Beinahe im jährlichen Rhythmus präsentiert Real Madrid seinen Fans eine Verpflichtung der Extraklasse. Ob diese unter den Real-Fans liebgewonnene Tradition auch in diesem Corona-Sommer fortgeführt wird, steht in den Sternen. Eigentlich wollte der Klub auf dem Transfermarkt zurückhaltender als in den Vorjahren agieren. Doch in England halten sich hartnäckig Gerüchte, dass Real-Boss Florentino Pérez auch in diesem Jahr eine Transferbombe zünden wird. Und die könnte Raheem Sterling heißen.


Bombazo wird in Spanien ein solcher Transfer genannt. Bombazos wie sie Pérez schon bei seiner ersten Amtszeit den Fans jährlich kredenzt hat. Kein Spieler schien zu teuer, keine Verhandlung mit den gegnerischen Klubs zu schwierig, als dass sie Onkel Floren, wie er halb scherzhaft, halb ehrfürchtig genannt wird, nicht in Angriff genommen hätte.


Und so kamen ab den Nullerjahren dieses Jahrhunderts Spieler wie Figo (2000, 60 Millionen), Zidane (2001, 78 Millionen), Ronaldo (2002, 45 Millionen), Beckham (2003, 38 Millionen), Kaká (2009, 67 Millionen), Cristiano Ronaldo (2009, 94 Millionen), Bale (2013, 101 Millionen), James (2014, 75 Millionen), Jovic (2019, 60 Millionen) oder Hazard (2019, 115 Millionen) ins Bernabéu-Stadion und verzückten, mehr oder weniger, ihre neuen Fans.


Coronakrise zwingt zum wirtschaftlichen Umdenken


Doch das war alles vor Corona. Nun, da die Pandemie und vor allem der ihr folgende Lockdown manche Klubs an den Rand des Ruins getrieben hat, wollen, müssen die Klubs vorsichtiger mit ihren finanziellen Mitteln haushalten. Das gilt selbst für ein Real Madrid. Zudem kommt auch die moralische Komponente: auch wenn man sich gewisse Spieler weiterhin problemlos leisten könnte - welches Bild gibt ein Klub in diesen Zeiten ab, wenn er einerseits nach Hilfe ruft (ob beim Staat bezüglich des Themas Kurzarbeit, ob beim Fan bezüglich der Rückzahlungen der schon verkauften Tickets) und bei erstbester Gelegenheit doch wieder Abermillionen für neue Stars raushaut? Kein kohärentes, auf jeden Fall.


Adidas will Sterling in weiß gekleidet sehen


Und so sind bestimmte Berichte der englischen Times, bei aller unzweifelhaften Seriosität, die diesem Prestigeblatt seit Jahrzehnten innewohnt, weiterhin mit Vorsicht zu genießen. Das englische Tageblatt will in Erfahrung gebracht haben, dass Real-Ausrüster Adidas in den kommenden Tagen einen individuellen Ausrüstervertrag mit Raheem Sterling abschließen wird. Der 25-jährige Stürmer von Manchester City hat noch einen Vertrag mit Nike, der am 31. Juli endet.


Zehn Millionen Euro jährlich will der deutsche Sportbekleidungshersteller an Sterling zahlen, um ein weiteres prominentes Gesicht in seinem Portfolio präsentieren zu können. Doch dabei soll es nicht bleiben. Die Times berichtet ferner, dass dies nur der erste Schritt sein soll. Weitere sollen dahingehend gemacht werden, dass man Manchester City (und den Spieler natürlich) davon überzeugt, einem Wechsel zu Real Madrid zuzustimmen. Doch ob der Wille (zuzüglich einiger Millionen Euro) eines Sportausrüsters ausreicht, um zwei Schwergewichte an den Verhandlungstisch zu bringen, bleibt zweifelhaft.


Sterling würde einen dreistelligen Millionenbetrag kosten


Von Real-Seite aus gibt es in diesem vergangene Woche gestarteten Transfersommer bislang noch keine großartigen Ankündigungen. Somit gilt erst einmal weiterhin, was der Klub bereits mehrere Male in diesem Sommer verkündet hat: man wolle und man könne in diesem Jahr keine Verrücktheiten machen. Ein dreistelliger Betrag für Sterling (Marktwert: 128 Millionen Euro, laut transfermarkt.de) wäre in diesem Sommer eine solche Verrücktheit.


Doch andererseits wäre das Fußballgeschäft nicht das Fußballgeschäft, und Real nicht Real, wenn nicht doch noch von irgendwo her eine Verrücktheit käme. Vielleicht bedarf es nur noch des Anstoßes eines kleinen Steines, um die international angekündigte und selbstauferlegte Austerität der Klubs wie Dominosteine fallen zu lassen. Sterling könnte dann tatsächlich nur der Beginn eines neuerlichen Sommertransfer-Wahnsinns werden.


Direktes Duell in der Königsklasse wartet


Gelegenheit, Gespräche aufzunehmen, bietet sich den involvierten Klubs schon in gut zwei Wochen. Am 7. August treffen sie im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League im Etihad-Stadium aufeinander. Real muss dort ein 1:2 aus dem Hinspiel wettmachen.