Im Winter 2018 wechselte Milot Rashica von Vitesse Arnheim zum ​SV Werder. Mit seiner unglaublichen Finesse konnte das Offensiv-Ass die Fans der ​Bundesliga seither verzaubern. Für die Grün-Weißen ist Rashica ein wahrer Kronjuwel und zugleich Hoffnungsträger in der derzeitigen Krisensituation. Aber: Rashica durchläuft aktuell eine Durststrecke - aber warum? 

​Der Marktwert des talentierten Linksaußen stieg seit seinem Wechsel um das Siebenfache. Zahlreiche Top-Klubs aus Europa sind an Rashica interessiert. Im Sommer könnte die "Rakete" Gebrauch von seiner kolportierten Ausstiegsklausel in Höhe von 38 Millionen Euro machen und seinen Arbeitgeber noch vor Ablauf seines bis 2022 datierten Vertrags verlassen. 

​Doch vorher gibt es noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen: Rashica und Co. wollen den Abstieg verhindern. In der Liga gewann man zuletzt Ende Januar gegen ​Fortuna Düsseldorf. Die zwei Tore am vergangenen Spieltag waren die ersten eigenen Tore im Jahr 2020. Die gesamte Bremer Mannschaft befindet sich in der Krise. Die bittere Realität: Platz 17 und ganze fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Zehn Spiele bleiben den Bremern noch, sich über Wasser zu halten und den Abstieg zu verhindern.


​Verrosteter Torinstinkt?

Rashica erzielte in dieser Saison immerhin sieben Tore, legte vier weitere vor und führt damit die Torjägerliste der Kohfeldt-Elf an. Das Problem? Seinen letzten Liga-Treffer erzielte der 23-Jährige im Dezember beim 1:6 gegen ​Bayern München. Gegen ​Hertha BSC bereitete er mit einer anschaulichen Flanke das 2:0 durch Davy Klaassen vor; zuvor assistierte er allerdings im November beim 1:3 gegen ​Borussia Mönchengladbach.

Milot Rashica,Jerome Boateng

Die gesamte Mannschaft von Cheftrainer Florian Kohfeldt befindet sich in einem großen Loch - ein Formtief, dessen Begründung nicht allein in der spielerischen, physischen Qualität des Kaders, sondern auch in der Psyche der einzelnen Spieler gesucht und gefunden wird.

​Das Problem für die Durststrecke des Milot Rashica ist keineswegs der Rückgang seiner Qualitäten. Schnell, trickreich und verspielt ist er weiterhin. Zudem kann er gute Flanken schlagen (siehe Hertha-Spiel) und ist sehr stark im Eins-gegen-Eins. Zum (Tor-)Erfolg führten diese Attribute zuletzt jedoch nicht.


​Der Kopf als Blockade für Rashica und Co.

​Das liegt zum einen an seinen Mitspielern, denen es zuletzt nicht gelang, ihren Flügelflitzer mit starken Pässen geschickt in Szene zu setzen. Aber auch an schlechten Laufwegen des Flügelflitzers selbst. Fakt ist: Wenn der Kopf nicht mitspielt, klebt der Ball nun einmal nicht am Fuß. Viele Missverständnisse und schlechte Pässe verhindern es, dass Rashica erst die Chance erhält in die Eins-gegen-Eins-Situation zu gehen. 

​Steht Rashica dann doch einmal mit Ball vor dem Kasten, so schließt er viel zu überhastet ab oder es fehlt ihm an Timing. Oft trifft er die falsche Entscheidung im Abschluss, Passspiel und Dribbling. Das ist sicherlich Kopfsache, bedingt durch den enormen Druck, der auf ihn und allen anderen Akteuren lastet.


​Die Gegner kennen Rashica

Dazu kommt, dass seine Gegenspieler die Laufwege des Kosovaren mittlerweile kennen. Ähnlich wie Arjen Robben mag er es von der Außenbahn nach innen zu ziehen, um das Leder dann mit seinem starken rechten Fuß in die Ecke zu schlenzen. Das gelang ihm beispielsweise gegen Freiburg oder im Pokal gegen Heidenheim.

Nun wird das Offensiv-Talent von seinen Gegenspielern schon bei der Ballannahme gestört, teilweise sogar gedoppelt. Die Chance in die Mitte zu ziehen, wird ihm erst gar nicht geboten. ​Da der Gegner ihn nun kennt, bleibt ihm seine Lieblingsposition um Tore zu erzielen also aus - vor allem auch, weil man die aktuelle Werder-Situation kennt: Neben Rashica gibt es kaum einen Spieler, der wirkliche Torgefahr ausstrahlt.

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In den Köpfen der Spieler muss etwas passieren. Dafür muss Kohfeldt sorgen. Es bedarf an neuer Kreativität. Neue Laufwege und einfacher Fußball - einfach mal draufziehen und nicht immer die gleichen, einstudierten Ballstafetten. Die Kopfblockade nimmt den Spielern aber ihren Raum für Kreativität - sodass sich auch Starspieler Rashica nicht mehr entfalten kann.