Wenn man keine Probleme hat, macht man sich eben welche. So oder so ähnlich scheint die Einstellung der Klubverantwortlichen von Bayer 04 Leverkusen zu sein. Den Rheinländern drohen drei wichtige Offensivspieler wegzubrechen. Das Paradoxe: Leverkusen scheint nichts dagegen zu unternehmen.


Der Kader des Bundesligisten - allen voran die Offensivabteilung - liest sich prominent. Beispiele: Kai Havertz, Kevin Volland und Lucas Alario. Der Haken? Dieses Trio droht schon bald den Verein zu verlassen. Der Wechsel von Supertalent Havertz scheint da noch am vertretbarsten, schließlich sollte bekannt sein, dass dem 21-Jährigen eine große Karriere bevorsteht.


Anders sieht es bei Volland und Alario aus. Beide sind im besten Fußballalter, schon mindestens drei Jahre im Klub und haben ihr fußballerisches Können schon oft unter Beweis gestellt. Zusammen kommen sie auf 130 Torbeteiligungen für die Werkself! Sie sind ein wichtiger Bestandteil des Leverkusener Kaders. Umso fraglicher ist es daher, warum es sich die Werkself mit diesen fest integrierten Kaderbestandteilen langsam vergrault.


Die Zeichen bei Volland und Alario stehen auf Abschied


Volland, so hat es den Anschein, soll ein Jahr vor Vertragsende irgendwie noch zu Geld gemacht werden. Andererseits gab und gibt es Gerüchte um eine Vertragsverlängerung, doch so richtig heiß sollen diese Gespräche noch nicht gewesen sein. Inzwischen steht aber mit der AS Monaco ein namhafter (und zahlungskräftiger) Interessent vor der Tür. Der Abgang nimmt Konturen an.


Bei Alario ist die Sache offensichtlicher, Leverkusens Handeln allerdings ominös. Der Argentinier möchte laut kicker wechseln, um seine Chancen bei der Nationalmannschaft nicht zu verlieren. In der Vergangenheit rückte der Stürmer bei der Werkself mehr und mehr ins Abseits. Leverkusen soll laut Aussagen von Alarios Berater Pedro Aldave einem Wechsel grundsätzlich zustimmen - allerdings nur auf Leihbasis, wie Aldave gegenpber TNT Sports (via kicker) verrät.


Unterm Strich: Bayer hat drei Optionen für die Sturmspitze - und mit keinem wird so richtig mehr geplant. Doch was ist der Grund? Aus sportlichen Gesichtspunkten gibt es kaum Argumente für einen solchen Kahlschlag. Alterstechnisch besteht auch kein Handlungsbedarf. Und allen voran Volland ist bei Systemtrainer Peter Bosz sowieso immer und überall einsetzbar.


Leverkusens Transferstrategie undurchsichtig


Die sportliche Führung von Leverkusen zockt diesen Sommer. Ganz offensichtlich macht es keinem etwas aus, mal eben neben Havertz noch zwei weitere wichtige Personalien zu verlieren. Anders kann man sich dieses passive und abwartende Verhalten gegenüber Spieler und Öffentlichkeit nicht erklären.


Problem an der Sache: Die wegfallenden Optionen müssen irgendwie ja wieder ersetzt werden. Geld wäre im Falle des Havertz-Transfers zwar da, doch wann der Wechsel über die Bühne geht und damit das Geld verfügbar wär, bleibt (noch) abzuwarten. Und wer garantiert, dass die neuen Spieler auf Anhieb im Kader funktionieren?


Wie planen die Bayer-Verantwortlichen die Leverkusener Zukunft?

Im Endeffekt reißt sich Leverkusen durch dieses Verhalten Baustellen im Kader auf, die zum einen unnötig und zum anderen schwierig zu beseitigen sind. Was erhoffen sich die Verantwortlichen, innerhalb eines Sommers diese Planstelle(n) komplett umzukrempeln? Zumal durch die Covid19-Pandemie das aktuelle Transferfenster sowieso anders vonstatten läuft als in der Vergangenheit. Und letztendlich reden wir bei Volland und Alario um verdiente Spieler der Mannschaft. Weshalb die Werkself so unverblühmt lustlos mit diesen Personalien hantiert, wirft Fragen auf.


Es geht also um ein Problem, was es eigentlich gar nicht zu geben braucht. War es doch bisher der in der Regel sehr professionelle Umgang mit Vertragsfragen, welcher Leverkusen von vielen anderen Klubs unterschied. Das Ziel der aktuellen Entscheidungen erschließt mir nicht - ich hoffe nur, dass es dem Verein langfristig nicht schaden wird.