Jerome Boateng erlebt seinen zweiten Frühling. Der Innenverteidiger gehört wieder zum Stammpersonal des FC Bayern und ist in der Viererkette von Hansi Flick unersetzlich. Dennoch sollen sich die Münchner laut kicker mit einem Abschied des 31-Jährigen beschäftigen und im Sommer einen Ersatz verpflichten wollen. Braucht es das wirklich?


Zweimal hätte Boateng den FCB verlassen können und sollen. Letzteres trifft zumindest auf den Transfersommer 2019 zu, wie Uli Hoeneß nach dem Ende der abgelaufenen Saison unmissverständlich erklärte. Auch in diesem Winter schien ein Abgang nicht ausgeschlossen, allerdings soll kein Klub ernsthaftes Interesse gezeigt haben, wie der kicker behauptet. Glück für Bayern und für Boateng, der mit Flick auf einen langjährigen Vertrauten aus der Nationalmannschaft bauen kann.


Unter Flick absolvierte der 31-Jährige 14 von 21 möglichen Spielen. Drei Partien verpasste er wegen einer Sperre, hinzu kommt der Ausfall im Pokal-Viertelfinale gegen Schalke (1:0) wegen eines Magen-Darm-Infekts. In der Rückrunde ist Boateng ein Eckpfeiler in der Viererkette, der nicht nur körperlich deutlich fitter wirkt, sondern auch seine Bedeutung für das Aufbauspiel aus der Tiefe wiedergewonnen hat. ​Beim glanzlosen 2:0-Erfolg über Augsburg servierte er Thomas Müller den Ball in gewohnter Manier mit einem präzisen Pass auf dem Silbertablett, insgesamt war es sein 23. Assist im Trikot des FC Bayern. 

​​Boatengs Vertrag endet 2021. Der mit Abstand älteste Abwehrspieler der Bayern soll noch immer zu den Streichkandidaten zählen und den Klub ebenso verlassen dürfen wie Javi Martinez, der weder im Mittelfeld noch in der Abwehr große Chancen auf Einsatzzeiten besitzt. 


Dafür will die Sportliche Leitung angeblich einen neuen Innenverteidiger holen. Rechtsfuß soll er kicker-Informationen zufolge sein, um eine Unausgewogenheit zu vermeiden. Vielleicht jemand wie Dayot Upamecano, ​der vor einigen Wochen wieder mit den Bayern in Verbindung gebracht wurde?


Was für einen Boateng-Abgang spricht


Wegen seiner starken Form rechnen die Verantwortlichen angeblich mit einigen Angeboten für Boateng. Mit einer Trennung könnten beide Parteien einen endgültigen Schlussstrich ziehen und nach zwei größtenteils unglücklichen Jahren im Guten auseinandergehen. Einen würdigen Abschied hat der langjährige Abwehrchef allemal verdient, zudem würde er die Chance bekommen, sich andernorts noch einmal zu beweisen. Die Bayern würden sich wiederum weiter auf die Zukunft vorbereiten und vermutlich einen Transfer mit Weitsicht tätigen. 


Handlungsnot sieht anders aus


Handlungsbedarf besteht jedoch eher auf den Außenbahnen und im offensiven Mittelfeld. Geld ist zu Genüge vorhanden, laut Sportdirektor Hasan Salihamidzic könne man jedoch nicht drei Topspieler in einem Jahr verpflichten. Die seit fast einem Jahr kursierenden Gerüchte um Leroy Sané und Kai Havertz würden - wenn beide wirklich kommen sollten - den Plänen in der Abwehr also einen Strich durch die Rechnung machen, wenn man seinen Worten Glauben schenken darf.


Andererseits ist Boateng in dieser Form für viele Spitzenmannschaften wertvoll - und Flick weiß genau wie bei Müller, wie man ihn einsetzen muss. Die Stärken der Ex-Nationalspieler kennt er in- und auswendig, auch deswegen sind die Bayern wieder nahezu unschlagbar. Sollte er Cheftrainer bleiben, scheint es nicht ausgeschlossen, dass Boateng seinen Vertrag erfüllt. Wenngleich er trotz der zahlreichen Verletzungen an Tempo eingebüßt hat, präsentiert er sich körperlich topfit und zugleich ehrgeizig genug, um um einen Platz zu kämpfen. 

Jerome Boateng

Dringend ist ein Transfer in der Innenverteidigung also nicht. Nur dann, wenn Boateng den Klub unbedingt verlassen will, wäre es sinnvoll, jemanden zu verpflichten. Solange er keine Andeutungen macht, kann man wiederum entspannt in das letzte Vertragsjahr gehen; denn in einer der flexibelsten Abwehrreihen Europas erhält jeder Spieler früher oder später ein paar Einsatzminuten. Und auch wenn Niklas Süle in ein paar Monaten wieder auf dem Platz stehen wird, ist es nicht ausgeschlossen, dass Boateng an seiner Seite spielen könnte.