Lange ist das Transferfenster nicht mehr geöffnet. Ab dem fünften Oktober haben die Bundesligisten vorerst nicht mehr die Möglichkeit, den Kader zu verstärken. Die Verantwortlichen beim FC Bayern stehen in diesen Tagen umso mehr unter Druck. Es bleibt wenig Zeit, doch die Baustellen sind groß. Auf drei Positionen sollte noch ein Neuzugang kommen.


Er betonte es in den vergangenen Wochen immer wieder, und tat es auch nach dem Supercup-Triumph gegen den FC Sevilla: Hansi Flick fordert Neuzugänge. Der Cheftrainer hofft darauf, dass die Sportliche Leitung seine Wünsche erfüllt, denn nicht zuletzt die Partie gegen die Andalusier hat noch einmal aufgezeigt, dass der Kader in der Offensive dünn besetzt ist.


Es muss ein vierter Flügelspieler her


Immerhin wird Kingsley Coman zeitnah wieder zurückkehren, die Quarantäne des Flügelspielers neigt sich dem Ende zu. Er allein wird die Probleme aber nicht lösen können. Denn obwohl das Außenbahn-Trio um Coman, Serge Gnabry und Leroy Sané bald wieder komplett sein wird, braucht es nur einen Ausfall, um das Gebilde ins Wanken zu bringen. Mit nur zwei nominellen Flügelspielern in zwei aufeinanderfolgende englische Wochen zu gehen, ist ein großes Risiko. Und genau das ist das Problem: Wegen des eng getakteten Spielplans sind englische Wochen für die Bayern vorprogrammiert.


Trotz der bevorstehenden Rückkehr von Kingsley Coman hat der FC Bayern ein Problem auf den Flügeln

Flicks Wunsch nach einem vierten Flügelspieler ist verständlich. Die Verantwortlichen verweisen dahingehend zwar auf die vielen Nachwuchstalente, aber: So talentiert ein Jamal Musiala auch sein mag, wenn es in der Champions League hart auf hart kommt, kann ein 17-Jähriger nicht die große Hoffnung des FC Bayern sein.

Einen Spieler wie Ivan Perisic zu finden, der bewusst als Backup kommt und stets seine Leistung bringt, ist enorm schwierig - für die Bayern aber unverzichtbar. Daher sollte in jedem Fall noch ein Flügelspieler kommen.


Dünnes Mittelfeld: Spätestens wenn Martinez geht, braucht es einen Neuzugang


Doch auch damit ist noch nicht alles getan. Der Verlust von Thiago kann in der Spitze zwar kompensiert werden, weil Joshua Kimmich das Spiel nun mehr an sich reißt und mit langen Bällen hinter die letzte Abwehrlinie zahlreiche Angriffe initiiert, in der Breite aber wird der Spanier enorm fehlen. Außerdem dürfte die Personaldecke im Mittelfeld noch dünner werden, da Javi Martinez unmittelbar vor einer Rückkehr zu Athletic Bilbao stehen soll. Der 32-Jährige fehlte beim Fotoshooting mit Sponsor Paulaner, dass er beim Supercup überhaupt dabei war, gilt als Überraschung.


Der Supercup-Held: In einem seiner letzten Spiele für den FC Bayern köpft Javi Martinez die Münchner zum Sieg über den FC Sevilla

Ist auch Martinez nicht mehr an Bord, stehen nur noch Kimmich, Leon Goretzka, Corentin Tolisso, Mickael Cuisance und Adrian Fein zur Verfügung. Auch hier gilt: Für die Bundesliga mag insbesondere ein Cuisance reichen, doch für das extrem hohe Niveau in der entscheidenden Phase der Königsklasse ist diese Besetzung zu schwach. Es braucht einen weiteren Akteur, der spielerisch Thiago oder Kimmich ähnelt. Pass- und Ballsicherheit, Pressingresistenz, eine gute Übersicht und die Fähigkeit, das Spiel zu lenken und den Rhythmus zu gestalten, sollte an oberster Stelle stehen.


Dauerbaustelle Rechtsverteidigung: Wann kommt ein Backup für Pavard?


Gleichermaßen fehlt noch eine Alternative zu Benjamin Pavard auf der rechten Abwehrseite. Der Franzose ist auf sich allein gestellt, wird im Notfall von Kimmich vertreten - doch mit Blick auf den Spielplan und die zwingende Rotation, die es früher oder später geben muss, braucht es jemanden, der die Last von Pavards Schultern nimmt. Sergino Dest gilt wieder als heißer Kandidat, aufgrund der Bemühungen des FC Barcelona gestaltet sich der Transfer jedoch kompliziert. Wen die Münchner noch auf dem Zettel haben könnten, ist unklar. Jedoch ist Handlungsschnelligkeit gefordert; denn der Rechtsverteidiger-Posten ist nicht die einzige Baustelle, und es bleibt nur noch wenig Zeit.