Wäre die Corona-Krise nie ausgebrochen, würden sich die Verantwortlichen von ​Borussia Dortmund in diesen Tagen auf das Meisterschaftsrennen und die Kaderplanung für die neue Saison konzentrieren. Daran ist aber nicht zu denken: In der Sky-Sendung "Wontorra - Allein zu Hause" erklärte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, dass derzeit keine Gespräche über die Zukunft einzelner Spieler geführt werden. Jedoch herrscht bei Mario Götze und André Schürrle Redebedarf.


Die BVB-Verantwortlichen haben einige knifflige Personalfragen zu klären. Während der Vertrag von Mario Götze ausläuft, wird André Schürrle von Spartak Moskau zurückkehren, die Zukunft von Ömer Toprak hängt indes damit zusammen, ob Werder Bremen den Klassenerhalt schafft - dabei ist völlig unklar, ob die Saison überhaupt fortgesetzt werden kann.


Ausdauer ist auf den Geschäftsstellen der Bundesligisten gefragt. Laut Bayerns Ministerpräsident Markus Söder dürfe man nach der Ministerkonferenz am kommenden Donnerstag keine großen Entscheidungen erwarten, DFL und Klubs dürften erst später erfahren, ob sie grünes Licht für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs erhalten. "Wir können nur ein Angebot machen, haben in den vergangenen Wochen viele Gespräche geführt. Die Politik muss jetzt die Entscheidung treffen", weiß auch Watzke, der betont, dass die ​Bundesliga "nicht mal im Ansatz eine Sonderrolle" einnehmen wolle: "Unsere Spieler haben einem Gehaltsverzicht zugestimmt, damit unsere anderen Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit gehen müssen. Wir wollen aber auch nicht benachteiligt werden."


Watzke kündigt Gespräche mit Götze und Schürrle an


Irgendwie und irgendwann müssen und wollen die Klubs wieder zur Tagesordnung zurückkehren. Solange das Sportliche nicht im Vordergrund steht, könnte also die Arbeit hinter den Kulissen erledigt werden. Die finanzielle Ungewissheit stellt jedoch eine große Hürde dar. 


"Momentan liegt alles auf Eis", erklärt Watzke angesprochen auf die Zukunft von Mario Götze, dessen Vertrag im Sommer endet. Der Weltmeister von 2014 wird den BVB aller Voraussicht ein zweites Mal verlassen, diesmal wohl endgültig. Das letzte Wort sei aber noch nicht gesprochen: "Es wird auch irgendwann wieder das Gespräch aufgenommen werden mit Mario, das ist klar", so Watzke.

Mario Goetze,Andre Schuerrle

Mario Götze und André Schürrle: Ein Duo auf dem Abstellgleis


Auch André Schürrle hat keine gesicherte Zukunft. Zweimal wurde der Flügelspieler verliehen, nach dem FC Fulham sieht auch Spartak Moskau von einer festen Verpflichtung ab. Schürrle wird formal nach Dortmund zurückkehren, angeblich wolle er seinen ​bis 2021 gültigen Vertrag erfüllen. "Ich denke aber, dass beide Seiten wissen, dass es keine einfache Geschichte werden könnte", sagt Watzke. Auch mit Schürrle gebe es noch einiges zu bereden, in die Gespräche ist der Geschäftsführer aber nicht involviert: "Das ist die Aufgabe von Michael Zorc und Sebastian Kehl."


Topraks Zukunft liegt an Werder


Unter Umständen wird auch Ömer Toprak ins Ruhrgebiet zurückkehren. Der Innenverteidiger wurde entgegen einer Leihgebühr über 2,5 Millionen Euro an Werder Bremen verliehen, gelingt der Mannschaft von Florian Kohfeldt der Klassenerhalt, gehen laut Weser-Kurier weitere vier Millionen Euro an den BVB. Allerdings belegt Werder den 17. Tabellenplatz, darüber hinaus sind die finanziell angeschlagenen Bremer schwer ​von der Krise getroffen

Oemer Toprak

Kann sich Werder Bremen Ömer Toprak leisten?


Ist die Verpflichtung von Toprak realistisch? "Der erste Schritt wäre, dass Werder Bremen die Klasse hält. Es wäre eine Tragödie, wenn sie absteigen", sagt Watzke. Schritt für Schritt soll abgewartet werden, wie und ob der vereinbarte Transfer zustandekommt: "Wenn es dann soweit kommt, sprechen wir."


Watzke: "Ein bisschen Demut tut ganz gut"


Nur: Was wird denn unabhängig davon, ob die Saison beendet werden kann oder nicht, passieren? Welche Lehre nehmen Verbände und Vereine aus dieser existenziellen Krise mit? Jährlich werden millionenhohe Umsätze und Gewinne bekanntgegeben, und doch können die so reich geglaubten Vereine kaum überleben, wenn nicht gespielt werden kann. "Wir müssen uns selbstkritisch überprüfen", mahnt Watzke, "jeder weiß, dass die Gehälter und Ablösesummen zu hoch sind. Man muss auch den Spielern mal wieder klarmachen, was sie für einen privilegierten Beruf haben. Ein bisschen Demut tut ganz gut." 


Er sieht vor allem dann eine Gefahr, wenn die Bundesliga tatsächlich vor dem Ruin steht: "Wenn es Insolvenzen gibt, dann kommen auch die sogenannten weißen Ritter, die Geld geben und dann fordern, dass 50+1 fallen muss. Dann wird alles kommen, was wir bislang vor allem im Ausland kritisieren: Die Eintrittspreise werden immer höher und es wird immer weitere Exzesse geben." Man müsse irreversible Entwicklungen vermeiden - denn sonst verändert sich der Fußball womöglich noch stärker ins Negative.