Fredi Bobic sagte in einem Interview bei Sky, dass ein Jahr ohne Europa League für ​Eintracht Frankfurt vielleicht gar nicht so schlecht wäre. Mit dieser augenzwinkernden Aussage hat Bobic recht und möchte damit alle, die es mit der Eintracht halten, in die Realität holen.


​Eintracht Frankfurt hat bis zur Corona-Pause nicht gerade eine überragende Bundesliga-Saison gespielt. Nach 24 gespielten Partien steht die Eintracht auf dem zwölften Tabellenplatz und ist ein gutes Stück vom Europapokal entfernt. Magische Nächte in der Europa League, wie es sie in den vergangenen anderthalb Jahren zuhauf gab, scheint es in der kommenden Saison nicht mehr zu geben.


Als Gründe dafür haben Kritiker zum Beispiel die nicht gut aufgefangenen Abgänge der Top-Stürmer Sebastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic ausgemacht. "Da sieht man mal, wie groß die Ansprüche geworden sind", zitiert der kicker Frankfurts Sport-Vorstand Fredi Bobic aus einer Sendung bei Sky. Der Verein müsse auch insgesamt wachsen, zudem benötigten die Nachfolger Zeit.

Luka Jovic,Ante Rebic,Sebastien Haller

Jovic, Haller und Rebic erzielten im Vorjahr 49 Tore für die Eintracht



Den zwölften Tabellenplatz sieht Bobic überhaupt nicht als Problem. "Wenn am Ende des Tages ein Mittelfeldplatz rauskommt, ist das nicht so schlimm für Eintracht Frankfurt." Schließlich sei man in seiner Amtszeit immer in einem Wettbewerb mindestens im Halbfinale gewesen. Die eigenen Ansprüche seien natürlich hoch, aber: "Ein Jahr ohne Europa wäre vielleicht auch nicht so übel für uns, auch mal zum Durchschnaufen."


Eine Aussage, die die Fans spalten, die einigen sogar extrem missfallen dürfte. Wie kann ein Verantwortlicher sagen, dass es gut wäre, den Europapokal zu verpassen? Bobic wird dies selbstverständlich augenzwinkernd gemeint haben, doch vor allem möchte er damit eines erreichen: Dass auch der letzte in Frankfurt begreift, dass die Erfolge der vergangenen Jahre keine Selbstverständlichkeit sind.



Noch vor wenigen Jahren kickte die Eintracht in der 2. Bundesliga, nicht einmal vier Jahre ist es her, da konnte der erneute Abstieg erst in der Relegation verhindert werden. Danach folgte eine starke Saison mit dem Pokalsieg und die bereits angesprochenen tollen Europa-League-Auftritte. Doch beide internationale Teilnahmen kamen erst durch den DFB-Pokal zustande: Einmal durch den eigenen Gewinn, einmal dadurch, dass die ​Bayern ihn holten und bereits in der Champions League spielten. Unter den besten sechs der Liga war die SGE zuletzt 2013 - was ein Ausreißer nach oben war.


Auf nachhaltiges Wachstum kommt es an


Bobic hat absolut recht, wenn er sagt, dass der Verein erst einmal als ganzes wachsen müsse. Dies geht beispielsweise durch konstante Platzierungen mindestens im Mittelfeld, bestenfalls in der oberen Tabellenhälfte - der Europapokal ist dabei nur ein Bonus. Was bringt es, in der Europa League zu spielen und dann abzusteigen? Der ​1. FC Köln kann dies beantworten. Ein positives Beispiel kann ​Borussia Mönchengladbach sein: Der einzige Verein neben den Bayern und dem ​BVB, der seit 2012 immer auf einem einstelligen Tabellenplatz abschloss. Auch ohne Europapokal-Teilnahmen zeigte die Kurve insgesamt stets nach oben. Das ist aber natürlich Grundvoraussetzung - wenn Platzierungen danach immer schlechter werden, ist niemandem geholfen.


Man dürfe nicht vergessen, wo man herkommt, predigte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl in den vergangenen Jahren immer wieder, als er sich mit den gleichen Fragen wie Bobic jetzt herumschlagen musste. Wie sein Kollege weiß auch der Frankfurter Boss, dass es auf konstantes, nachhaltiges Wachstum ankommt - und genau daran arbeiten die Frankfurter. Dementsprechend tut ein Jahr ohne Europa League nicht weh und ist auch kein Rückschritt. Bobic ist das längst klar und falls die Eintracht tatsächlich "nur" einen Mittelfeld-Platz belegt, wird es hoffentlich auch jeder andere merken.