​Die Saison in der niederländischen Eredivisie ist abgebrochen. Am Freitag verkündete der Verband die Entscheidungen zu Meisterschaft, Europapokal-Teilnahme sowie Auf- und Abstieg. Während alles in Sachen Europapokal zwar hart, aber nachvollziehbar ist, ist die Entscheidung in Sachen Auf- und Abstieg katastrophal.


Es wird keinen Meister geben in der ​Eredivisie. Das ist für den AZ Alkmaar, der eine Ausnahmesaison spielt, zwar bitter, aber verständlich. Schließlich sind ​Ajax Amsterdam und Alkmaar punktgleich. Ebenso die Entscheidungen für die Teilnahmen an der Champions League und Europa League nach der aktuellen Tabelle: Ajax auf eins und Alkmaar mit der schlechteren Tordifferenz dahinter gehen in die Champions-League-Qualifikation, die Plätze drei bis fünf in verschiedene Runden der Europa League.


Normalerweise spielen die Ränge vier bis sieben in Play-offs einen Europa-League-Teilnehmer aus, ein weiterer kommt durch den Pokalsieger. Hier trifft es den FC Utrecht besonders hart: Mit einem Spiel weniger ist er sechster, mit einem Sieg wäre Utrecht fünfter und damit nach der getroffenen Regelung international dabei. Zudem steht der Klub im Pokalfinale, das entfällt.


Utrecht ist wütend, doch die Entscheidung ist nachvollziehbar


In Utrecht ist man deshalb natürlich sehr erbost. "Ich bin wirklich wütend", sagte Stürmer Adrian Dalmau der Marca (via VI). "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Das ist peinlich, verrückt, lächerlich. Dies ist äußerst unfair gegenüber dem FC Utrecht. Diese Entscheidung wurde ohne Richtlinien getroffen. Der Besitzer des FC Utrecht wird sich sehr um Anwälte bemühen. Das ist Ungerechtigkeit. Sie lassen uns nicht einmal das Pokalfinale spielen." Der Klub hat bereits rechtliche Schritte angekündigt.



Doch diese Entscheidung des KNVB ist grundsätzlich nachzuvollziehen. Denn an sich hat sich der Verband hier an die Regularien der UEFA gehalten, möglichst fair und transparent zu entscheiden. Selbst mit dem Errechnen des Punkteschnitts wäre Utrecht hinter dem fünften Willem II. "Der KNVB ist sich der unterschiedlichen Visionen und Interessen der Vereine bewusst und ist sich im Klaren, dass jede Option irgendwo schaden würde, egal welche Entscheidung getroffen werden musste", erklärte der KNVB auf seiner Homepage. Hier hat es eben den FC Utrecht hart getroffen.


Doch in Sachen Auf- und Abstieg hört das Verständnis für die Entscheidungen des KNVB komplett auf. Was hier entschieden wurde, ist fast schon skandalös. Denn es wird weder Auf- noch Absteiger geben. Mit Blick auf die Tabelle ist das eigentlich schon ein schlechter Witz: ADO Den Haag ist sieben, RKC Waalwijk sogar elf Punkte vom Relegationsplatz entfernt und darf in der Liga bleiben, während der SC Cambuur und De Graafschap in der zweiten Liga mit elf respektive sieben Zählern Vorsprung nicht aufsteigen dürfen.


Vereine stimmen umsonst ab


Vor allem geht es hier aber um die Entscheidungsfindung. Zunächst einmal schloss der KNVB die Möglichkeit aus, die Liga auf 20 Teams aufzustocken. Die daraus entstehenden zusätzlichen Termine im bereits überfüllten Kalender und die zusätzlich benötigten Ressourcen von Clubs, Kommunen und Polizei würden diese Variante ausschließen. Und so stimmten die Klubs lediglich darüber ab, ob es Auf- und Absteiger geben soll oder eben nicht. Letztendlich umsonst.


Denn auch wenn es nicht eindeutig war, stimmten mit 16 Vereinen die meisten für einen Auf- und Abstieg. Neun waren dagegen, neun enthielten sich. Letzten Endes entschied sich der KNVB für die Meinung der neun Gegenstimmen. Es gebe nun einmal keine UEFA-Richtlinie für diesen Fall und der Verband hält keinen Auf- und Abstieg für die beste Lösung. Egal, was die Vereine sagen. 


Marc Boele, Geschäftsführer der zweiten Niederländischen Liga, sprach gegenüber VI von einer falschen Entscheidungsfindung. Er habe fest mit dem Aufstieg Cambuurs und De Graafschap gerechnet und sei sehr verblüfft. Der SC Cambuur ist geschockt: "Der KNVB entscheidet sich bei der Zuteilung von Eintrittskarten für den europäischen Fußball für die Tabelle, jedoch nicht beim Aufstieg und Abstieg. Das kann man doch nicht erklären", sagte Geschäftsführer Ard de Graaf gegenüber VI, Trainer Henk de Jong sprach gar von der größten Schande des niederländischen Sports.


AZ Alkmaar U23 v SC Cambuur - Dutch Keuken Kampioen Divisie

Trotz elf Punkten Vorsprung wird der SC Cambuur nicht aufsteigen


Tatsächlich fällt eine Erklärung hier schwer. Cambuur und De Graafschap sind deutlich vorne, bei der Vergabe der internationalen Plätze wird die Tabelle als Maßstab genommen und die Mehrheit der Vereine spricht sich für einen Auf- und Abstieg aus und doch macht der KNVB hier das genaue Gegenteil. Es ist eine katastrophale, schon fast skandalöse Entscheidung - bei aller Schwierigkeit, die solch eine Entscheidung eben mit sich bringt. Es ist jedenfalls die denkbar schlechteste Lösung, die getroffen werden konnte.


Das Beispiel der Eredivisie verdeutlicht, dass man es nie allen recht machen kann, wenn die Saison abgebrochen wird. Doch in Sachen Auf- und Abstieg zeigt es auch, wie es definitiv nicht gemacht werden sollte. In Bezug auf Deutschland bleibt zu hoffen, dass die ​Bundesliga irgendwie beendet werden kann.