Preetz verliert die Nerven. Sein Beitrag ist unsachlich. Die Verwendung des Begriffes 'Putsch' ist im Kontext der deutschen Sprache unangemessen. 


Ein Putsch ist laut Wikipedia "eine meist gewaltsame und überraschende Aktion von Angehörigen des Militärs oder paramilitärischer Organisationen und/oder einer Gruppe von Politikern mit dem Ziel, die Regierung zu stürzen und die Macht im Staat zu übernehmen. Die Putschisten sind meist hohe Militäroffiziere oder Führer paramilitärischer Organisationen." 


Preetz rückt das vergleichsweise unbedeutende Geschehen in einem Klub der Fußball-Bundesliga sprachlich in die Nähe von historisch bedeutsamen Negativereignissen wie z.B. den Kapp-Putsch 1920 oder den Hitler-Putsch 1923.


Preetz über Klinsmanns Tagebuch: "Perfide und ungehörig"


Preetz bezeichnet das Klinsmann'sche Memorandum als "Anschuldigungen und Vorwürfe", als "widerliche und unverschämte Angriffe auf die Mitarbeiter", ​als "perfide und ungehörig". Er verweigert expressis verbis eine sachliche Stellungnahme. 


Nun ist die Erstellung interner Memoranden durchaus üblich. Erst der Leak dieses internen Memorandums rechtfertigt überhaupt die obigen Zitate. Bzgl. des Enthüllers konnte Preetz allerdings nicht zur Aufklärung beitragen. Die Öffentlichkeit weiß nicht, wer das Klinsmann'sche Memorandum geleakt hat. War es Klinsmann selbst oder jemand aus seinem Team? War es jemand von ​Hertha BSC? War es jemand aus dem Team des neuen Großinvestors?


Gerade jemand, der eine solch anspruchsvolle Veränderungsaufgabe übernimmt wie Klinsmann, tut gut daran, Aufzeichnungen zu machen. Man kann auch davon ausgehen, dass Windhorst ihn bat, über wesentliche Dinge informiert zu sein. Last but not least ist es für einen Veränderer und Neuerer auch taktisch klug, den status quo bei Amtsübernahme zu dokumentieren. Wenn man das nicht tut, erbt man die Schulden des Vorgängers. 


Vergleichbares geschah übrigens bei Daimler bei der Amtsübernahme von Källenius. Er setzte sofort ein Kostensenkungsprogramm von sage und schreibe 1,5 Mrd. EUR ins Werk. Die alte Zetsche-Fraktion sprach von einer Abrechnung, die neue Källenius-Fraktion sprach von Notwehr. Danach ging man wieder zur Arbeit über. Das war's.


Mich erinnerte Preetz an eine Aussage des besten Rechtsanwaltes, den ich je traf: "Wenn die Fakten für dich sprechen, dann berufe dich auf die Fakten. Wenn das Gesetz für dich spricht, dann berufe dich auf das Gesetz. Wenn weder Fakten noch Gesetz für dich sprechen, dann schimpfe so laut du nur kannst." Preetz schimpft so laut er kann.


Überschaubarer Erfolg unter Preetz


Preetz ist jedenfalls kein Unbekannter. Er ist seit 2009 Sportdirektor von Hertha BSC und verantwortet keine Erfolgsbilanz. Insgesamt gab es 13 Cheftrainer in knapp elf Jahren. Davon waren lediglich die 4,5 Jahre unter Pál Dárdai erfolgreich. Für die restliche Zeit ergibt sich eine durchschnittliche Amtsdauer der Trainer von Hertha BSC unter Sportdirektor Preetz von sechs Monaten und eine Tendenz zur Fahrstuhlmannschaft, die jetzt wieder droht. Mit Markus Babbel gab es auch eine Trainerentlassung, die so geräuschvoll mit gegenseitigen Vorwürfen endete wie der Abgang Klinsmanns. Man ist geneigt, den Erfolg unter Pál Dárdai diesem zuzurechnen und nicht Preetz.

FBL-GER-BUNDESLIGA-HERTHA BERLIN-KLINSMANN

Es handelte sich offenbar um einen Machtkampf zwischen Klinsmann und Preetz, der per sé nicht ungewöhnlich oder verwerflich ist. Machtkämpfe sind gang und gebe, wenn Menschen zusammenkommen. Preetz sprach von einem misslungenen 'Putschversuch'. Nun entscheidet sicher nicht Preetz, wer in diesem Machtkampf am Ende als Sieger oder Verlierer dasteht.

Zwar gelang es Preetz zunächst, Klinsmann als den Schurken in diesem Stück darzustellen. Er erhielt dabei Unterstützung von seinem Präsidenten und eingeschränkt auch vom neuen Großinvestor. Dieser machte aber auch zwischen den Zeilen deutlich, welchen Wert Klinsmann für Hertha BSC hätte haben können. 


Was macht Windhorst?


Klar ist, dass Windhorst Klinsmann in den Verein holte. Klar ist, dass Windhorst durch die 50+1-Regel trotz seiner enormen Investitionen nicht die Entscheidungsgewalt hat. Möglicherweise hätte Windhorst als Entscheider durchaus für Klinsmann votiert und gegen Preetz. Sicher ist jedenfalls, dass Preetz auf der neuerlichen Pressekonferenz Pik-Solo spielte. Man darf vermuten, dass der Präsident und der Großinvestor nicht zufällig nicht am Tisch saßen, sondern dies bewusst entschieden haben. Schriftlich äußerte sich Präsident Gegenbauer im Sinne von Preetz. Man darf gespannt sein, was Windhorst zu gegebener Zeit zu vermelden hat.


All diese Dinge wird Windhorst bedacht haben, als er sich entschloss, 224 Millionen Euro für 49,9% der Anteile zu bezahlen. Mit Jürgen Klinsmann hatte er den richtigen Partner für seine Pläne als Big-City-Club, aber Klinsmann konnte offensichtlich nicht wirksam werden. Nun hätte Windhorst wissen müssen, welchen Partner er mit Klinsmann erhält. 


Klinsmann ist ein exzellenter Kenner des weltweiten Fußballs und genau richtig als Führungsfigur für ein aufstrebendes und revolutionäres Projekt. Er agiert als Trainer bzw. Manager so wie als Spieler: schnell, mit direktem Zug zum Tor. Das wollte Windhorst zwar bieten, aber mit 49,9% konnte er es nicht. Und von Klinsmann wiederum weiß jeder, dass er sich ungern in Grabenkämpfen verschleißen lässt.


Als externer Beobachter ahnt man, dass nicht die ganze Wahrheit auf dem Tisch ist. Man weiß, dass Preetz kein erfolgreicher Manager ist und sicher keiner für den Big-City-Club.

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Die Behandlung dieses Themas in den Medien ist sehr fragwürdig. Damit meine ich nicht den unvermeidlichen Marcel Reif, der bereits die Nationalelf 2018 monatelang mit der täglichen, larmoyanten Befeuerung der Özil-Gündogan-Photo-Kampagne in eine Krise kommentierte, die zum Vorrundenaus führte. Generell neigen die Deutschen noch mehr als andere Völker bei Fehlentwicklungen zur Auswahl eines Sündenbocks, der dann alle Schuld zu tragen hat. 


Es ist rational schwer nachzuvollziehen, warum alle auf Klinsmann einprügeln. Auch ist vollkommen unverständlich, warum sich Funktionsträger anderer Vereine wie Horst Heldt, Rudi Völler oder Dieter Hecking zu Wort melden. Sie wissen doch gar nicht, was abgelaufen ist. Sie können doch sachlich nichts beitragen. Brauchen sie ein solches Thema, um sich in den Fokus der Öffentlichkeit zu spielen? Haben sie nicht genug eigene Themen, zu denen sie sich äußern können? Glaubt Horst Heldt, es den FC-Fans schuldig zu sein, sich zu einem Hertha-BSC-Thema zu äußern, obwohl er nicht weiß, was abgelaufen ist?


Tatsache ist, dass Preetz keine gute Leistung in elf Jahren als Manager erbrachte. Tatsache ist, dass Klinsmann das Potenzial für Windhorsts Pläne hat. Tatsache ist, dass der Ausstieg Klinsmanns gutes Recht ist, wenn er über strategische Dinge anderer Auffassung ist. Wer im Detail bei diesem Ausstieg besser und schlechter agiert hat, wissen wir nicht. Insofern ist es unseriös, einer Seite die Schuld zu geben.