Der ​FC Schalke 04 gehörte in den letzten Jahren nie zu den ​Bundesliga-Vereinen, die am zahlungskräftigsten waren. Doch durch die aktuelle Coronavirus-Krise, die zusätzlich ein Loch in die Geldbörse zahlreicher Klubs brennen wird, wird diese Situation noch verschärft. Gerade deswegen: Das unliebsame Thema der etwaigen Ausgliederung gehört großflächig und ernsthaft diskutiert.


Schalke hat finanziell den Anschluss verloren. Auch wenn es für den einen oder anderen S04-Anhänger schmerzhaft ist, das zuzugeben und dieser Entwicklung (nicht nur) des letzten Jahrzehnts ins Auge zu sehen, so ist dies doch ein notwendiger Befund. Durch die aktuellen Umstände im weltweiten Sport, verursacht durch das grassierende Coronavirus, wird die finanziell oft brenzlige Lage noch verschlimmert. Auch davon ist Königsblau nicht ausgenommen.


Schalke als einer von vier "e.V." in der Liga: Finanz- und Investitions-Stopp notwendig


Als noch immer eingetragener Verein (e.V.) ist man auf das Markenzeichen der Tradition sehr stolz. Dieses Wertebild wird seit Ewigkeit gelebt und vom Verein - und allen die dazugehören - getragen. Damit geht jedoch auch die absolute Notwendigkeit des sportlichen Erfolgs sowie einer enorm kompetenten und souverän arbeitenden Vereinsführung einher. Andernfalls verliert man nach und nach den Anschluss an die Vereine, die seit Jahren einen anderen Weg einschlagen, als es die Schalker tun. 


Jochen Schneider

Sportvorstand Jochen Schneider hat dieser Tage alle Hände voll zu tun


Sportvorstand Jochen Schneider kündigte nun an, alle Gespräche bezüglich Transfers, Vertragsverlängerungen und sonstiger Investitionen stoppen zu müssen (via Sport1): "Es geht jetzt um andere Dinge. Wir müssen Prioritäten setzen." Im Klartext: Vertragsverlängerungen von Benjamin Stambouli und Daniel Caligiuri sind in großer Gefahr, die Verpflichtung von Jean-Clair Todibo nahezu ausgeschlossen, sonstige Kader-Verstärkungen werden unwahrscheinlicher.


Schon am vergangenen Montag sprach Kommunikationsvorstand Alexander Jobst davon, dass es in diesen schwierigen Zeiten um ​"die Existenz des Klubs" ginge. Harte und eindringliche Worte, die zum einen stimmen und die potenziell drohende Gefahr ausdrücken, in der man sich befindet und die zum anderen das Thema der theoretischen Ausgliederungen erneut auf den Plan rufen.


Dass dieses Thema wieder Aktualität erfährt im S04-Umfeld, ist ebenso richtig wie wichtig. Zusammen mit dem ​SC Freiburg, ​Union Berlin und ​Mainz 05 ist man der letztlich verbliebene e.V. in der ersten Liga. Allesamt Vereine, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen - auch Schalke. Will man auch in Zukunft um die europäischen Plätze mitspielen und nicht im Mittelmaß versinken, braucht man definitiv mehr finanziellen Spielraum. Den bekommt man entweder durch regelmäßigen sportlichen Erfolg sowie wachsende Marketing-Einnahmen, oder durch eine Öffnung für externe Investitionen.

Anlass zur Diskussion: Die Ausgliederung muss beim S04 großflächig diskutiert werden


Dieses Thema muss im Umfeld des so großen Vereins endlich eine neue Dimension erhalten. Es ist immens wichtig und womöglich sogar an das zukünftige Überleben des traditionsreichen Klubs gekoppelt. Egal wie man zu dieser Thematik steht, ob man eine sogenannte Ausgliederung der Profiabteilung (mit sämtlichen Anteilen beim Mutterverein) als positiv und notwendig ansieht, oder eben diese ablehnt: Sie muss großflächig geführt werden. 


Seit Jahren windet man sich um dieses Thema, alleine das Wort "Ausgliederung" wird schon vermieden, soweit es geht. Selbstverständlich ist es ein heikles und emotionales Gebiet, vor allem auf Schalke. Und trotzdem ist es dringend notwendig, sich als Verein diesbezüglich auszurichten und eine klare Richtung zu haben. 


Das ist nun notwendiger denn je.


Peter Peters

Auch Finanzvorstand Peter Peters schob die Idee der Ausgliederung schon vorsichtig an


Es gibt viele Aspekte und Faktoren, die dabei besprochen, thematisiert und erklärt werden müssen. Auch mit mehr Geld durch eine Ausgliederung muss man nicht zwingend erfolgreicher sein, als man es jetzt ist. Für diese negative Entwicklung gibt es ebenso genug Beispiele, wie es positive Fälle gibt. Mit Jochen Schneider und Michael Reschke hat man jedoch seit dem Sommer ein kompetentes, erfahrenes und kluges Duo, das man dem Umgang mit einer solchen Öffnung zutrauen würde - soweit zumindest das öffentlich erkennbare Meinungsbild. Ein Grund mehr, weshalb diese Angelegenheit endlich auf die Tagesordnung gehört. 


Dennoch wird ein anderer finanzieller Weg, weg vom traditionsreichen Status des eingetragenen Vereins, beim S04 immer ein emotionales und konfliktreiches Thema bleiben. Am Ende des Tages macht das ja auch den Charme des Ruhrgebiet-Vereins aus. Jeder Fan und Anhänger, jedes Mitglied von Schalke muss für sich wissen, ob er weiterhin auf den e.V. setzen möchte, oder ob man um die Ausgliederung nicht umhinkommt. Abschließend ein passendes Schlusswort von S04-Fan Fabian bei Twitter: