​Stefan "Stevie" Lainer wechselte nach 171 Pflichtspielen für RB Salzburg gemeinsam mit seinem Trainer Marco Rose im letzten Sommer zu ​Borussia Mönchengladbach in die deutsche Bundesliga. Seither stand er für die Fohlen nahezu immer über die vollen 90 Minuten als offensiver Rechtsverteidiger auf dem Platz, wegen einer Gelb-Sperre und einer leichten Prellung verpasste Lainer lediglich drei von möglichen 29 Pflichtspielen in dieser Saison. Im Interview mit der Sport Bild äußerte er sich nun zu den diesjährigen Ambitionen der Gladbacher und seinem Förderer Marco Rose - die zur Rückrunde verschärfte Ahndung von respektlosen Gesten findet er zudem wenig hilfreich. 


Stefan Lainer ist laut Marco Rose eine "Urgewalt" und diese Bezeichnung könnte besser nicht zutreffen auf einen Spieler, der neben unbändigem Willen und Einsatz auch eine Moral an den Tag legt, die man in Gladbach so lange herbeisehnte. Der 16-fache österreichische Nationalspieler steckt mit seiner Energie nicht nur regelmäßig die eigenen Mitspieler an, sondern hat sich darüber hinaus durch seine bodenständige Kämpfernatur schnell in die Herzen der Gladbacher Anhängerschaft gearbeitet. 


Während Oscar Wendt oder Jonas Hofmann mit jedem zu kurz geratenen Pass auf der Tribüne für ein Raunen sorgen, lässt man Lainer einiges durchgehen. Der gemeine Borussen-Fan hat ein gutes Gespür für den Mehrwert des technisch limitierten aber jeden Ballverlust persönlich nehmenden Dauerläufers - er reißt die Mannschaft und das Publikum mit. Marco Rose schätzt diese Attribute so sehr, dass er seinen Schützling mit nach Mönchengladbach nahm und Lainer weiß, was er seinem Trainer zu verdanken hat.


Die Beziehung zu Rose


"Wir haben viele Spieler, die in dieser Saison unter dem neuen Trainer einen großen Entwicklungsschritt gemacht haben. Marco Rose ist in der Lage, die letzten Prozentpunkte aus jedem herauszukitzeln", lobt Lainer seinen langjährigen Übungsleiter und bewertet zudem die Zusammenarbeit von Spielern und Trainer als sehr stimmig: "Bei uns sind die Intensität und Emotionalität entscheidend. Bei aller Taktik wird unterschätzt, dass der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage häufig darin liegt, in welcher Mannschaft mehr Spieler von Beginn an die volle Spannung aufbauen."  

Stefan Lainer,Marco Rose

Lainer und Rose nach dem Spiel bei RB Leipzig


Warum die beiden so gut zusammenpassen macht Lainer deutlich: "Marco Rose ist nie voll zufrieden. Er will immer das Maximum erreichen, er will den größtmöglichen Erfolg. Diese Haltung erwartet er auch von seinen Spielern." Angesprochen auf das Temperament Roses, gibt sich der 27-jährige verständnisvoll: "Ich denke, dass er schon ruhiger ist als in Salzburg. Er versucht, sich der ganzen Situation anzupassen. Er ist ein emotionaler Trainer, würde aber niemals respektlos mit anderen Menschen umgehen." Man kann bei der Borussia nur hoffen, dass die perfekte Symbiose aus dem Antreiber an der Seitenlinie und dessen verlängertem Arm auf dem Platz noch einige Jahre auf die Mannschaft wirken wird. 


Die Konsequenzen nach Leipzig - Gladbach trainiert Fehlentscheidungen

Bezüglich der kleinlichen Hinausstellung von Kollege Alassane Plea im Auswärtsspiel bei ​RB Leipzig verrät Lainer einige Lehren der Borussia im alltäglichen Training. "In Trainingsspielen werden bei uns bewusst zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidungen getroffen. Unser Co-Trainer Alexander Zickler übersieht schon mal das Abseits. Dann wird erwartet, dass wir die Situation annehmen, den Zweikampf suchen und nicht erst meckern oder winken.​" 


Wunderbar zu beobachten war diese scheinbar angelernte Verweigerung der üblichen Bodenrollen bei leichtem Kontakt, als Marcus Thuram in der Partie bei ​Fortuna Düsseldorf nach klarem Foul von Kasim Adams im Strafraum einfach weiter lief und versuchte, die Situation zu Ende zu spielen anstatt auf einen Elfmeter-Pfiff zu spekulieren und diesen theatralisch zu fordern.

Marcus Thuram, Kasim Adams

 Marcus Thuram vernascht hier erneut Kasim Adams 


Zu der in der Winterpause seitens des DFB mangelhaft kommunizierten Regel-Verschärfung bei Reklamationen hat Lainer eine eigene Meinung: "Ich habe es in der Zeitung gelesen. Eine Schiedsrichter Belehrung hat es nicht gegeben. Aber wir müssen die Entscheidungen akzeptieren", hakt er das Thema für sich ab und hat einen Wunsch an die Verantwortlichen: "Beim Meckern wünsche ich mir mehr Fingerspitzengefühl. Mir wird da jetzt zu viel dramatisiert. Es ist aus meiner Sicht kein fehlender Respekt, wenn man aus der Emotion heraus auch mal lauter wird." 


Was soll ein Spieler, der dermaßen über die eigene Emotionalität ins Spiel findet, auch sonst dazu sagen. "Wir sind keine Mannschaft, die viel lamentiert. Wir sind emotional, nicht undiszipliniert" - mit diesen wenigen Worten beschreibt Lainer exakt seine Herangehensweise und projiziert diese zugleich auf das gesamte Team - so lebt man Einsatz und Fairness vor.


Die Aussichten der Borussia  


Die beständig wiederholte Frage der Medien nach einer Aussage zu den Titelchancen der Gladbacher in​ dieser Saison wischt er gekonnt vom Tisch, jedoch nicht ohne realistische Ziele zu formulieren: "Natürlich würde ich mit Borussia gern irgendwann in der Champions League spielen, wenn wir die Qualifikation schon in dieser Saison schaffen würden, wäre das umso schöner", beschränkt sich Lainer auf den Anspruch, den momentanen vierten Platz zu verteidigen. Sicherlich hat der ehrgeizige Profi auch im Hinterkopf, dass Gladbach bei gewonnenem Nachholspiel nur einen Punkt hinter dem Tabellenführer FC Bayern München liegen würde. Doch er tut gut daran, die von allen Beteiligten kommunizierte Gelassenheit im Bundesliga-Endspurt zu bestätigen indem er schlicht darauf verweist, dass man "gut in der Spur" sei und der Sieg in Düsseldorf "wichtig war um oben dran zu bleiben".  

RB Salzburg v SKN St. Poelten - Tipico Bundesliga

Lainer (m.) mit der Meisterschale in Österreich


Insgesamt viermal wurde er mit RB Salzburg Meister in der österreichischen Bundesliga, man kann also von einer gewissen Erfahrung im Titelrennen sprechen. Auch wenn die Vorzeichen in der deutschen Bundesliga sicherlich andere sind als beim Seriensieger in seinem Heimatland, ist es nicht völlig undenkbar, dass Stefan Lainer mit seiner vorgelebten positiven Art auch die Borussia am Ende der Saison zur Schale verhilft.