"Das ist doch das Salz in der Suppe", meint Thomas Müller im Sportbild-Interview, was Kampfansagen der Konkurrenz betrifft - davon hätte er gerne mehr. Als ​FC Bayern wolle man natürlich trotzdem die Liga gewinnen, und auch die Champions League soll wieder ein aktives Ziel werden, wenn es nach der Identifikationsfigur geht.


Mit der ​Vertragsverlängerung von Thomas Müller hat der FC Bayern einen wichtigen Schritt in Sachen Kaderplanung gemacht. Der 30-Jährige blühte unter Hansi Flick regelrecht auf, konnte innerhalb von 15 Partien stolze 18 direkte Torbeteiligungen (sechs Tore, zwölf Assists) zum Aufwärtstrend beitragen. Auch wenn die Bayern somit wieder auf dem ersten Platz der ​Bundesliga stehen, so wünscht sich Müller deutlichere Kampfansagen der Konkurrenz.


Müllers klares Ziel: Die Champions-League-Trophäe


"Wir wollen Konkurrenz, wir wollen Gegner", so der Offensivspieler gegenüber der Sportbild. Müller weiter: "Niemand soll uns den Titel mit der weißen Fahne übergeben, wir sind heiß auf den Wettbewerb. Mit dem Zusatz: Am Ende wollen wir ihn gewonnen haben!"


Damit reagierte er auf die Aussagen von ​BVB-Kapitän Marco Reus, dass ​Dortmund dem Rekordmeister wieder gefährlicher werden müsse. Für den Bayern-Star eine willkommene Abwechslung, schließlich ist ein umkämpfter Wettbewerb "doch das Salz in der Suppe". Mehr Kampfansagen und offensive Ziel-Bekundungen dürfte die Bundesliga sicherlich vertragen.


Genug eigenen Kampfgeist kann Müller offenbar aufbringen, immerhin sei es für ihn als Bayern-Spieler "unerträglich, jemand anderen an der Tabellenspitze zu sehen". Das klare Ziel der Meisterschaft ist ein Faktor in München, ein anderer ist die Champions League. Auch der Ex-Nationalspieler hat diesbezüglich ein persönliches Anliegen: "Ich will nach 2013 noch einmal den Henkelpott bei Bayern hochhalten." Dies sei "auf jeden Fall" sein Ziel. 

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Müller umjubelt die Champions-League-Trophäe im Mai 2013 - die Wiederholung ist das Ziel



In den letzten zwei, drei Jahren, so Müller, sei es nicht so rund gelaufen, dass der CL-Titel ein öffentlich erklärtes Ziel hätte sein können. Das ändert sich nun offenbar: "Jetzt finde ich es aber an der Zeit, dass wir das als FC Bayern wieder ein bisschen mehr forcieren sollten. Wir wollen den Pott aktiv attackieren."


Seiner Meinung nach sei die Qualität dafür in der Mannschaft "schon länger" vorhanden. Allerdings müssten für einen solch großen Titel auch "viele Gegebenheiten passen", das weiß Müller aus eigener Erfahrung. Als Beispiel führte er Verletzungen an, durch die eine Mannschaft teilweise stark zurückgeworfen werden kann. Eine besondere Gelegenheit für die Champions League würde sich wohl 2022 ergeben, wenn das Finale in der Allianz-Arena ausgetragen wird. Müller bezeichnet dies als "zusätzlichen Reiz" - dennoch habe er das klare Ziel, die Königsklasse nochmal zu gewinnen, unabhängig vom Stadion.


Salz in der Meisterkampf-Suppe: Mutige Ansagen statt üblichen Mantras


Diese offensiven und beherzten Aussagen Müllers, was Titel und den dazugehörigen Titelkampf angeht, zeigen seinen Ehrgeiz. Seiner Forderung nach mehr "Salz in der Suppe" dürften wohl einige Fußball-Fans und -Zuschauer zustimmen. Etwas mehr Reibung, mehr öffentliche und größere Ziele, mehr Kampf - Aspekte, die der Bundesliga teilweise noch fehlen. Das mutige Vorpreschen von Marco Reus war eine willkommene Abwechslung zum sonst üblichen "Von-Spiel-Zu-Spiel-Denken"-Mantra seines Trainers Lucien Favre und anderen Vereinen, die das Zeug haben, ganz oben anzugreifen. 

Lucien Favre

"Wir müssen von Spiel zu Spiel denken" - ein Satz, den besonders Lucien Favre gerne wiederholt und betont



Natürlich muss es auch Verständnis für eher kurzsichtige Zielsetzungen einiger Klubs geben. Oftmals ist eine Entwicklung oder ein Neustart notwendig und dementsprechend auch das Ziel. Dann umgehend Titel-Avancen zu erklären, kann im Nachhinein wie eine verschätzte Prioritätensetzung wirken. 


Bei ​Borussia Mönchengladbach etwa ist es verständlich, wenn das Ziel die Champions League ist. Allerdings hat die Mannschaft von Marco Rose bereits mehrfach bewiesen, trotz erst kurzer Zusammenarbeit, dass man auch über längere Strecken eine Bedrohung für die Tabellenspitze darstellen kann. Wenn dies auch so formuliert wird, kann es eine zusätzliche Motivation hervorrufen. Der spätere Ärger, der eventuell auftreten kann, dürfte angesichts der Umstände (neuer Trainer, neue Philosophie, neue Spieler) gering und wohlwollend ausfallen.