus einem Ackergaul kann man eben kein Rennpferd machen", so Basler.

Ob Kohfeldt im Abstiegsfall der richtige Trainer für den Wiederaufbau ist, wollte er derweil nicht beantworten. Dies müsse "der Verein klären". Wichtig sei, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um so schnell wie möglich in die Bundesliga zurückzukehren. "Wenn man nicht schnell wieder hoch kommt, kann man hier sonst ein zweites Kaiserslautern erleben. Man muss im darauffolgenden Jahr gleich wieder aufsteigen. Ansonsten wird Werder Bremen große Probleme bekommen."