Jochen Schneider ist nun etwas mehr als ein Jahr als Sportvorstand von ​Schalke 04 im Amt. Seitdem hat der 49-Jährige bereits viele verschiedene Facetten abarbeiten müssen, so wie nun die Corona-Krise. Dem übergeordnet steht die von ihm angedachte Philosophie des modernen, schnellen Fußballs mit primär jüngeren Spielern.


Zu Amtsantritt ein gefährlicher Abstiegskampf, im ersten Sommer ein neuer Trainer und ein notwendiger Kaderumbruch mit geringeren finanziellen Mitteln, nun das Coronavirus, das zahlreichen Vereinen schwere Schäden zufügt - Jochen Schneider hat als S04-Sportvorstand schon so einiges erlebt, was ihm die Arbeit nicht unbedingt erleichtert hat. Beharrlich arbeitet er jedoch an seiner Philosophie für Schalke: Junge und entwicklungsfähige Spieler, die sich für den angedachten Offensiv-Fußball eignen.


Schneider verjüngt Schalke stark: Potenzial und Marktwertentwicklung im Fokus


Schon in der aktuellen Saison hat Königsblau eine sehr junge Mannschaft auf dem Feld. Nur die Knappen und ​RB Leipzig liegen in ihrem durchschnittlichen Spieler-Alter unter dem Wert von 25 Jahren, die Sachsen sind dabei noch etwas jünger. Ein erster Schritt, der eindeutig die eingeschlagene Richtung von Schneider zeigt, der diese mit Michael Reschke als Kaderplaner und David Wagner als Trainer umzusetzen weiß. Beide gehen diesen Weg mit, beide tragen diese Gedanken in ihre tägliche Arbeit hinein. 


"Sie bringen Entwicklungsmöglichkeiten mit, auch der Aspekt der Marktwertentwicklung ist ein wichtiger", erklärte Schneider den Vorteil jüngerer Spieler gegenüber dem kicker. Als Fundament dafür dienen die erfahrenen Spieler, um die der Verein das neue Gerüst bauen möchte: "Wir finden, dass es Sinn ergibt, um die Achse der Älteren herum primär junge Spieler zu holen beziehungsweise langfristig zu binden, die in das Segment der, sagen wir 18- bis 22-Jährigen passen." 

Jochen Schneider,Michael Reschke

Reger Austausch: Jochen Schneider ist mit Michael Reschke ständig in Kontakt



Mit Jonjoe Kenny (22), Juan Miranda (19) und ​Jean-Clair Todibo (20) hat man dieses Konzept auch bei den Leihspielern verfolgt - womöglich könnte der ein oder andere auch über den Sommer hinaus bleiben. Rechtsverteidiger Kenny hatte ​diesen Wunsch bereits geäußert. Auch die festen Verpflichtungen mit Markus Schubert, 21 Jahre jung, Benito Raman, 24 Jahre, und Ozan Kabak, auch erst 19 Jahre, repräsentieren dieses Ziel. 


Dass man solch junge Talente finden, an den Verein binden und sie entwickeln kann, setzt eine gute und vielseitige Scouting-Arbeit voraus. Etwas, bei dem Schalke über die letzten Jahre regelmäßig der Zeit hinterherlief. "Aber da haben wir speziell mit Michael Reschke einen Experten im Team, der schon in Leverkusen, München und Stuttgart sein großartiges Gespür für Talente bewiesen hat", zeigte sich Schneider diesbezüglich positiv. Reschke, der beim S04 in der gewohnten stillen dritten Reihe arbeitet, hat bereits im Sommer damit begonnen, das Scouting-Netzwerk und die darin enthaltene Arbeit umzugestalten und zu modernisieren.


Junge Spieler, erfahrene Achse: Stambouli & Caligiuri sollen bleiben


Baut ein Verein vor allem auf junge Spieler, benötigt es eine Achse aus erfahrenen Spielern. Diese habe man bereits, so Schneider, der einen Blick auf den Mannschaftsrat empfiehlt. Dort gibt es mit Spielern wie Guido Burgstaller (30), Daniel Caligiuri (32), Benjamin Stambouli (29) und weiteren die wichtigen Erfahrungswerte. Caligiuri und Stambouli haben Verträge, die in diesem Sommer auslaufen. Auch dazu äußerte sich der Sportvorstand: "Wir haben hier selbstverständlich schon Gespräche geführt, ehe die Corona-Krise dazwischenkam. Wir haben vereinbart, dass wir diese Gespräche dann wieder auf die Agenda nehmen, wenn wir die konkreten Planungen für die neue Saison vorantreiben können." 


Weiter betonte er: "Grundsätzlich kann man sagen, dass Daniel und Benji zwei überaus verdiente Spieler sind, die wir auch über den Sommer hinaus gern auf Schalke sehen würden."

Jochen Schneider


Auch die nächste Generation an Jungprofis steht schon bereit auf Schalke. Weston McKennie (21) und Amine Harit (22) sind bereits langfristig bis 2024 an den Klub gebunden, Spieler wie Ahmed Kutucu (20) und Rabbi Matondo (19) gehören ebenfalls zum Kern des Kaders. Seit Schneiders Amtsantritt haben auch noch Levent Mercan (19) und Nassim Boujellab (20) den Sprung zu den Profis geschafft, zum Sommer hin dürfte mit Malick Thiaw (18) der nächste Youngster folgen. 


Auch wenn es keine einfachen Zeiten für einen Sportvorstand sind, beim S04 meistens ohnehin nicht, hat Jochen Schneider seinen klaren Plan vor Augen. An einem ähnlich offensiven Spielstil wie RB Leipzig in pflegt, wie er ihn auch auf Schalke gerne sehen würde, muss augenscheinlich und verständlicherweise noch gearbeitet werden - doch die Arbeit rund herum scheint der Schwabe fest im Griff zu haben.


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