​Durch die Coronavirus-Problematik und die mit ihr einhergehende Fußball-Pause hat sich die Brisanz um den Streit zwischen Teilen der Ultras und Hoffenheims Mehrheitseigner ​Dietmar Hopp zuletzt logischerweise etwas abgekühlt. Der Mäzen drückte nun via Fernsehauftritt seine Hoffnung darüber aus,  dass sich die Verhältnisse auch über das Ende der Pandemie hinaus normalisieren - und ging dabei auch einen kleinen Schritt auf seine Kritiker zu. Die reagieren aber noch verhalten.


Am Samstag war Hopp zugeschalteter Gast im ZDF-Sportstudio. Moderator Jochen Breyer gegenüber drückte der Mäzen seinen Wunsch aus, das Kriegsbeil zwischen ihm und Teilen der Fans nach Jahren der Polemik (anfänglich) und des offenen Hasses (zuletzt) endlich zu begraben. "Ich will das alles vergessen, wenn es von nun an Geschichte ist." 


Sowieso sei es für Hopp nicht nachvollziehbar, ihn "zum Gesicht für den Kommerz zu machen." 

Freuen würde es ihn, "wenn diejenigen, die mich grundlos seit 13 Jahren beschimpfen, irgendwann einmal damit aufhören." 

Dietmar Hopp

Ein verständlicher Wunsch. Hopp steht für viele Fans als Inbegriff des Totengräbers des guten, alten und traditionsbewussten Fußballsports. Die Konsolidierung und spätere Etablierung "seiner" ​TSG Hoffenheim im deutschen Profi-Fußball sehen seine Gegner als den Beginn einer schleichenden Erosion der 50+1-Regel, derzufolge ein Anteilseigner nie über mehr als die Hälfte der Anteile eines Klubs verfügen dürfe. Im Kern soll mit 50+1 hierzulande verhindert werden, dass die Klubs ihre Autonomie verlieren - und zu reinen Spekulationsobjekten verkommen.


Hopp wurde zum Symbol des Ausverkaufs des Fußballs gemacht


"Provinzklub wird von Milliardär gesponsert und hat plötzlich Erfolg": Natürlich kann man die Erfolgsgeschichte der TSG Hoffenheim mit plakativen Schlagworten und in illegitimer Vereinfachung der Dinge beschreiben. Doch es würde halt nur ein verzerrtes Bild abgeben. 


Dass Hopp mit den Modellen, wie sie in England (und auch an anderen Orten) gang und gebe sind, nicht viel gemein hat, verdeutlicht ein genauerer Blick auf die Genese der TSG zum Mitglied der elitären Bundesliga-Gemeinschaft. Während es für den einen oder anderen Verein auf der Insel bisweilen reichte, in den Blickwinkel eines mit seinem Privathelikopter über London schwebenden Öl-Milliardärs zu gelangen, um sich fortan dessen Mäzenatentums zu erfreuen, steht Hopp eigentlich für das genaue Gegenteil. Nämlich für die Identifikation mit seiner unmittelbaren lokalen Umwelt. Und so war das Projekt Hoffenheim auch von Anfang an auf Nachhaltigkeit und gesundes Wachstum projiziert. Nicht auf den schnellen Erfolg, der mit unbeschränkten finanziellen Mitteln erreicht werden sollte. 


Als Hopp begann, die TSG in diesem Rahmen zu unterstützen, dümpelte der Klub noch in den Niederungen der fünften Liga. Beharrlich und konstant entwickelte man sich immer weiter, stieg Jahr für Jahr um jeweils eine Liga nach oben, um im Jahr 2008 dann endlich in der Bundesliga anzukommen. Im Grunde genommen ein Weg, den in der Vergangenheit auch andere Bundesligisten eingeschlagen haben. Nur bei Hopp und seinen Hoffenheimern schien das auf einmal zu stören. Mittlerweile teilen sich die Kraichgauer dieses Image mit einem  auf einem anderen Geschäftsmodell fußenden Klub namens RB Leipzig. 


Doch für die Hardcore-Traditionalisten unter den Fans blieb Hopp der böse Geist, den die DFL aus der Flasche ließ. Und diese Kritiker wird Hopp wohl auch mit seinem Auftritt im Mainzer Funkhaus nicht restlos überzeugt haben. 


Verhaltene Reaktion der Ultras auf Hopps Einlassungen


Dem SID sagte Siggi Zelt, der Sprecher des Bündnisses ProFans, "Hopp habe bis heute nicht verstanden, worum es im Kern der Proteste wirklich ging". Diese seien vor allem  "gegen die Kollektivhaftung durch den DFB" gerichtet gewesen. Das ist aber spätestens nach dem Erscheinen von Fadenkreuz-Bannern mit Hopps Konterfei nicht mehr ganz ersichtlich gewesen, könnte man Herrn Zelt entgegenhalten.


Immerhin: Die Vereinigung "Unsere Kurve" öffnete mit ihrem Kommentar bezüglich des Hoff-Interviews die Tür für einen künftigen Dialog ein Stück weit. "Wenn die Coronakrise vorbei ist", so ihr Sprecher Vollmer, "kann man sicher gerne solche Themen beleuchten. Wir haben aktuell aber ganz andere Sorgen."