Spätestens seit den Memoiren eines Harald Schumacher ("Anpfiff") erwarten Fans, wenn einer ihrer Helden ein Buch über die Innenwelt des Profi-Fußballs auf den Markt bringt, knackige und vielleicht auch polemische Aussagen zu diesem oder jenem Spieler oder Trainer oder Verein. In diesem Sinne dürften die Anhänger von Reals polnischem Ex-Keeper ​Jerzy Dudek voll auf ihre Kosten kommen. Vor allem​ Lionel Messi und dessen früherer Trainer bekommen nämlich in seinem Buch ihr Fett weg.


Liegt es an der Dauerrivalität zwischen den Azulgrana und ihrem Widerpart aus der Landeshauptstadt? Oder einfach am Kalkül, dass das beste Verkaufsargument für ein derartiges Buch immer noch der polemische Rundumschlag gegen Ex-Kollegen, Ex-Gegenspieler usw. ist? 


Wie dem auch sei: In seinem jüngst veröffentlichten Werk ("Ein nicht königlicher Weg") teilt Dudek (via Mundo Deportivo), mittlerweile im fußballerischen Ruhestand, kräftig aus. Nennt einen Lionel Messi "falsch und provokativ" - wie übrigens auch dessen damaligen Trainer, Pep Guardiola. 


"Sie glaubten, sie wären ganz schlau, indem sie provozierten, und bisweilen taten sie dies auch in Perfektion." Dies habe Mourinho und die Seinen sehr verletzt. Und weiter: "Ich habe diesen Messi gesehen. Gegenüber Pepe und Ramos hat er Unflätigkeiten von sich gegeben, die man von diesem schüchternen und stillen Typen nicht für möglich gehalten hätte." 

Juan Martinez Munuera,Lionel Messi


Auch die Real-Legenden Raúl und CR7 bekommen von Dudek ihren Seitenhieb


Doch auch ein Ex-Mitspieler bekommt in Dudeks Erinnerungen einen kleinen, aber feinen Seitenhieb. "Cristiano ist arrogant, aber im Grunde ein authentischer Typ. Das ist auch wie ihn die Leute sehen, ob er ihnen nun gefällt oder nicht. Genauso wie Raúl ist er egozentrisch und in höchstem Maße wettkampf- und siegorientiert. Beide würden immer bevorzugen, mit 2:1 zu gewinnen, mit Toren von ihnen, statt mit 5:0 und mit Toren der Mitspieler."


Das gilt wahrscheinlich für viele Stürmer in der Elite des Profi-Fußballs. De facto, geben es bisweilen sogar die Angreifer selbst zu. Und wer mit den Statistiken der oben genannten aufwarten kann, dem wird deshalb wohl auch von keinem Fan der Welt ein Strick gedreht werden. 


Und was die Nettigkeiten unter Gegenspielern betrifft, heute gerne mit dem neu-deutschen Begriff "trashtalk" bezeichnet, hat Dudek jetzt auch nichts wirklich Überraschendes von sich gegeben. Immerhin sagt ja schon der Volksmund (und der ist noch viel älter als der Fußball selbst), dass stille Wasser tief seien. 


In jedem Fall dürfte sich Dudeks literarischer Erguss in Madrid dennoch besser verkaufen als in der Mittelmeermetropole im Nordosten des Landes.