​Kaum jemand hätte dies noch für möglich gehalten: ​Bayer 04 Leverkusen hat tatsächlich noch realistische Chancen, Supertalent Kai Havertz über den Sommer hinaus zu halten. Eigentlich galt ein Abgang des 20-Jährigen in diesem Sommer bereits als fix, doch aufgrund des Corona-Virus, skeptischen Interessenten und Havertz selbst scheint ein weiteres Jahr Bayer 04 nicht ausgeschlossen.


Schon nach Ende der vergangenen Saison stand das Ausnahmetalent kurz vor einem Abgang. Doch durch eine saftige Gehaltserhöhung und der aufgezeigten Perspektive schaffte man es unter dem Bayerkreuz, das Juwel zumindest bis Sommer 2020 zu halten. Insgeheim plante man allerdings schon für die Zeit ohne Havertz.


Havertz: Der aktuelle Stand


Über 90 Millionen Euro gab die Werkself im vergangenen Sommer und Winter für Neuzugänge aus. Das Geld, so der Plan, sollte durch die Ablöse von Havertz wieder in die Kassen gespült werden. Für den Mittelfeldspieler sollen die Bayer-Bosse satte 126 Millionen Euro Ablöse (analog zum Preis von Joao Felix) verlangt haben. Dass der Spieler allerdings diesen Sommer für solch eine Summe wechselt, scheint in Anbetracht des wackelnden Marktes aufgrund der Corona-Krise undenkbar.

Bayer 04 Leverkusen v 1. FC Union Berlin - DFB Cup

Zudem ausschlaggebend: Kaum ein Verein möchte für Havertz inzwischen diese Summe mehr ausgeben, wie der kicker berichtet. Einige Topklubs Europas sehen in Havertz nicht das Marketingprodukt, welches im modernen Fußball benötigt wird. ​Dem FC Bayern, als Interessent in der ersten Reihe, sagte Havertz nun dagegen quasi selbst ab. Die Münchner Ellbogengesellschaft sei nichts für den 20-Jährigen.


In Leverkusen kratzt man sich nun verwundert den Kopf. Ist Havertz im Zweifelsfall nun doch eine Saison länger beim Bayer? Wenn der Klub sich clever anstellt, ist dies gut möglich!


Die Umstände für Havertz haben sich nun nämlich verändert. Vergangenen Sommer, so schreibt der kicker, sei die Europameisterschaft 2020 auch ein Grund für den Verbleib bei den Rheinländern gewesen. Havertz wollte sich in vertrauter Gegend dem Bundestrainer anbieten und sich für den Wettbewerb in die erste Reihe spielen. Aufgrund der aktuellen Lage wird die EM nun aber im kommenden Jahr nachgeholt. Havertz sieht sich also abermals mit derselben Situation konfrontiert.


Macht es Bayer 04 den Leipzigern nach?


In Leverkusen ist somit eine neue Vertragskonstellation zwischen Spieler und Verein möglich - ähnlich wie es ​RB Leipzig vergangenen Sommer mit Stürmer Timo Werner vollzog. Der Nationalspieler zierte sich - trotz Interessenten - mit einem Wechsel. RB wollte den Profi allerdings nicht 2020 ablösefrei ziehen lassen, Werners Vertrag wäre dann nämlich ausgelaufen. 

Timo Werner

Stattdessen verlängerten die Sachsen den Vertrag mit Werner um drei Jahre, sprachen dem Stürmer erhebliche Gehaltserhöhungen zu und verankerten im Kontrakt eine Ausstiegsklausel ein, die es Werner erlaubt, für eine (relativ günstige) Ablösesumme zu wechseln. Eine Win-Win-Situation.


Bayer 04 könnte nun selbiges bei Havertz statuieren. Der kicker vermutet etwa eine Vertragsverlängerung um ein Jahr bis 2023, verbunden mit einer Ausstiegsklausel im hohen zweistelligen Bereich. Der Spieler würde somit noch mindestens ein Jahr in Leverkusen zu halten sein und dem Verein in der zurzeit erfolgreichen Entwicklung zur Seite stehen. Im Gegenzug erhält Havertz Spielzeit und die Garantie, im Sommer 2021 zu seinem Wunschverein wechseln zu können. Geht man davon aus, dass Corona keinen nachhaltigen Schaden im Fußball anrichtet, würden bei einem Preisschild von circa 80-90 Millionen Euro auch wieder mehr Vereine Interesse zeigen.


Havertz-Verlängerung ohne Eile


Leverkusen müsste zwar in jenem Fall deutlich von der Wunschablöse abrücken, allerdings dennoch einen enormen Gewinn mit der Personalia erzielen. Finanziellen Druck spürt die Werkself trotz der jüngsten Shoppingtouren kaum. Netto lastet ein Minus von rund 60 Millionen Euro auf dem Verein, der jedoch durch den Mutterkonzern Bayer abgesichert ist. Zum einen füllt eine dreijährliche Zahlung von 75 Millionen Euro den Geldbeutel. Zum anderen existiert ein Deal, dass sämtliche finanzielle Gewinne des Klubs dem Chemieriesen zukommen, der wiederum etwaige Verluste der Fußball GmbH auffängt.


Grund zur Panik gibt es unter dem Bayerkreuz jedenfalls nicht, zwischen Verantwortlichen, Spieler und Berater herrsche laut Aussage des kickers guter Kontakt. "Wir haben mit Kai den besten deutschen Spieler der nächsten zehn Jahre", so Sportgeschäftsführer Rudi Völler. "Da mache ich mir, da machen wir uns bei Bayer keine Sorgen." Einem weiterem Jahr Havertz steht also kaum etwas im Weg.