Für den diplomatischen Dienst haben sie ihn ja nicht eingestellt beim FC Barcelona. Und so schert sich Barças neuer Chefcoach Ronald Koeman auch nicht um romantische Gefühle eines nicht unbedeutenden Sektors der Fangemeinde, für den die cantera (der Nachwuchs) alles ist. Zu spüren bekommt das gerade Riqui Puig.


Der 21-jährige gebürtige Katalane gehört zu den vielversprechendsten Talenten beim FC Barcelona. Doch diesen diffusen Lobeshymnen, die bei solcher Art Personalien mitunter auch dem verklärenden Blick durch die Vereinsbrille geschuldet sind, steht das scharfkonturierte Urteil des Holländers gegenüber: 'In mein System passt er nicht.' Und genau so hat es der neue Boss an der Seitenlinie seinem Schützling auch mitgeteilt. So zumindest berichtet es die Mundo Deportivo unter Berufung auf den Radiosender RAC1.


Hat unter seinem neuen Chef nicht mehr viel zu lachen: Riqui Puig

Das Datum ist dabei - zufälligerweise - recht symbolisch gewählt. Ausgerechnet vor dem traditionellen jährlichen Aufgalopp des Klubs vor seinen eigenen Anhängern (der FC Barcelona steigt erst ab dem 3. Spieltag in das Liga-Geschehen ein), dem Trofeo Joan Gamper, musste Riqui Puig die bittere Pille der Erkenntnis aus der Hand seines Vorgesetzten schlucken.


Koeman verweist auf sein System


Auf sein bevorzugtes System soll Koeman dabei verwiesen haben, ein 4-2-3-1, und darauf, dass er in diesem auf Spieler zurückgreife, an denen Puig nicht vorbeikomme. Weder an Frenkie de Jong, noch an Sergio Busquets, und erst recht nicht am 60-Millionen-Mann Miralem Pjanic. Selbst ein Carles Aleñá, nur gut eineinhalb Jahre älter, genießt mehr Kredit als Puig. Da dieser in den Augen Koemans auch kein offensiver Mittelfeldspieler ist, sieht er für den Nachwuchskicker keine Position, auf der er ihn einsetzen könnte.


Und zwar nicht nur für den Gamper-Pokal (der heute Abend um 19.00 Uhr gegen den Aufsteiger FC Elche ausgetragen wird), sondern auch für die langfristige Zukunft. Koeman soll deshalb Puig in der Unterredung nahegelegt haben, sich in den verbleibenden zwei Wochen bis zur Schließung des Transferfensters (am 5. Oktober) einen neuen Klub zu suchen.


Natürlich ist es Koemans gutes Recht, und auch sein (gut bezahlter) Job, Spieler zu bewerten und sie, entsprechend dieser Bewertung, entweder als brauchbar oder nicht für sein System zu klassifizieren. Die Unbrauchbaren werden dann aussortiert und können sich anderswo beweisen. Das ist der normale Lauf der Dinge. Und im Fußball ist ja bekanntlich auch nichts von ewiger Dauer. Schon andere illustre Namen haben die schützenden Mauern von La Masia verlassen, um sich außerhalb von Can Barça zu beweisen. Und nicht wenige von ihnen haben später auch wieder den Weg zurück gefunden. Riqui Puig könnte der nächste in dieser Reihe sein.


Koeman will Stärke zeigen - nach Aufdeckung seiner "Schwäche"


Gleichzeitig will Ronald Koeman natürlich auch Autorität ausstrahlen. Ein General, der den Respekt seiner Soldaten verloren hat, wird kaum noch Schlachten gewinnen. Und diese Autorität des Neu-Coaches litt schon bald nach seiner Ankunft im Zuge des Messi-Dramas. Tatenlos musste er zusehen, wie sogar sein eigener Präsident anbot, den Stuhl zu räumen, wenn denn dadurch nur der Superstar besänftigt würde. Koeman muss zu diesem Zeitpunkt klar gewesen sein: in dieser Barça-Kabine kann es nur eine Doppelherrschaft geben. Oder eine geteilte. Wie immer man es nennen will.


Jedenfalls wird Messi bis zum Sommer nächsten Jahres in allen wichtigen Dingen ein Wörtchen mitreden. Und wie schnell dem Trainer das auf die Füße fallen kann, konnte man in der dem Messi-Drama folgenden kleineren Aufführung rund um Luis Suárez mitverfolgen. Dem Uruguayer hatte Koeman eigentlich relativ klar zu verstehen gegeben, nicht auf ihn zu zählen. Problem: Messi und Suárez sind ganz dicke miteinander. Und wenn es Messi nicht gefällt, seinen langjährigen Partner in der Offensive zu verlieren - dann gibt er diese Meinung auch kund. Und es sich mit Messi zu verscherzen, kann sich auch die holländische Klublegende nicht leisten. Also stehen die Ampeln in dieser Angelegenheit auf Grün. Und zwar für Luis Suárez, der jetzt offenbar doch im Klub bleibt.


Und wenn man gerade sein Revier markieren will, und sich an die ganz großen Rivalen (noch) nicht rantraut, nimmt man halt einen schwächeren, der aber emotional ebenfalls eine wichtige Rolle in den Herzen der Fans einnimmt. Wie Riqui Puig.


Der dürfte sich also bald auf die Suche nach einem neuen Klub machen. Und dem Auf und Ab der letzten zwei Jahre einen dicken Schlussstrich verpassen. Unter Ernesto Valverde, der 2017 die Geschicke der Mannschaft übernahm, war Riqui Puig so gut wie unsichtbar. Der Baske hielt ganz offenbar wenig von dem schmächtigen Mittelfeldspieler. Mit der Entlassung Valverdes und der Ankunft von Quique Setién änderte sich das schlagartig. Unter dem Kantabrier kam Puig auf insgesamt zwölf Einsätze (elf in der Liga, einer im Pokal), doch dass Setién nicht über das Saisonende hinaus bleiben würde, war auch schnell klar. Mit der Ankunft von Ronald Koeman jedenfalls scheint die Ära von Riqui Puig bei seinem FC Barcelona (wo er seit dem 14. Lebensjahr spielt) vorerst beendet.