Am 25. April 2012 begegneten sich Real Madrid und der ​FC Bayern in einem packenden Champions-League-Halbfinale. Im Rückspiel, das im Estadio Santiago Bernabeu ausgetragen wurde, machten die Münchner im Elfmeterschießen den Finaleinzug perfekt. 


In einem europäischen Endspiel standen sich Real und Bayern noch nie gegenüber, es war also zu erwarten, dass beide Giganten im Halbfinale aufeinandertreffen würden. Im Hinspiel feierte der deutsche Rekordmeister einen knappen 2:1-Erfolg, weil Mario Gomez den Ball in der 90. Minute nach einem Zuspiel von Philipp Lahm irgendwie über die Linie stolperte. Auch das Rückspiel sollte ein Krimi werden.


Die 'Bestia Negra' war damals gefürchteter als heute, denn seit 2014 konnte sich der FC Bayern in keiner einzigen K.o.-Serie gegen Real durchsetzen. 2012 war die Angst vor dem Gegner aus der bayrischen Landeshauptstadt aber noch so groß, dass selbst die spanische Tageszeitung Marca in die Trickkiste griff: "90 Minuten im Bernabeu können sehr lang sein", titelte das Blatt. Bayern-Trainer Jupp Heynckes, der 1998 mit Real die Champions League gewann, nahm diese Spitze mit Humor: "Auch für Real Madrid können 90 Minuten sehr lang werden", konterte er vor dem Spiel (via BILD).


Auch José Mourinho übte sich an Psychospielchen. The Special One, der um seine Zukunft bei Real kämpfte, prophezeite ein "Spiel wie auf einer Einbahnstraße. Die Offensivkraft von Madrid ist so groß, dass Bayern keine Chance hat" (via Focus). Wie angekündigt begann seine Mannschaft druckvoll, bereits nach 14 Minuten standen die Madrilenen rechnerisch im Finale. Nach einem unglücklichen Handspiel von David Alaba im eigenen Strafraum erzielte Cristiano Ronaldo in der 6. Minute per Elfmeter das 1:0, kurz darauf legte der Portugiese nach. 

Real Madrid's Portuguese forward Cristia

"In den ersten 15 Minuten hatten wir große Schwierigkeiten", gestand Heynckes (via fcbayern.com) - mit der Zeit fand seine Mannschaft aber immer besser in die Partie, weil Real zu passiv wurde. Die Belohnung folgte in Minute 27: Nach einem Foul von Pepe an Gomez im Madrider Strafraum verwandelte Arjen Robben den fälligen Elfmeter gegen Iker Casillas zum 2:1. Die Bayern dominierten weiterhin, Robben scheiterte kurz vor der Halbzeitpause allerdings an Casillas, der einen abgefälschten Freistoß des Niederländers stark parierte.


Entscheidung im Elfmeterschießen 


Nach dem Seitenwechsel tasteten sich beide Mannschaften ab, vermieden bis zum Schlusspfiff jegliches Risiko. Chancen ergaben sich nur wenige, Gomez vergab in der 86. Minute nach Zuspiel von Alaba die Chance auf den Ausgleich. Weil auch in der Verlängerung kein Sieger gefunden wurde, musste das Elfmeterschießen her.


Die Münchner begannen, Alaba verwandelte sicher. Daraufhin folgte die Glanzstunde von Manuel Neuer: Erst parierte der Torhüter gegen Ronaldo, nach dem zweiten verwandelten Elfmeter der Bayern durch Gomez blieb er auch gegen Kaka standhaft. Doch weil Toni Kroos und Philipp Lahm an Casillas scheiterten und Xabi Alonso als dritter Schütze den ersten Strafstoß für Real verwandelte, hatte Sergio Ramos die Chance zum Ausgleich. Der Innenverteidiger donnerte den Ball allerdings über die Latte.

Die Entscheidung lag in den Händen von Bastian Schweinsteiger. Anders als Kroos und Gomez behielt er seine Nerven, verwandelte den Ball zum entscheidenden 3:1 und feierte gemeinsam mit den Mannschaftskollegen vor dem Gästeblock. "Auf dem Weg zum Punkt hatte ich kurz meine Eier verloren", sagte er nach der Partie, "aber ich habe sie rechtzeitig wiedergefunden" (via ​tz).


Dramatisches Finale Dahoam


Die Bayern erreichten das Finale und hatten als erste Mannschaft die Chance, die Champions League im eigenen Stadion zu gewinnen. "Es war nicht unsere Schuld", klagte Mourinho, der das Elfmeterschießen auf den Knien verfolgte, "wenn wir am Samstag nicht in Barcelona hätten spielen müssen, wären wir frischer gewesen" (via Welt). Die Madrilenen schieden ebenso aus wie Erzrivale Barça, der am FC Chelsea scheiterte. In einem dramatischen Endspiel in der Allianz Arena waren es schlussendlich auch die Blues, die den Henkelpott gewannen. Im Elfmeterschießen hatte der FC Bayern das Nachsehen - diesmal war Schweinsteiger der tragische Held, der den entscheidenden Strafstoß vergab.