Im Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt feierte Karim Adeyemi seinen ersten Auftritt im Trikot von Red Bull Salzburg. Vor einigen Jahren flog der 18 Jahre junge Angreifer aus der Nachwuchsakademie des FC Bayern, heute gilt er als eines der größten deutschen Sturmtalente. Im Interview mit ​Spox spricht Adeyemi über sein Ende in München, den Schritt nach Salzburg und was er sich für die Zukunft erhofft.


Begonnen hat seine fußballerische Laufbahn beim TSV Forstenried, bei einem Hallenturnier im Winter wurden Scouts des FC Bayern schließlich auf den jungen Karim Adeyemi aufmerksam. Im Alter von acht Jahren ging es plötzlich vom Dorfverein zum deutschen Rekordmeister - eine große Umstellung auf allen Ebenen. "Das Training war ganz anders, viel intensiver und strukturierter. Bei Forstenried gab es sehr viele Spieler, bei Bayern hingegen waren die Gruppen kleiner. Kurz gesagt: Die Qualität und die Bedingungen waren einfach hochwertiger", erinnert er sich zurück.


Beim FC Bayern blieb er allerdings nur zwei Jahre, wegen einer angeblichen Disziplinlosigkeit wurde er 2012 aus dem Nachwuchs geworfen. "Ob es Disziplinlosigkeiten gegeben hat, sei mal dahingestellt. Ich glaube nicht, dass das den Ausschlag gegeben hat", verteidigt sich Adeyemi. Vielmehr habe es "einfach nicht mehr gepasst mit Bayern", man habe sich eben "nicht mehr so gut verstanden". Auch das Verhältnis zwischen seinen Eltern und dem Sportdirektor war "nicht mehr so, wie es sein sollte". 


In München zählt eben das Leistungsprinzip. Es gebe "einen genauen Plan", sobald man "diesbezüglich aus der Reihe tanzte oder sich nicht an diesen Plan hielt, erfuhr man meistens eher wenig Unterstützung", so Adeyemi. "Ich glaube nicht, dass der Verein auf Spieler setzt, die in der Offensive machen, was sie wollen. Letztlich geht aber jeder Verein mit dieser Thematik anders um. Welcher Weg der richtige ist, möchte ich gar nicht beurteilen. Immerhin ist der FC Bayern ein absoluter Top-Klub."


Nicht Chelsea oder Barcelona - der Weg führte nach Salzburg


Nach seinem Rauswurf ging es zurück nach Forstenried, wo er Scouts der Spielvereinigung Unterhaching auf sich aufmerksam machen konnte. Sechs Jahre verbrachte er beim aktuellen Drittligisten, obwohl der ​FC Chelsea​Barcelona, Atlético Madrid und RB Leipzig Interesse signalisiert haben. In London spielte er sogar vor, doch "ein Wechsel zu Chelsea wäre damals kein sinnvoller Schritt gewesen", sagt er rückblickend. Er habe "einfach nur Fußball spielen wollen", sich gar nicht um das vermeintliche Interesse gekümmert - bis Red Bull Salzburg aufmerksam wurde.

Karim Adeyemi o

Im September 2019 wurde Karim Adeyemi mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet. Acht Monate später feierte er sein Profi-Debüt.


"In erster Linie war es für meine Eltern und mich wichtig, dass mein neuer Klub einen Plan mit mir hat. Das war bei Red Bull Salzburg der Fall", erinnert sich Adeyemi, "der Spielstil und die Philosophie haben mich überzeugt." Nach einer Ausleihe zum FC Liefering, dem Farmteam der Salzburger, kehrte er zu Jahresbeginn wieder zurück und durfte im Februar sein Profi-Debüt feiern, als die Mozartstädter im Sechzehntelfinale der Europa League bei ​Eintracht Frankfurt gastierten. 


Debüt in der Europa League


In der ausverkauften Commerzbank-Arena wechselte Jesse Marsch den 18-Jährigen zur zweiten Halbzeit ein, trotz der ​1:4-Niederlage blickt Adeyemi stolz zurück: "Ich habe mich riesig gefreut und war motiviert ohne Ende. Mir ging in diesem Moment nur eines durch den Kopf: Lauf, bis du nicht mehr kannst. Das war einfach der absolute Wahnsinn." 


Dieses Gefühl will er nicht mehr missen, sich lieber weiterentwickeln und eines Tages den nächsten Schritt machen: "Ich möchte bei Red Bull Salzburg noch viele Spiele machen und mich zeigen, einfach meinen Weg gehen, um eines Tages in einer Top-Liga zu spielen. Mein Ziel ist es, gemeinsam mit den besten Spielern der Welt auf dem Platz zu stehen." Das Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden.