Wie kann die ​Bundesliga das Infektionsrisiko für Spieler, Vereinsmitarbeiter und Außenstehende reduzieren, sobald der Ball wieder rollen darf? Diese Frage stellt sich - auch mit Blick auf mögliche Fan-Ansammlungen in den heimischen Wohnzimmern. Uli Hoeneß unterstützt im Gespräch mit dem kicker einen Vorschlag von Willi Lemke. Darüber hinaus lobt er die Bundesregierung für ihr Krisenmanagement.


Im Interview mit BILD sprach sich Lemke für eine Übertragung der Bundesligakonferenz im Free-TV aus: "Das wäre eine großartige Geste. [...] Das hätte den unglaublich wichtigen Effekt, dass der Run auf die Wohnzimmer mit Sky-Ausstattung unterbleiben würde. Und die Leute würden vielleicht nicht zu den Stadien gehen und sich dort infizieren", sagte der einstige Manager von ​Werder Bremen.


Laut Lemke solle "allen voran Sky" mit den öffentlich-rechtlichen ​Sendern über eine freie Übertragung der Konferenz sowie des Topspiels reden. In BILD am Sonntag erklärte ARD-Sportchef Axel Balkausky grundsätzliche Bereitschaft zu Gesprächen mit den zuständigen Parteien (zitiert via ​Sportbuzzer): "Wenn es einen Gesprächswunsch geben sollte von Sky, DAZN und der DFL, kann man mit uns jederzeit über Ideen reden."


Hoeneß: "Ansteckungsgefahr würde gemindert"


Auch Uli Hoeneß würde sich über die Bundesliga im Free-TV freuen: "Ich finde diese Idee von Willi Lemke sehr gut, weil damit die Versorgung noch flächendeckender erfolgen könnte", sagte der ehemalige Präsident des ​FC Bayern dem kicker. Alternativ könne Sky die Konferenz unverschlüsselt austragen. Schon vor der Wettbewerbsunterbrechung bot der Pay-TV-Sender die Konferenzen der Spieltage 26 und 27 auf dem frei empfangbaren Sender Sky Sport News HD an.

Borussia Moenchengladbach v 1. FC Koeln - Bundesliga

Die Übertragung der Bundesliga im Free-TV soll Fan-Ansammlungen verhindern


"Die Ansteckungsgefahr mit dem Virus würde damit gemindert", glaubt Hoeneß, der im Falle einer Übertragung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine Entschädigung an die Rechteinhaber fordert. Es könne "nicht sein, dass Sky viel Geld für die Rechte ausgibt und ARD und ZDF zu Trittbrettfahrern werden. Wenn die Öffentlich-Rechtlichen ihrem Staatsauftrag gerecht werden und die Bürgerinnen und Bürger tatsächlich für ihre Gebühren entsprechend unterhalten wollen, müssen sie sich an einer breiteren Übertragung des Fußballs in dieser Ausnahmesituation beteiligen und Sky entsprechend entschädigen."


Lob für DFL und Politik


Die DFL will den Spielbetrieb in der ersten und zweiten Bundesliga im Mai wiederaufnehmen. Die übrigen Spieltage sollen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden. "Grundsätzlich halte ich Geisterspiele für fragwürdig", sagt Hoeneß, jedoch seien diese aufgrund der drohenden finanziellen Schäden für einige Klubs "lebensnotwendig und bedingungslos". 


Zur Liquiditätssicherung stellt ein Großteil der Rechteinhaber die Gelder der vierten TV-Rate unter Vorbehalt zur Verfügung. Falls der Spielbetrieb nicht fortgeführt werden kann, sollen Rückzahlungen veranlasst werden. "Bei der DFL wird in dieser Krisensituation sehr gut gearbeitet, wie gerade die Verhandlungen mit Sky zeigen", lobt Hoeneß die von DFL-Boss Christian Seifert verkündete Übergangslösung.


Der 68-Jährige lobt darüber hinaus die Regierung für "einen sensationellen Job". Mit der "zurückhaltenden Politik" von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Olaf Scholz, Gesundheitsminister Jens Spahn und dem bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder könne er sich "total identifizieren". Vorschnellen Lockerungen der getroffenen Maßnahmen blickt er kritisch entgegen: "Es kann nicht sein, dass für eine oder zwei Wochen mehr Spaß auch nur ein einziger Mensch mehr stirbt. Das kann keiner von uns verantworten."